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Bahnsteik: Marburg wird Fernbus-Drehkreuz

GDL-Konflikt Bahnsteik: Marburg wird Fernbus-Drehkreuz

Befeuert durch den Bahnstreik: In Marburg gibt es in dieser Woche einen Ansturm auf die Fernbusse. Reisefirmen loben die Entwicklung der Fahrgastzahlen in der Stadt generell.Der SPD-Verkehrsexperte Dominic Dehmel kämpft nun für mehr Routen und Abfahrtszeiten.

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Fernbusse stehen am Marburger Krummbogen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Boom dank Bahnstreik: Die Fernbus-Unternehmen erwarten in den kommenden Tagen drei- bis vier Mal so viele Buchungen wie üblich. Bereits beim letzten Streik vom 17. bis 19. Oktober seien die Kundenzahlen massiv gestiegen - Jessica Masik, Sprecherin von Deinbus.de sagt auf OP-Anfrage: „Wir haben signifikant mehr Nachfrage, verzeichnen einen deutlichen Buchungssprung.“ Sie ergänzt: „Frech möchte ich behaupten, dass Bahnstreiks positive Werbung für den Fernbus sind. Wir schicken mehr und größere Busse auf die Straße. Auch für kommende Streiks sind wir gewappnet.“

Zentrale Lage Marburgs vereinfacht Vernetzung

Doch auch, wenn die Lokführer nicht die Arbeit niederlegen, läuft es für die Fernbus-Unternehmen in der Universitätsstadt gut. „Wir verzeichnen einen wöchentlichen Zuwachs bei den Kundenzahlen“, sagt Sarah-Lena Knust, Sprecherin von FlixBus. Marburg habe einen „klaren Vorteil gegenüber Städten von vergleichbarer Einwohnerzahl“: Die zentrale Lage in Deutschland erleichtere die bundesweite Vernetzung. Die beliebtesten FlixBus-Routen ab Marburg seien jene nach Berlin, Köln und Bielefeld, für die ein Ticket nach Unternehmensangaben ab fünf Euro kostet. Das Unternehmen plant eine Erweiterung des Angebots ab Marburg - auch Strecken ins europäische Ausland sollen dann möglich sein.

DeinBus.de registriert den größten Zulauf auf Strecken nach Münster, Aachen, Dortmund und Köln. Der Kundenfrust über die Deutsche Bahn befeuere die Entwicklung. Während der Ausbau der Strecken nach Mittelhessen in den vergangenen Monaten schnell gegangen sei, lege das Unternehmen den Fokus nun verstärkt auf Süddeutschland. Jedoch: Die Verbindung von Marburg nach Hamburg hat das Unternehmen nach kurzer Zeit wieder eingestellt - dort gebe es durch gestiegene Konkurrenz „ein Überangebot“. Die Bedeutung des Standorts Marburg wird nach Ansicht von meinfernbus.de - dem Marktführer in der Branche - wachsen. „Beim Ausbau unseres Netzes wird Marburg eine Rolle spielen“, sagt Marika Vetter, Sprecherin des Unternehmens.

Dass sich die Preise, die teilweise im einstelligen Eurobereich liegen, halten lassen, ist nach OP-Informationen unwahrscheinlich. „Schwarze Zahlen sind das Ziel, was unter anderem durch einen Anstieg der Preise geschehen muss, das auch möglichst routenunabhängig. Wir reden hier von Preissprüngen von nur wenigen Euros“, sagt Masik. Der „tobende Preiskrieg“ sei dem Kampf um Marktanteile geschuldet, gerade auf Verbindungen zwischen Metropolen seien höhere Preise kaum durchsetzbar.

Fernbusse fahren seltener als Bahn

Fahrpreise, Sitzplatzgarantie, keine Umstiege, freies Internet an Bord: Der Marburger SPD-Stadtverordneten Dominic Dehmel (Archivfoto) will noch mehr Fernbusse in die Universitätsstadt locken: „Sie bieten eine günstige Möglichkeit in Regionen zu fahren, die nur sehr schlecht mit der Bahn angebunden sind oder wo einfach die Reisezeit oder Reisekette beschwerlicher wären“, sagt er. Gerade nach Osten und Westen seien die Zugverbindung von und nach Marburg schlecht, „ein Wahnsinn, schon alleine nach Fulda“. Je kürzer und direkter die Bus-Verbindung, desto attraktiver werde er. Preis und Pünktlichkeit: Da habe die Bahn Nachholbedarf, und gerade die Bahnstreiks würden dafür sorgen, dass die Kunden zunehmend auf Fernbusse setzen. Problem: der Fahrtakt. Im Vergleich zur Deutschen Bahn, die viele Nord-Süd-Verbindungen ab Marburg stündlich anbietet, fahren Fernbusse wesentlich seltener.

SPD-Mann Dehmel hat daher eine Branchen-Studie, die dem Fernbusmarkt Wachstums-Potential bescheinigt, zum Anlass genommen um bei Unternehmen für einen Ausbau der Routen von und nach Marburg zu werben. Kommunalpolitisch regt Dehmel an, am Krummbogen - dem Abfahtsort der Busse - ein Wartehäuschen mit Toilette zu installieren, teilfinanziert von den dort abfahrenden Unternehmen. „Das wäre für Kunden ein zusätzlicher Gewinn.“

Auch Ratgeberseiten im Internet wie FahrtenFuchs raten zum Umstieg auf Fernbusse: „Wegen der großen Nachfrage, speziell am Streik-Wochenende, sollte man schnell die Reise buchen“, sagt Geschäftsführer Julian Hauck.

von Björn Wisker

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