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Auszeichnung für Malaria-Forscher

Rudolf-Leuckart-Medaille Auszeichnung für Malaria-Forscher

Seit 25 Jahren ist der Marburger Parasitologe Professor Klaus Lingelbach unter anderem auf den Spuren des Malaria-Erregers.

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Professor Klaus Lingelbach wurde in Zürich mit der Rudolf-Leuckart-Medaille ausgezeichnet. Foto: Manfred Hitzeroth

Marburg. Der Marburger Biologe Professor Klaus Lingelbach hat in Zürich anlässlich der Jahrestagung der Deutschen und Schweizer Gesellschaften für Parasitologie die Rudolf-Leuckart-Medaille erhalten. Die Deutsche Gesellschaft für Parasitologie ehrte Lingelbach damit für seine Arbeiten über die zellbiologischen Grundlagen, die zu pathologischen Veränderungen infizierter Zellen führen.

Der Hochschullehrer der Philipps-Universität begründete dieses Forschungsgebiet vor 25 Jahren maßgeblich mit, als er erkannte, dass die Verteilungsprozesse von Proteinen in infizierten Zellen nach bis dahin unbekannten Mechanismen erfolgen. „Mittlerweile gehen weltweit zahlreiche Arbeitsgruppen der Frage nach, wie es dem Parasiten gelingt, seine Wirtszelle so zu modifizieren, dass er darin überleben und sich vermehren kann“, erläutert er.

In seinen Arbeiten analysierte er Proteine des Parasiten, die an diesen Veränderungen beteiligt sind. Darüber hinaus konnte er kürzlich zeigen, dass es dem Parasiten möglich ist, Proteine der Wirtszelle so zu aktivieren, dass sie für den Parasiten wichtige Nährstoffe aus dem Blut in die infizierte Zelle importieren.

Lingelbach studierte in Tübingen, Heidelberg und Melbourne Biologie mit den Schwerpunkten Parasitologie und Biochemie. „Als ich studierte, war dies eine sehr ungewöhnliche Kombination, aber letztlich hat sie mir zu neuen Denk- und Forschungsansätzen verholfen“, sagt er rückblickend. Vor allem die Frage der molekularen Mechanismen der Malaria-Erreger begann Lingelbach bald zu interessieren. Sehr wichtig sind seine Forschungsansätze für die Erforschung der Tropenkrankheit Malaria, für die er auch wesentliche Anregungen bei einem Forschungsaufenthalt in Australien erhielt.

Vor allem war er der Frage auf der Spur, wie es die Malaria-Erreger schaffen, in die roten Blutkörperchen der Menschen einzudringen, in denen sie dann leben. Wie gelang es den Parasiten, diese Zellen umzuprogrammieren? Nach einigen Schlüsselexperimenten zur Aufklärung der Mechanismen fand Lingelbach heraus, dass die Malaria-Erreger Eiweiße produzieren, die sie dazu verwenden, den Zellen, in die sie eindringen, neue Eigenschaften zu geben.

Als Grundlagenforscher arbeitet Lingelbach an der Universität Marburg eng mit Forschern des Fachbereichs Pharmazie zusammen, wenn es beispielsweise um den Anstoß zur Entwicklung von Malaria-Medikamenten geht, die ständig weiterentwickelt werden. Obwohl es prinzipiell sehr effiziente Wirkstoffe gibt, liegt die Zahl der Malaria-Todesfälle allerdings immer noch bei rund einer Million Menschen pro Jahr. 90 Prozent von ihnen sind nach Darstellung Lingelbachs vorwiegend Kleinkinder unter fünf Jahren in Afrika. Verantwortlich für die Todesfälle sei vor allem ein schlecht ausgebautes Gesundheitssystem, das besonders bei Naturkatastrophen oder Bürgerkriegen schnell auseinanderfalle.

Bereits als Schüler interessierte sich der Sohn eines Tierarztes für Parasiten, die bei anderen Menschen eher Ekel erregen. „Parasiten sind deswegen faszinierend, weil sie in anderen Organismen leben. Die parasitäre Lebensweise ist übrigens sehr erfolgreich.

Sachverständigerfür die Bundesregierung

„Zwei Drittel der Organismen auf der Welt sind Parasiten“, erläutert Lingelbach im Gespräch mit der OP. Nach seiner Promotion arbeitete der Biologe unter anderem am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg sowie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Seit 1996 vertritt er das Fach „Parasitologie“ am Marburger Fachbereich Biologie. „Die Parasitologie hat, wie die Infektionsbiologie insgesamt, eine bewährte Tradition an den Universitäten Marburg und Gießen“, erklärt Lingelbach. Der Biologe war Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie. Er steht dem Wissenschaftlichen Beirat des Hamburger Tropeninstituts vor und ist in der Zentralen Kommission für Biologische Sicherheit Sachverständiger für die Bundesregierung bei der Sicherheitsbewertung parasitärer Infektionen. Am Marburger Sonderforschungsbereich „Mechanismen der zellulären Kompartimentierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen“ ist er stellvertretender Sprecher.

Die Rudolf-Leuckart-Medaille wurde zum Andenken an Rudolf Leuckart gestiftet, den Mitbegründer der deutschen Parasitologie, der von 1850 bis 1866 Professor an der Universität Gießen war.

von Manfred Hitzeroth

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