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Ausschuss sagt Ideenwettbewerb ab

Platz vor der Stadthalle Ausschuss sagt Ideenwettbewerb ab

Noch sieht die Biegenstraße vor der Stadthalle fast so aus wie vor der Sanierung. Wenn die Arbeiten beendet sind, soll ein schöner großer Platz entstehen. Ein Name dafür wird noch gesucht.

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Der Raum zwischen Stadthalle und Hörsaalgebäude hat noch keinen Namen. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Stadthalle, die Kirche St. Peter und Paul und das Hörsaalgebäude umrahmen den freien Raum, sie sollen die Verbindung von Kultur, Wissenschaft und Stadtgesellschaft symbolisieren - so haben Stadtplaner immer die Notwendigkeit beschrieben, den Raum vor der Stadthalle neu zu gestalten.

Sogar einen Namensvorschlag gab es schon für den neu zu schaffenden Platz: Der frühere Oberbürgermeister Egon Vaupel hatte den „Platz der Kulturen“ ins Gespräch gebracht. Der Vorschlag war aber von Universitätspräsidentin Professor Dr. Katharina Krause abgelehnt worden.

Mit einem weiteren Vorschlag befasste sich der Haupt- und Finanzausschuss während seiner Sitzung am Dienstag: Die Fraktion von MBL/FDP hatte die Ausschreibung eines „Ideenwettbewerbs“ für den Namen durch den Magistrat gefordert.

Bei Enthaltung der CDU und Zustimmung von MBL/FDP lehnten alle anderen Fraktionen den Vorstoß ab. Grünen-Fraktionschef Dietmar Göttling schlug vor, die Diskussion stattdessen im Ältestenrat des Parlaments zu führen.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) führte als Argument gegen eine öffentliche Debatte das Beispiel von Schwäbisch-Gmünd an: Die Stadt in Baden-Württemberg wollte 2011 online über die Namensgebung für einen Tunnel abstimmen lassen - mit dem Ergebnis, dass sich Fans des italienischen Schauspielers Bud Spencer auf Facebook organisierten und auf der Homepage der Stadt für den Namen „Bud-Spencer-Tunnel“ votierten.

Ältestenrat soll Diskussion führen

Gegen die bundesweit eintreffenden Voten hatten die Schwäbisch-Gmündner keine Chance. Die Stadt war gezwungen, die Namensgebung per online-Voting abzublasen. Der vier Kilometer lange Straßentunnel, der unter der Innenstadt entlangführt, trägt nun den eher biederen Namen Einhorntunnel.

Die Stadt habe Kriterien für die Namensgebung von Straßen und Plätzen, sagte Göttling im Ausschuss. Unter anderem, so Göttling, seien Frauen als Namenspatroninnen für Straßen und Plätze gegenüber Männern nach wie vor unterrepräsentiert.

Der Ältestenrat soll die Diskussion über den Platz nun führen. Für Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) wäre es auch kein Beinbruch, wenn der Platz keinen eigenen Namen erhält. „Er hat ja bisher auch keinen Namen gehabt“, sagte Kahle und fügte an: „Die Gebäude rings um das Erwin-Piscator-Haus haben ja eine postalische Anschrift.“

Egal, wie die Diskussion im Ältestenrat geführt wird: Unbedingt sei Einvernehmen mit der Universität und der Katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul herzustellen, mahnte die Stadtverordnete Sonja Sell (SPD) - was andere für eine Selbstverständlichkeit hielten.

Vor Sommer 2017 ist Platz nicht fertig

Unter Zeitdruck steht die Stadt im Übrigen nicht: Bis zur endgültigen Fertigstellung des Platzes wird es mindestens Sommer 2017 werden.

Die endgültige Entscheidung über den zukünftigen Namen trifft laut Hessischer Gemeindeordnung das Stadtparlament.

Wie heikel Diskussionen um Namensgebungen gelegentlich sein können, zeigt das Beispiel des Rotdornweges in Marbach. Er hieß früher Albert-Demnitz-Weg, benannt nach Albert Demnitz, der ab 1928 Leiter der Produktionsabteilung der Behring-Werke und später Betriebsführer und schließlich Direktor des Werkes im Verbund der IG Farben war.

Unter seiner Leitung beteiligten sich die Behringwerke als Teil der IG Farbenindustrie ab 1942 in Zusammenarbeit mit dem Hygiene-Institut der Waffen-SS an Fleckfieberversuchen an Häftlingen im KZ Buchenwald. Das Stadtparlament entschloss sich Ende der 90er-Jahre erst nach heftigen öffentlichen Debatten zur Umbenennung des Weges.

Die misslungene Bürgerbeteiligung bei der Namensgebung in Schwäbisch Gmünd hatte im Übrigen Ende 2011 noch ein Happy End: Der Schauspieler besuchte die Stadt, um ein Schwimmbad auf seinen Namen zu taufen.

Hintergrund: Name gesucht
Die OP will von ihren Leserinnen und Lesern wissen: Wie soll der Platz zwischen Stadthalle, Kirche St. Peter und Paul und Hörsaalgebäude künftig heißen? Welcher Name ist angemessen und einprägsam? Senden Sie uns Ihren Vorschlag per E-Mail unter feedback@op-marburg.de

von Till Conrad

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