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Bahnstreik: Kunden meiden die Rest-Züge

Verkehr Bahnstreik: Kunden meiden die Rest-Züge

Der erneute Streik der GDL führte am Donnerstag zu leeren Zügen und wenig Betrieb am Marburger Hauptbahnhof. Die meisten Reisenden haben wenig Verständnis für die Dimension des Streiks.

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Leere Züge in Marburg. Viele Pendler hatten sich aufgrund des Streiks der GDL nach Alternativen Fortbewegungsmitteln umgesehen.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Der erste Blick in der Bahnhofshalle geht in Richtung Anzeigetafel. Was eine Gruppe von Schülern dort sieht, kommentiert einer von ihnen so: „Zug fällt aus, scheisse!“ Zum Trost geht es dann erst einmal in einen nahgelegenen Fast-Food-Laden. Doch auch andere Bahnfahrer leiden unter dem Streik.

Als der Regionalexpress nach Treysa um 11.02 Uhr pünktlich am Marburger Südbahnhof eintrifft, steigt lediglich eine Reisende hinzu. Im Zug besteht bei der Auswahl an freien Plätzen ein riesiges Angebot. Die meisten Menschen haben sich auf die Situation eingestellt und nach Alternativen umgesehen.

Oder sie haben Glück, so wie Wojcek Pieniaczek. „Die Hauptlinien scheinen zu funktionieren“, sagt er. Im Internet hat er sich über den Ersatzfahrplan informiert und so erfahren, dass sein Zug vom Marburger Hauptbahnhof nach Frankfurt wie üblich fährt. Auch Oliver Franke kann auf dieser Linie seinen normalen Weg in die Mainmetropole antreten. Den Streik findet er dennoch „grenzwertig“. Auf der einen Seite habe er Verständnis, wenn es um mehr Lohn gehe, andererseits werde er „auf dem Rücken der Leute ausgetragen“. Er zahle „eine horrende Summe für die Jahreskarte“ und habe das Gefühl, dass die GDL „sehr stur“ sei. „Irgendwann muss man auch mal Kompromisse eingehen“, findet er.

Ähnlich sieht es Studentin Theresa Freiling. Die Allgemeinheit leide unter dem Ausstand der Lokführer, dennoch sei ein Streik grundsätzlich in Ordnung. „Nur eben nicht in dieser Menge und in diesem kurzen Abständen“, fügt sie hinzu.

Eine Rentnerin aus Marburg glaubt, dass GDL-Chef Weselsky „jedes Augenmaß verloren“ hat. Vier Tage am Stück seien „ziemlich übertrieben“. Wie einige andere auch, ist sie extra zum Bahnhof gekommen, um ihren Zug für heute umzubuchen. Sie fährt über das Wochenende ins schwäbische Ravensburg. „Ob das dann wirklich mit meinen Anschlusszügen alles klappt, weiß ich nicht“, sagt sie. „Zum Glück habe ich aber keinen Zeitdruck. Ich bedaure die Leute, die täglich auf die Bahn angewiesen sind“.

Die Auswirkungen kriegen unterdessen auch die Geschäfte in der Bahnhofshalle zu spüren. „Es ist hier heute viel weniger los als sonst“, hat eine Mitarbeiterin eines Imbisses beobachtet. Die Verkäuferin in einem Zeitschriftenladen bestätigt dies. „Ob wir dadurch Einbußen haben, müssen wir dann anschließend mal bilanzieren“, sagt sie. Eindeutig seien jedoch weniger Menschen unterwegs.

Immerhin auf dem Rückweg in Richtung des Marburger Südbahnhofs ist der Zug (Abfahrt 12.21 Uhr) jedoch relativ gut gefüllt. Das liegt möglicherweise daran, dass die Hessische Landesbahn nicht von dem Streik der Lokführer betroffen ist. Vielleicht ist ein Grund dafür aber auch, dass der Zug Richtung Frankfurt um 11.49 Uhr ausgefallen ist.

von Peter Gassner

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