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Bahn-Fiasko: Politiker stellen Schuldfrage

Tourismus Bahn-Fiasko: Politiker stellen Schuldfrage

"Provinz-Posse", "Schildbürgerstreich", "Gesichtsverlust", "Schaden für die Stadt": Das Schlossfahr-Verbot für die Marburger Bimmelbahn sorgt für Diskussionen in der Kommunalpolitik.

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Der Kampf Amtsschimmel gegen Schlossbahn: Nach Magistratsangaben gibt es nur noch eine Strecken-Variante zum Landgrafenschloss, die Steigung von 15 Prozent nicht überschreitet. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich sehe, wie das Ding gelaufen ist“, sagt Hennig Köster (Linke). „Man musste nur Zeitung lesen oder auf Facebook schauen, da haben die Leute alle Fragen gestellt, die sich jetzt erst die Betroffenen stellen.“ Es sei nicht nachvollziehbar, wie es zu „diesem Schildbürgerstreich, dieser Provinz-Posse“ kommen konnte. Kritik auch von den Bürgern für Marburg: „Die ganze Stadt hat Schaden genommen“, sagt Andrea Suntheim-Pichler. Bereits Anfang des Jahres bemängelte sie ein fehlendes Gesamtkonzept, die Nicht-Einbe-ziehung politischen Gremien.

Der Magistrat weist die Vorwürfe während des Verkehrsausschusses zurück: Weder sei man für die Genehmigung oder Prüfung verantwortlich, noch habe man den Unternehmer Brunett zu der Investition gedrängt oder ihn darin bestärkt. Im Gegenteil: „Wir standen sogar auf der Bremse, warnten vor einem voreiligem Start“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Die Bahn hätte laut seinen Aussagen ursprünglichen Plänen zufolge bereits im Sommer 2013 fahren sollen. Die Entwicklung sei „bedauerlich“, man habe aber auch im Rathaus „im Vorfeld Bedenken“ gehabt, ergänzt Bürgermeister Franz Kahle (Grüne). Die Stadtverwaltung habe „alles gemacht, was sie machen konnte“. Klar sei, so Vaupel, „dass das kein Ruhmesblatt für alle Beteiligten ist.“

Das Bahn-Fiasko sei zustande gekommen, weil es sich bei dem Fahrzeug um eine Spezial-anfertigung handele, die nicht baugleich zu allen anderen Bimmelbahnen in Deutschland ist. Das habe die Prüfung und Ausstellung einer neuen Genehmigung notwendig gemacht - ein Fakt, der bis Mitte Juni niemandem bekannt war, wie Vaupel sagt. Das Stadtoberhaupt kritisiert daher den Bahn-hersteller. Dieser habe dem Betreiber zwar versichert, dass die Bahn technisch 23-prozentige Steigungen meistern könne, ihn aber nicht darauf hingewiesen, dass gesetzlich maximal 15 Prozent Steigung erlaubt seien, für das Modell nicht dieselben Maßstäbe gelten wie für andere Bahnen in Deutschland.

Einspruch von Köster: „Jetzt schiebt man die Verantwortung auf Unternehmer und Hersteller. Und das, obwohl die Kommune ihre Fürsorgepflicht missachtet hat“. Andrea Suntheim-Pichler sagt: „Es ist nicht okay, denen den schwarzen Peter zuzuschieben.“ Die CDU will die Touristen-attraktion „nicht kaputt diskutieren“, wie Joachim Brunnet sagt.

Die Hoffnungen der Unternehmer und des Magistrats ruhen auf einer letzten möglichen Alternativ-Route zum Schloss, die aktuell geprüft wird. Vaupel zufolge ist diese flacher, einzig Kurven könnten zum Problem werden. Der OB will die Strecke noch nicht nennen, „erst bei Bedarf die Anwohner fragen“. Da nach Vaupels Aussagen neben der Lutherstraße auch die Landgraf-Philipp-Straße und wohl auch der Sandweg ausscheiden, gibt es nur wenige Möglichkeiten. Über den Roten Graben und Hainweg könnte das Schloss von der Rückseite angefahren werden, doch dürften diese Straßen zu steil sein. Möglich wäre eine Anfahrt theoretisch auch über die Marbach: Durch die Köhlersgrundgasse und den Paul-Ehrlich-Weg zum Gisonenweg.

„Wenn die von uns angedachte Variante nicht klappt, wäre es jedenfalls das Aus für die dringend notwendigen Fahrten zum Schloss“, sagt Vaupel. Skepsis bei den Linken: „Jetzt soll irgendeine Brechstangen-Lösung her, um das Gesicht zu wahren“, sagt Köster.

von Björn Wisker

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