Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Aussprache-Tipps für Flüchtlinge

Projekt von Professor Jürgen Handke Aussprache-Tipps für Flüchtlinge

Mit dem von Professor Jürgen Handke konzipierten Aussprachetraining sollen syrische Flüchtlinge die deutsche Sprache noch besser erlernen.

Voriger Artikel
Gemeinsam stark für die Menschen
Nächster Artikel
„Wir befinden uns noch relativ am Anfang“

Die aus Syrien stammende Studentin spricht im „Studio“ im Büro von Professor Handke ein Lehrvideo ein.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. „Eine gute deutsche Aussprache, die ja letztendlich die ‚Eintrittskarte‘ für eine vollständige Integration in unsere Gesellschaft ist, wird sich mit diesem Projekt auf sehr effiziente Weise realisieren lassen“, hofft der Marburger Anglist und Online-Experte Professor Jürgen Handke. Mit dem von ihm mit konzipierten neuen Ansatz will er sich besonders darauf konzentrieren, dass die Sprach-Schüler die Aussprache der Laute der deutschen Sprache ausgehend vom Lautsystem ihrer Muttersprache trainieren.

Sein Projekt fügt sich in ein von Kollegen von der Fachhochschule Lübeck realisiertes Sprachkurs-Portal ein und konzentriert sich auf Online-Angebote für Syrer, die derzeit zahlenmäßig die weitaus größte Gruppe der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge stellen. Handke will ihnen das Online-Kursangebot als Ergänzung zu den klassischen Deutschkursen anbieten. „Die meisten Flüchtlinge kamen mit ihrem Smartphone hierher“, meint Professor Handke. Und das will er ausnützen, indem auch der Aussprache-Kurs über die Smartphones abrufbar sein soll – und das sogar kostenlos.

Syrische Flüchtlinge sind hoch motiviert

Eine von Handkes wichtigsten Helferinnen bei diesem Projekt ist die aus Syrien stammende Marburger Lehramts-Studentin Enaam „Naomi“ Eliya. Bereits als 3-Jährige kam die mittlerweile 29-Jährige mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie zweisprachig aufwuchs. Sie spricht sowohl Deutsch als auch Arabisch akzentfrei und war daher besonders prädestiniert dafür, für die Online-Lehrvideos die Texte in beiden Sprachen einzusprechen.

Dass auch Syrer, die schon länger in Deutschland leben, mitunter Schwierigkeiten haben, Deutsch zu lernen, führt Eliya auch darauf zurück, dass diese weniger Kontakte zu Deutschen pflegten. „Ich bin zusammen mit vielen Deutschen aufgewachsen“, begründet sie, wieso es bei ihr besser funktionierte. Prinzipiell sieht sie aber ein hohes Potenzial und eine insgesamt hohe Motivation in Sachen Sprachen-Lernen bei den syrischen Flüchtlingen.

Von der korrekten Aussprache einzelner Buchstaben, die durchaus auch unterschiedlich sein kann, über die für die Neuankömmlinge aus dem Ausland manchmal schwierige Aussprache der für sie ungewohnten Laute wie des Umlautes „Ü“ bis hin zu speziellen „Zungenbrechern“ – also kompliziert für fremde Zungen zu sprechende Worte wie „Baumhaus“ – reicht die Palette der in mittlerweile 49 Lehrvideos abrufbaren Informationen.

Mehr als 2000 Teilnehmer in Facebook-Gruppe

Eingespielt wurden die jetzt bereits 49 Videos unter professionellen Bedingungen in Handkes Büro in der Marburger Universität, unter anderem auch mit Hilfe von Equipment, das Handke mit Geld aus dem von ihm gewonnenen Landeslehrpreis angeschafft hat. Hinzukommen sollen nun auch noch Videos zur korrekten deutschen Aussprache mit Redewendungen und kurzen Sätzen aus Alltags-Situationen.

Bereits mehr als 2000 Teilnehmer hat eine Facebook-Gruppe, in der sich Teilnehmer des Online-Sprachkurses zusammengeschlossen haben. Darunter sind nicht nur Flüchtlinge aus Syrien, sondern auch Lehrkräfte. Handke freut sich, dass von den Teilnehmern in ersten Rückmeldungen ihre Fortschritte im dazugehörigen Forum dokumentiert werden.

Der Marburger Professor hofft, dass die von ihm und seinen Lübecker Kollegen entwickelten Tools mittelfristig zu besseren Deutschkenntnissen der Flüchtlinge beitragen können. Sein Projekt stellte Handke in dieser Woche auch auf einem Fachkongress in Berlin vor.

von Manfred Hitzeroth

 
Eine Szene aus einem fertigen Video. Foto: Manfred Hitzeroth
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr