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Autofahrer schneidet Polizeiwagen

Aus dem Gericht Autofahrer schneidet Polizeiwagen

Wer da alles in dem Fahrzeug saß, das er widerrechtlich auf der B3 überholte - damit hätte ein Autofahrer aus Marburg nicht gerechnet. „Dumm gelaufen“, konnte der geständige Angeklagte da nur zugeben.

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Vor dem Amtsgericht musste sich ein Autofahrer wegen eines riskanten Überholmanövers verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Nach einem riskanten Überholmanöver staunte der Mann nicht schlecht, als ihm das andere, voll besetzte Fahrzeug bis zum nächsten Stopp folgte. Darin saßen gleich fünf Polizisten, die dem vermeintlichen Raser die Leviten lasen. Seine Verhandlung wegen Straßenverkehrsgefährdung wurde vertagt.

Am ersten Prozesstag vor dem Marburger Strafgericht gab der 34-Jährige die Vorwürfe voll umfassend zu, zeigte sich jedoch überrascht wie gefährlich die Sache tatsächlich gewesen sein soll.

Im Dezember vergangenen Jahres war er auf der B3 in Richtung Marburg unterwegs. Vor ihm auf der linken Spur fuhr ein weiteres Fahrzeug - seiner Meinung nach viel zu langsam. Der eilige Fahrer zog auf die rechte Spur, gab Gas und überholte rechtswidrig den anderen Pkw.

„Grob verkehrswidrigund rücksichtslos“

Im Anschluss scherte er erneut nach links aus, eng vor dem anderen Fahrzeug, sodass dessen Fahrerin scharf bremsen musste, um nur knapp einen Unfall zu verhindern. Laut Anklage handelte der Beschuldigte „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“.

Das riskante Manöver ließen die Insassen des gegnerischen Fahrzeugs nicht auf sich beruhen. Die Polizisten, die in zivil unterwegs waren, folgten dem Verkehrssünder und gaben sich an einer Tankstelle zu erkennen.

Seine abenteuerliche Tat gab der Mann zu, „das war dumm und unüberlegt, ich bin selbst schuld“, gestand er zerknirscht vor Gericht.

Grund für sein Handeln war Zeitdruck. Der junge Familienvater war spät dran und wollte seine kleine Tochter aus dem Kindergarten abholen, erklärte er. Nach seiner Meinung fuhr der andere Wagen dazu noch recht langsam „und permanent auf der linken Spur“, obwohl die Möglichkeit bestanden hätte, bei wenig Verkehr nach rechts einzuscheren.

„Das ist natürlich keine Entschuldigung“, ergänzte der Mann seine Aussage. Dass ein Überholmanöver auf der rechten Spur verkehrswidrig ist, sei ihm bewusst, dass er den anderen Wagen so scharf geschnitten haben soll, dagegen nicht.

Auch das Bremsmanöver des anderen Wagens bekam er nicht mit.

Strafrechtlich relevant war weniger das Überholen auf der falschen Spur, „das ist eine Ordnungswidrigkeit, darum geht es hier nicht wirklich“, erklärte Strafrichter Cai Adrian Boesken die Sache.

Deutlich schwerer ins Gewicht falle das übermäßig scharfe Einscheren, das „mit einer konkreten Gefahr für Leib und Leben“ verbunden ist.

Verhandlung vertagt - noch kein neuer Termin

„So habe ich das nicht wahrgenommen“, machte der Mann deutlich. Seine glaubhafte Überraschung und Reue veranlassten den Richter, ein Auge zuzudrücken und eine Einstellung für das geringwertige Verfahren anzuregen. Da die Fahrerin des anderen Wagens kurzfristig nicht als Zeugin vor Gericht erscheinen konnte, „können wir heute nicht fragen, wie knapp es denn nun wirklich war, ich würde es dabei belassen“, sagte Boesken. Dem Vorschlag schloss sich die Staatsanwaltschaft nicht an.

Um die Zeugen erneut zu laden, wurde die Verhandlung unterbrochen. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

von Ina Tannert

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