Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Auszeichnung für zwei Uni-Frauen

Förderpreis Auszeichnung für zwei Uni-Frauen

Der Frauenförderpreis der Universität ging dieses Mal an zwei Preisträgerinnen. Er wurde in der Alten Aula der Universität verliehen.

Voriger Artikel
Grüne verteidigen Bürgermeister Kahle
Nächster Artikel
Stadtfest-Organisation ist „Notlösung“

Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause (links) und Frauenbeauftragte Silke Lorch-Göllner (rechts) ehrten die Preisträgerinnen (ab Zweite von links) Aygün Habibova und Professorin Renate Renkawitz-Pohl.

Quelle: Markus Farnung/Uni Marburg

Marburg. „In diesem Jahr haben wir die besondere Situation, dass wir zwei Preisträgerinnen an zwei ganz unterschiedlichen Punkten ihrer wissenschaftlichen Karrieren haben. Professorin Renate Renkawitz-Pohl ist bereits seit 40 Jahren promoviert und als Expertin im Bereich der Genetik etabliert, während Aygün Habibova gerade erst ihr Studium beendet hat“, erklärte Uni-Präsidentin Katharina­ Krause bei der diesjährigen Preisverleihung des Frauenförderpreises in der Alten Aula. Neben der Verleihung wurde an diesem Abend zunächst auch die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Ingrid­ Rieken verabschiedet, die in den Ruhestand geht.

„Ingrid Rieken kam im Jahr 2008 bereits als erfahrene Erziehungswissenschaftlerin und Fachfrau für Gleichstellung an die Uni Marburg und wir haben in dieser Zeit gemeinsam viel konstruktiv gestritten, aber vor allem viel erreicht“, erklärte Riekens Kollegin, Dr. Silke Lorch-Göllner, mit der sich Rieken die Stelle teilte. Lorch-Göllner fügte hinzu: „Leider wird die Frauenförderung in diesen Zeiten wieder vermehrt infrage gestellt. Darüber hinaus werden sogar Rufe nach Männerförderung laut. Solche popu­listischen Aussagen mögen Zeichen von Hilflosigkeit sein. Sie gefährden jedoch unsere Arbeit, um Frauen gerade im Wissenschaftsbereich noch weiter zu unterstützen“.

Die Sprecherin der Gleichstellungskommission, Professorin Carmen Birkle, bemerkte­ anschließend zur Verabschiedung: „Gerade in diesen Zeiten, in denen sexistisch-rassistische Wähler in den USA verhindert haben, dass Hillary Clinton die letzte gläserne Decke durchbricht, braucht es Menschen wie Ingrid Rieken, die mit Mut und Durchsetzungskraft für mehr Frauen in hohen Positionen kämpfen“.

"Das Pferd zum Springen motivieren"

Gerade im MINT-Bereich, (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), dafür hatte sich Rieken seit Jahren eingesetzt, gebe es noch immer zu wenig erfolgreiche Wissenschaftlerinnen. Im Fachbereich Biologie gibt es mittlerweile sogar einen leichten Frauenüberschuss. Dieses sei allerdings in der Zeit, als Preisträgerin Renkawitz-Pohl ihren Abschluss machte, noch lange nicht der Fall gewesen, wie deren Laudatorin, Professorin ­Monika Hassel, bemerkte.

„Bis heute ist es schwer, als junge Frau und Mutter in den Wissenschaftsbetrieb zu finden. Als Renate genau dies jedoch vor 40 Jahren schaffte, war es wirklich außergewöhnlich. Bis heute hat sie viele junge Frauen in Marburg promoviert, von denen nahezu alle erfolgreich an Universitäten und in Firmen untergekommen sind“.

Die Preisträgerin selbst bemerkte: „Ich hatte viel Glück, dass meine Professoren mich immer unterstützt haben, wofür ich allen äußerst dankbar bin. Des Weiteren denke ich, dass es in Sachen Förderung, unsere Pflicht ist, das Pferd zum Springen zu motivieren, ohne es über das Hindernis zu heben. Denn bei zu viel Bemutterung droht Unselbstständigkeit“.

Im Gegensatz zu Renkawitz-Pohl, die sich wie die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Rieken­ dem Ruhestand annähert, hat die 1992 in Aserbaidschan geborene Aygün Habibova ihre Karriere noch vor sich.

Derzeit kämpft die Absolventin in Politikwissenschaft für die Schaffung einer Antidiskriminierungsstelle an der Uni. Dafür erhielt sie den Förderpreis. „Sie hat sich während ihres ­gesamten Studiums unermüdlich in diversen Studierendengremien für das Thema Gleichstellung eingesetzt, weswegen wir Studenten sie ohne ihr Mitwissen für diesen Preis nominiert haben“, erklärte ihre Laudatorin Leonie Ulrichs. Sichtlich gerührt bemerkte Habibova schlussendlich: „Ich bedanke mich bei allen, die mich vorgeschlagen und die diesen Abend ermöglicht haben. Leider ist es immer noch so, dass sich viele Studenten durch Noten und Beschäftigungsverträge in mehrfacher Abhängigkeit befinden und sich mehrfache Diskriminierung sexistischer wie auch rassistischer Natur ausgesetzt sehen“. Zur Bewältigung dieser Probleme werde eine eigene Stelle benötigt.

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr