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Auswandern für Albaniens Kinder

Missions-Gründung Auswandern für Albaniens Kinder

Ihr Leben haben Kim Anne und Johannes Kalb in Kisten gepackt. Die Kartons stapeln sich in ihrer Wohnung am Ortenberg. Sie verlassen ihre Heimat um in Südosteuropa ein neues Leben aufzubauen.

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Kim Anne (33) und Johannes Kalb (32) wandern aus, um in Albanien eine Hilfsstation für behinderte Kinder aufzubauen. Die Marburger Mission unterstützt das Projekt finanziell. Foto: Björn Wisker

Marburg. Es ist nicht so, dass der 32-Jährige und seine ein Jahr ältere Ehefrau unglücklich wären. Sie schätzen das, was sie in ihrer mittelhessischen Heimat haben, lieben ihre kleine Tochter.

Und doch hat dieses Kribbeln im Bauch nie aufgehört. Dieser Drang, eines Tages den ganz großen Sprung zu wagen. Alles, das bisherige Leben hinter sich zu lassen, neu anzufangen, auszuwandern - und seine Kraft den weniger Privilegierten auf der Welt zu widmen.

„Bewegt hat uns das Schicksal von behinderten Kindern in Albanien“, sagt Johannes Kalb, Sozialarbeiter. Für sie, ihre Belange wird er sich mit seiner Ehepartnerin Kim Anne, diplomierte Kauffrau, künftig einsetzen. In Urlauben fiel es ihnen auf: Behinderte schien es in Albanien - 3,2 Millionen Einwohner - nicht zu geben. Auf der Straße, im Café, im Bus: Keine Spur von Menschen mit Handicap. Das stimmte die Marburger nachdenklich.

„Behinderte werden versteckt“, sagt Johannes Kalb, Aus Scham, Angst und Unwissenheit ob der modernen Therapiemöglichkeiten. Das alles wollen die Marburger mit einem neuen Hilfsprojekt ändern. „Wir wollen unser Wissen teilen“, sagt er. Ob das Ehepaar eine Art Klinik einrichten, ein Begegnungshaus oder eine mobile Hilfs- und Aufklärungsstation gründen will- darüber haben die Kalbs noch nicht entschieden. Genauso wenig darüber, ob geistig oder körperlich Behinderte - oder beide Gruppen - im Fokus ihrer Arbeit stehen sollen. „So eine konkrete Festlegung würde noch keinen Sinn machen. Denn wir müssen uns erstmal eine Weile vor Ort die Bedürfnisse anschauen“, sagt der 32-Jährige.

Vor Ort bedeutet die Region um Pogradec, im Osten Albaniens an der Grenze zu Mazedonien. „Eine Orthopädie-Werkstatt befindet sich dort, das kann unserer Arbeit nutzen.“

Die Pionierarbeit wird von der Stiftung Marburger Mission finanziell unterstützt. Vor acht Jahren keimte in den Kalbs die Auswanderungs-Idee, irgendwann 2012 wurden die Pläne konkret.

Seitdem bereiten sie sich auf den Schritt vor. Zielort auswählen, Konzept erstellen, Papierkram, Finanzen, Sprache: Nach einem Jahr der Vorbereitung startet Mitte September das Abenteuer, das kein Abenteuer sein soll.

„Einfach hin und weg gibt es für uns nicht“, sagt Kim Anne Kalb. Ihr Motor sind Beharrlichkeit und Leidenschaft - so, wie schon beim Aufbau des Marburger Patenschaftsmodells „Heartbeat“ für behinderte Kinder in Taiwan

.

Die neuerliche Aufbauarbeit in Albanien werde nicht in ein, zwei Jahren erledigt sein, sagt sie. Zehn Jahre, 20 - ihr ganzes Leben wollen Johannes und Kim Anne samt Tochter in Albanien bleiben. Die Kauffrau steigt in rund drei Wochen mit der kleinen Tochter in den Flieger nach Tirana. Der Sozialarbeiter fährt mit dem vollgepackten Auto die 1826 Kilometer gen Süden. Dann starten sie gleich zwei Projekte: Eines beruflich für behinderte Kinder und eines privat für sich und das eigene Kind.

von Björn Wisker

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