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Bahnhofsvorplatz für Autos öffnen?

Nordstadt-Verkehr Bahnhofsvorplatz für Autos öffnen?

Dauerstaus, Händler-Frust, Gefahrenschwerpunkt: Die CDU fordert das Aus für den Verkehrsentwicklungsplan Nordstadt. Konkret: keine Elisabethstraßen-Verengung - dafür eine Teilöffnung des Bahnhofsvorplatzes.

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Der Bahnhofsvorplatz ist seit seinem Umbau für den Autodurchgangsverkehr gesperrt – gerade zu Beginn hielten sich einige Autofahrer nicht daran. Die CDU erkennt an dieser Stelle der Stadt ein grundsätzliches Problem für den Verkehrsfluss.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es werde in der Nordstadt ungeachtet des „krachenden Scheiterns“ etwas „vorangetrieben, was tot ist“, sagt Joachim Brunnet, verkehrspolitischer Sprecher der CDU. Die von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) angekündigten Neuerungen - etwa eine Leitspur auf der Stadtautobahn - hält Brunnet für falsch: „Rumdoktern macht alles nur schlimmer.“

Der Magistrat müsse eingestehen, dass es sich bei der seit mehr als einem Jahr geltenden Regelung um einen „üblen Versuch“ handele, der „auf der völlig falschen Planungsbasis“ entstanden sei. Die Ausrichtung auf studentische Verkehrsinteressen - speziell Fahren mit dem Fahrrad zum noch nicht eröffneten Campus Firmanei - habe zu „Verstopfung der Straßen und Gefährung aller Verkehrsteilnehmer“ geführt.

Die CDU fordert daher das Aus für den vor Jahren entwickelten, beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) und eine komplette Neuplanung für das Viertel: „Da müssen Fachleute ran, neutrale Experten, die nicht nur Wege zur Umsetzung ideologischer Vorgaben suchen“, sagt Brunnet. Und bei der „dringend nötigen Bürgerbeteiligung“ - die nach Erstellung von Planungsvorschlägen geschehen solle - müsse dafür gesorgt werden, dass „nicht als normale Bürger getarnte Politiker den Ton angeben“, also Parteien, Verbände oder lokale Agendagruppen „Lobbyismus gegen den Willen der echten Bürger betreiben“.

Rückkehr zur Altregelung soll es nicht geben

Ein solches Beispiel seien die Verkehrsberuhigungsvorhaben in der Elisabethstraße, die im VEP festgeschrieben sind: „Eine Verengung ist ebenso ein No-Go wie die Sperrung oder die Umwidmung zur Umweltstraße, was nichts anderes als eine Sperrung ist“, sagt Oliver Hahn, Vorsitzender der CDU Nordstadt. Auch Radstreifen, zumal entgegen der Hauptfahrtrichtung, „sind überhaupt nicht denkbar“. Am besten solle man bis auf die Fußgängerwege und optische Verbesserungen in der Verbindungsstraße gar nichts machen, Tempo 30 sei angesichts der perspektivisch verstärkten Verkehrsströme rund um die neue Universitätsbibliothek aber „zumindest überlegenswert“.

Speziell Geschäftsleuten und Behringwerke-Mitarbeitern sei es im Zuge des laufenden Verkehrsversuchs immer schwerer gemacht worden. „Damit muss Schluss sein. Wir können nicht nur die Gewerbesteuerzahlungen nehmen und im Gegenzug die Infrastruktur immer unattraktiver machen“, sagt Hahn.

Die Konservativen erteilen einer Rückkehr zur Altregelung, der Wiedereinführung der Einbahnstraßenregelung für die Robert-Koch-Straße aber eine Absage. „Alles auf null drehen funktioniert nicht mehr. Die Gesamtsituation hat sich verändert, die Stadt ist nunmal umgebaut worden und wird weiter umgebaut“, sagt Brunnet.

Stadt: Bewertung erst nachEröffnung der neuen UB

Zentral ist es für die CDU daher, den „Bahnhofsvorplatz auf den Prüfstand zu stellen“. An dieser Stelle Veränderungen vorzunehmen, statt der ehemals vier eine oder zwei Fahrspuren für Autos und Radfahrer zu öffnen, könne der entscheidende Punkt zu stadtweiten Verbesserungen sein. „Dieser Platz ist der Todesstoß für den Verkehrsfluss, die dort geltende Regelung zerhackt alle Verbesserungsmöglichkeiten“, sagt Hahn. „Ohne ein Neudenken des Themas Hauptbahnhof, ohne massive Eingriffe in die Ursprungsplanung, wird vermutlich nichts, keine wie auch immer geartete Variante funktionieren“, sagt Brunnet. „Der Sand kann nur dort herausrieseln“, sagt Hahn.

Die CDU wolle - wie SPD und BfM - auf den Haupteinfallsschneisen in und aus der Innenstadt heraus zwar die Einführung einer grünen Welle der Ampeln in Stoßzeiten morgens und nachmittags. „Das ist eine vernünftige, kleine Lösung, aber nicht der nötige große Wurf“, sagt Brunnet.

Die Auslagerung des Radverkehrs in die Lahnstraße und die Anneliese-Pohl-Allee sowie infrastrukturelle Verbesserungen der Radstrecken entlang der Lahn seien weitere denkbare, aber vom „ideologischen Kern“ des VEP abweichende Schritte. „Statt alles in die Enge der Bahnhofstraße reinzuquetschen und Unsicherheit pur zu schaffen, täte man so jedem einen Gefallen - auch, wenn der Weg zum Bahnhof für Radfahrer den einen oder anderen Meter länger ist“, sagt Hahn.

Die Stadt will indes trotz der anhaltenden an der Verkehrsregelung festhalten. Eine abschließende Bewertung könne erst nach der Eröffnung des Campus Firmanei / der neuen Uni-Bibliothek (also Herbst 2017) erfolgen, kündigt man auf OP-Anfrage an. Eine „Zwischen-Evaluation“ sei „frühstens im ersten Quartal 2017“ denkbar. Und grundsätzlich ließe sich feststellen, „dass die Neuregelung über das ganze Jahr hinweg deutlich besser funktioniert hat, als in den Vorweihnachtswochen 2015 und 2016“.

von Björn Wisker

Geschichte eines Verkehrsversuchs
Der Verkehrsentwicklungsplan Nordstadt wurde auf Grundlage von Stadtverordnetenbeschlüssen 1998 in Auftrag gegeben. Die Erarbeitung eines solchen Konzepts wurde von dem Gutachterbüro BSV übernommen.  Dessen Ergebnisse sollten als Grundlage für weitere Detailplanungen dienen. Ab 2012 schlossen sich zwei Bürger-Info-Veranstaltungen und ein sogenanntes Werkstattgespräch mit Interessierten an. 2013 beschlossen Marburgs Parlamentarier eine Magistratsvorlage, welche die aktuelle Regelung in Bahnhof- und Robert-Koch-Straße (inklusive Tempo-20-Regelung für die Elisabethstraße als Umweltstraße) vorsieht. Die Neuregelung in der Bahnhof- und Robert-Koch-Straße gilt seit Herbst 2015, um die Umsetzung der Vorhaben in der Elisabethstraße sind zuletzt neue Diskussionen entstanden – etwa der Einführung von Tempo 30 statt Tempo 20.
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