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Ausladung sorgt weiter für Wirbel

Marktfrühschoppen Ausladung sorgt weiter für Wirbel

Wie geht es weiter mit dem Marktfrühschoppen? Darüber machen sich nach dem Mehrheitsbeschluss des Marktfrühschoppenvereins zur Distanzierung von drei äußerst rechten Burschenschaften Gegner und Befürworter des Fests ihre Gedanken.

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Die Teilnahme von politisch umstrittenen Burschenschaften am Marktfrühschoppen soll der Vergangenheit angehören, so ein Beschluss des Marktfrühschoppenvereins.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. In nicht-öffentlicher Sitzung hatte in der vergangenen Woche der Marktfrühschoppenverein den Ausladungsbrief an die drei zum als extrem rechts geltenden Dachverband „Deutsche Burschenschaften“ gehörenden Burschenschaften Normannia-Leipzig, Germania und Rheinfranken gebilligt.

Ungeachtet dessen war der Vorstand um den Vorsitzenden Tilman Pfeiffer vor allem aufgrund des vorherigen Misstrauensvotums in Sachen Ausladungsbrief dennoch zurückgetreten, führt aber den Verein dennoch bis zu einer Versammlung in vier Wochen zunächst kommissarisch weiter (die OP berichtete). Eine breite Mehrheit der Vereinsmitglieder will das politisch umstrittene Fest auf dem Marktplatz auch in diesem Jahr wieder ausrichten. Pfeiffer hatte sich hingegen seinen Angaben zufolge für eine „konstruktive Pause“ bei der Ausrichtung des Festes ausgesprochen.

Nach der Berichterstattung der OP über die Sitzung des Marktfrühschoppenvereins meldeten sich Vertreter einer der ausgeladenen Burschenschaften - der Burschenschaft Rheinfranken - zu Wort. „Der Vorstand des Vereins will so eben mal die Marburger DB-Burschenschaften vom ‚kürzesten Volksfest‘ Deutschlands“ ausschließen“, schreibt Christian Zaum, Vorsitzender der Altherrenvereinigung der Rheinfranken.

Rheinfranken verbitten sich Vorwurf des Rechtsextremismus

Mit seiner Stellungnahme will sich Zaum gegen den Vorwurf wehren, seine Burschenschaft bestehe aus ewig Gestrigen, die „die deutschen Grenzen nicht anerkennen würden“ und Nationalismus und Rassismus auf den Marburger Marktplatz bringen würden. Die Marburger Burschenschaft Rheinfranken bekenne sich uneingeschränkt zu den demokratischen Werten, wie sie im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert seien, so Zaum. Schließlich seien im 19. Jahrhundert die Burschenschaften an der Wiege der deutschen Demokratiebewegung gestanden.

„Im Angesicht unseres urdemokratischen Erbes verwahren wir uns entschieden gegen jeglichen Extremismus“, betont der Sprecher des Altherren-Verbands der Burschenschaft. Der Anregung von Marianne Wölk, der Vorsitzenden des Arbeitskreises der Marburger Stadtteilgemeinden, einen „Marktfrühschoppen für alle“ auszurichten, begrüßt Zaun ausdrücklich. Dadurch, dass der Vorstand des Marktfrühschoppenvereins jetzt auf den Ausladungen bestehe, werde dieses Anliegen jedoch „geradezu konterkariert“.

Auch der Antifaschistische Ratschlag Marburg hat auf den Beschluss des Vereins reagiert, allerdings eher mit Begeisterung. „Nach Jahren hat nun auch der Vorsitzende des Marktfrühschoppenvereins, Tilman Pfeiffer, verstanden, dass man mit Rechtsextremen lieber kein Bier trinken sollte“, freut sich Eva Gottschald, die die Mitteilung unterzeichnet hat.

Antifaschisten kritisieren „Herumeiern des Vereins“

Fast schon rührend sei allerdings die Idee, den drei Burschenschaften in einem Brief mitzuteilen, dass ihre Bundesbrüder bei dem Fest nicht willkommen seien. „Deren feixende Gesichter bei der Lektüre kann man sich vorstellen“, meint Gottschaldt. Weniger begeistert ist der Antifaschistische Ratschlag darüber, dass der Verein nach wie vor nicht „auf die vormittägliche Zecherei am ersten Sonntag im Juli verzichten“ wolle.

„Offenbar glaubt man immer noch, man könne einen Marktfrühschoppen veranstalten, dem Rechtsextreme freiwillig fernblieben, so dass man mit halb oder weniger schlimmen Männerbündlern oder nahezu harmlosen katholischen, musischen, turnenden Verbindungsstudenten in Ruhe feiern könne“, heißt es in der Mitteilung des Antifaschistischen Ratschlags. „Nachdem die drei DB-Burschenschaften in Marburg sich an der treuherzigen Bitte um freundliches Fernbleiben nicht stören, ist dieses Fest für immer verdorben“, bilanziert Gottschaldt.

Sie sieht nun Oberbürgermeister Egon Vaupel und den Magistrat gefordert, das „Herumeiern des Vereins“ nicht weiter hinzunehmen und die Veranstaltung ein für alle Male zu verhindern und zwar „mit allen ordnungsrechtlichen und juristischen Mitteln“.

von Manfred Hitzeroth

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