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Austausch von Praxis
 und Wissenschaft angestrebt

Demokratiezentrum: neue Fachzeitschrift Austausch von Praxis
 und Wissenschaft angestrebt

Mitarbeiter des Demokratiezentrums Hessen um Leiter Dr. Reiner Becker und Professor Benno Hafeneger geben eine ambitionierte Fachzeitschrift neu heraus.

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Professor Benno Hafeneger (links) und Dr. Reiner Becker mit dem ersten Band der neuen Zeitschrift.

Quelle: Till Conrad

Marburg. „Demokratie gegen Menschenfeindlichkeit“ heißt die Zeitschrift, die zweimal im Jahr erscheinen soll.

Sie wendet sich an „alle Akteurinnen und Akteure aus Praxis und Wissenschaft, die sich gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus engagieren“, so heißt es in der Einleitung zum jetzt erschienen ersten Band. Die Herausgeber wollen keine reine Wissenschaftszeitschrift machen, sondern Wissenschaftler und Praktiker zusammenführen.

Gerade in den vergangenen 
Jahren sind eine Vielzahl von Projekten entstanden, die sich der Prävention und der Inter­vention gegen Rassismus, Rechtsextremismus, aber auch gegen gewaltorientierten Islamismus, kurz: gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit widmen. Förderprogramme des Landes Hessen und des Bundes, aber auch von Stiftungen unterstützen das breite Spektrum an Aktivitäten.

Zeitschrift richtet sich an Praktiker

Inzwischen sind auch Gruppen und Initiativen wie Feuerwehr oder Sportvereine auf diesem Feld aktiv oder artikulieren zumindest Beratungsbedarf. „Rechtsextremismus ist zu einem Kernthema in unserer demokratischen Gesellschaft geworden“, sagt Hafeneger.

„Die Angebote, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren, wachsen“, sagt Dr. Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums Hessen. Er verweist auf Landesprogramme in Hessen, die von einer auf 3,8 Millionen Euro aufgestockt werden, oder auf Programme des Bundesfamilienministeriums, die auf das Doppelte, nämlich 100 Millionen Euro, wachsen. „Wir wollen mit unserer Zeitschrift auf diese Entwicklung reagieren“, sagt Hafeneger. Sie richte sich nicht nur an Wissenschaftler, sondern explizit auch an Praktiker.

Jede Ausgabe hat ein Schwerpunktthema. Das Schwerpunktthema der ersten Ausgabe lautet „Gute Flüchtlinge, schlechte Flüchtlinge“. In verschiedenen Beiträgen werden nicht nur die Einstellung der Bevölkerung zu Flüchtlingen untersucht und ein Überblick über die Migrationsgeschichte in Deutschland gegeben.

Im Fokus: „Kippen“ der Stimmung vermeiden

Der Marburger Sozialpsychologe Professor Ulrich Wagner analysiert, dass zwei Strategien effizient sind, um gegen Vorurteile anzugehen: Informationskampagnen und Kontaktprogramme. Informationskampagnen sind vor allem dann effektiv, wenn sie empathisch auf die benachteiligte Situation der Ausgegrenzten hinweisen“, schreibt Wagner.

Tina Dürr vom Herausgeberteam schließlich berichtet über die Erfahrungen bei der proaktiven Beratung von Kommunen im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen. Sie konzentrierte sich bis zum Herbst 2015 vor allem auf Anfragen rund um den Zeitpunkt der Aufnahme von Flüchtlingen.

„In einem nächsten Schritt wird es wichtig sein, das Angebot auf die Phase der Integration von Flüchtlingen auszuweiten“, stets mit dem Fokus, ein „Kippen“ der Stimmung in der Bevölkerung zu vermeiden. Schwerpunktthema der nächsten Ausgabe soll die Aufarbeitung der NSU-Vergangenheit werden.

von Till Conrad

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