Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
BI spricht Al-Wazir Gestaltungswillen ab

Tempolimit auf der Stadtautobahn? BI spricht Al-Wazir Gestaltungswillen ab

In rund vier Wochen wird die gesamte Innenstadt von  Marburg Umweltzone sein – nur die Stadtautobahn nicht. Die BI Stadtautobahn kämpft weiter fürs Tempolimit.

Voriger Artikel
1,6 Millionen Euro für Ehrenamtliche
Nächster Artikel
Wo sich Bürger doch noch nicht beteiligen können

Die B 3 in Marburg ist von der Umweltzone ausgenommen, die ab 1. April ansonsten die ganze Innenstadt umfasst.  Ein schärferes Tempolimit kommt vorerst nicht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dass Lärm krank macht, ist inzwischen erwiesen. Zuletzt hat eine groß angelegte Langzeitstudie an der Charité nachgewiesen, dass bei Männern das Herzinfarktrisiko um etwa 30 Prozent steigt, falls sie längere Zeit in Gebieten mit hohem Verkehrslärm wohnen. Für Hannes Kleinhenz, Sprecher der Bürgerinitiative Stadtautobahn,  ein weiteres wissenschaftliches Argument für ein Tempolimit auf der Stadtautobahn.

Auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) unterstützt diese Forderung; er argumentiert mit der Umweltzone, die ab 1. April in der gesamten Innenstadt gilt. Warum ausgerechnet die Stadtautobahn davon ausgenommen sein soll, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hat jedenfalls der Forderung nach einem Tempolimit eine Absage erteilt. Die heimische Landtagsabgeordnete Angela Dorn unterstützt den Wunsch nach einem Tempolimit auf der B 3, verweist aber auf die Zuständigkeit des Bundes.  Die Bundesebene stelle für ein Tempolimit zu hohe Hürden auf; die Lärmbelastung auf der Stadtautobahn erreiche nicht die für ein Tempolimit von 80 Kilometer pro Stunde notwendigen Grenzwert. Auch die Belastung der Luft mit Stickoxiden werde durch ein Limit nach den vorhandenen Berechnungen nicht so reduziert wie man zunächst erwarten würde.

Forderung: Tempo 100 bis Gisselberg

„Ich musste in meinem Engagement feststellen, dass die Einflussmöglichkeiten auf Landesebene leider begrenzt sind.  Wir haben uns sehr darum bemüht, dass vom Bund niedrigere Grenzwerte festgesetzt werden und die Gesamtbelastung durch Lärm als Kriterium durchgesetzt wird“, sagt Dorn. Die „kumulierte Belastung“ durch Autobahn und Eisenbahn sei auf Dauer nicht zu ertragen. „Wir stoßen in Berlin aber auf taube Ohren.“ Dorn wies die Forderung der BI Stadtautobahn zurück, Hessens Verkehrsminister Al-Wazir (Grüne) solle sich über die geltende Regelung hinwegsetzen und das Tempolimit auf eigene Faust einführen. „Wenn wir uns nicht an Recht und Gesetz halten, sind alle Veränderungen in der Verkehrspolitik zum Scheitern verurteilt.“

Kleinhenz hält dagegen, dass in anderen Bundesländern Tempolimits angeordnet worden sind, ohne dass nur eine einzige Klage dagegen bekannt geworden wäre.  Verkehrsminister Tarek Al-Wazir pflege einen „bürokratischen Umgang“ mit den Problemen und lasse jeglichen Gestaltungswillen vermissen.

BI-Mitglied Dr. Anne Maximiliane Jäger-Gogoll hält eine räumliche Ausdehnung des bestehenden Tempolimits für zwingend geboten. Die derzeitige Beschränkung auf Tempo 100 zwischen Südspange und Marburg-Nord lasse die Stadtteile Wehrda und Cappel ganz im Stich. Sie fordert Tempo 100 bis Gisselberg.

Über lärmreduzierende Maßnahmen an der B 3 gibt es einen breiten Konsens unter den im Stadtparlament vertretenen Parteien. Die CDU hat sogar explizit die Idee der Einhausung in ihr Wahlkampfprogramm aufgenommen.
Verkehrspolitiker der Linken machen allerdings darüber hinaus noch den großen Wurf:  Die Stadtautobahn muss weg, sagt etwa  schwäbische Verkehrspolitiker Winfried Wolf, der schon 1993 in einem Gutachten die Stadtautobahn hauptverantwortlich gemacht hatte für Verkehrslärm und schlechte Luft. Angesichts von täglich 46 000 Fahrzeugen, die die B 3 täglich befahren, sei die Vorstellung, es handele sich bei der B 3 in erster Linie um eine innerstädtische Verteilerschiene, nicht zu halten, sagte Wolf bei einem Besuch in Marburg. Konsequenter Ausbau des ÖPNV und radikale  Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs könnten die „Autobahn“ verzichtbar machen  – und ermöglichen, die B 3 zu einer „normalen“ Bundessstraße zurückzustufen, mit Kreuzungen und Ampeln. „Damit wäre schon viel gewonnen“, sagt Wolf.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr