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"BI gegen Bordell" fordert bundesweites Sexkauf-Verbot

Prostitution "BI gegen Bordell" fordert bundesweites Sexkauf-Verbot

Kampf für ein neues Prostitutionsgesetz: Aktivisten fordern eine Reform und senden einen "Marburger Appell" an mehr als 600 Bundestagsabgeordnete.

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Gegen Bau und Eröffnung des Bordells Erotic Island in Wehrda protestierte 2005 die „BI gegen Bordell“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Marburger „Bürgerinitiative gegen Bordell“ wendet sich mit einem Schreiben an die Bundespolitik. In ihrem „Marburger Appell“, den mehr als 600 Abgeordnete des Deutschen Bundestags erhalten und welcher der OP vorliegt, fordern die Mitglieder der Initiative ein Verbot des Sexkaufs nach dem Vorbild Schwedens, Norwegens und Frankreichs.

„Würden Sie Ihrer Frau, Ihrer Tochter, ihrer Nichte, Ihrer Schwester, Ihrer Freundin das Schicksal einer Prostituierten zumuten? Sie haben die Macht dazu, Deutschland, das „Bordell Europas“ wieder zu einem zivilisierteren Land zu machen“, schreiben die Aktivisten.

Die Politik solle „nicht länger Mythen folgen“, wie etwa „Prostitution sei das älteste Gewerbe der Welt, nach einem Verbot des Sexkaufes wandere Prostitution in den Untergrund ab, wie das Beispiel Schweden angeblich zeige, oder dass die meisten Prostituierten freiwillig arbeiteten.

In persönlichen Gesprächen mit den Mitgliedern der BI hätten sich „nicht wenige Abgeordneten des Bundestages ebenfalls für eine grundsätzliche Ablehnung des Sexkaufes ausgesprochen“. Offiziell würden diese aber einen halbherzigen Kompromiss vertreten, da ein Verbot des Sexkaufs politisch nicht durchsetzbar sei. In Anbetracht der mit Sexkauf verbundenen Menschenrechtsverlet zungen und der Verstöße gegen Artikel 1 des Grundgesetzes „können wir dieser allzu pragmatischen politischen Logik nicht folgen“.

Zwar sei es zu begrüßen, dass in den Koalitionsverhandlungen die Novellierung des Prostitutionsgesetzes von 2002 festgeschrieben wurde. Die BI ist jedoch der Meinung, dass die geplanten Änderungen „nicht weit genug gehen.“

Rund 100 Milliarden Dollar durch Zwangs-Prostitution

Die Marburger verweisen bei ihren Forderungen auf Empfehlungen des Europaparlaments, der European Womens Lobby und des Karlsruher Appells der Partei „Die Grünen“.

Mit moderner Sklaverei werden laut einer aktuellen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit Profite in Höhe von jährlich 150 Milliarden Dollar erwirtschaftet. 21 Millionen Männer, Frauen und Kinder sind davon betroffen. Fast zwei Drittel dieser illegalen Gewinne - 99 Milliarden Dollar - entstehen laut ILO durch Zwangsprostitution.

Die Bürgerinitiative kämpft seit rund zehn Jahren für Verbesserungen im lokalen Rotlichtmilieu, sie versuchte 2005 den Bau und die Eröffnung des Großbordells„Erotic Island“ in der Marburger Siemensstraße zu verhindern.

von Björn Wisker

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