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Autofahrer hupen aufmunternd

Fahrraddemo Autofahrer hupen aufmunternd

Der Höhepunkt der Fahrraddemo am Donnerstag war die rund ein Kilometer Fahrstrecke auf der Stadtautobahn von der Anschlussstelle Bahnhofstraße bis Marburg-Mitte.

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An die Rücksichtnahme der Autofahrer appellierten manche Radfahrer.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Dort konnten die rund 250 bis 300 Demonstranten, die überwiegend mit Rädern, teils auch mit Skateboards und Inlinern unterwegs waren, einmal jene Luft schnuppern und jenen ungestörten Bodenbelag erfahren, der sonst nur Autofahrern vorbehalten ist (die OP berichtete).

Gerade, direkte Fahrt für freie Radler, so könnte man auch das Motto der Veranstaltung nennen. In der Marburger Innenstadt fühlen sich die meisten Radler nämlich kaum ernstgenommen, fahren über Bordsteinkanten, jede Straße ist für Radler anders ausgewiesen. Ein Zuckeln ohne Ende. Auf ihrer rund zehn Kilometer langen Fahrstrecke, mehrmals die Innenstadt kreuzend, hielten die Radler viermal zur öffentlichen Kundgebung.

Symbolhaft war auch der Stopp am Wilhelmsplatz, wo noch die Relikte von Straßenbahngleisen von alternativen Verkehrsmöglichkeiten künden. Doch man muss nicht so weit gehen wie ­Jonathan Schwarz von den Marburger Linken, der ein autofreies Marburg fordert. Die meisten wären mit guten Radwegen schon zufrieden.

So fuhren im Tross der Demo nicht nur Aktivisten, sondern viele radelnde Normalbürger, Professoren, Mitarbeiter des Weltladens, alternativer Gruppen und Vereine sowie schlicht Studierende, die auf gutes Radfahren angewiesen sind.

Beiläufig war die Demo auch eine Schau der großen Bandbreite an Rädern und Vehikeln. Der 76-jährige Pfarrer (im Unruhestand) Hans-Horst Althaus selbst fährt mit dem ­Pedelec, mit dem er auch locker die Lahnberge hochkommt. Andere­ fuhren kleinste Klappräder, ­Falträder; Tandems und Liegeräder waren unterwegs. Auch voll beladene Cargo-Bikes waren zu sehen. Mit Elektrounterstützung macht man so vor keinem Berg mehr schlapp.

Einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr fanden die Demo-Teilnehmer sinnvoller als eine Teststrecke autonom fahrender Autos auf die Lahnberge. Fahrradfahrer gehören mit markierten Radwegen auch auf die Straße und nicht auf den verbreiterten Gehweg, war eine Forderung.

Entlang der Strecke stießen die klingelnden und trötenden Aktiven überwiegend auf Zustimmung. Manches Autohupen konnte­ man eher als Aufmunterung denn als Provokation deuten. Auf Provokation waren die Aktiven denn auch nicht aus. Dazu bahnte sich der Demonstrationszug aufmerksam und rücksichtsvoll, von der Polizei geleitet, seinen Weg.

Die Veranstalter des Asta um Alena Fischer und Phips Schlegel zogen am Abend ein positives Fazit. Die Demo lief gut geregelt und fast schon effizient ab. Nur einmal geriet der Zug, der sich gelegentlich auf 300 Meter in die Länge zog, ins Stocken: Auf der leeren Stadtautobahn fanden es die Radler zum Verweilen schön. Da musste Christian Prölß vom städtischen Ordnungsamt schon lautstark antreiben. Ein Stopp auf der Stadtautobahn war nicht vorgesehen und sogar verboten.

von Martin Schäfer

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