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„Ausbildung top, der Lohn ein Flop“

Erzieherstreik „Ausbildung top, der Lohn ein Flop“

Mehr als 350 Beschäftigte des Sozial- und Erziehungsdienstes aus Mittelhessen nahmen gestern an der Streikversammlung in Gießen teil und zogen durch die Innenstadt. Sie fordern eine Neubewertung und Aufwertung ihrer Berufe.

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Mehr als 350 Erzieher und Sozialarbeiter aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill nahmen an der Streikversammlung in Gießen teil.

Quelle: Ina Tannert

Gießen. „Glückliche Kinder brauchen gesunde Erzieherinnen“, „frühe Bildung sollte mehr wert sein“ prangte auf zahlreichen bunten Plakaten und Transparenten, welche gestern von zahlreichen Erziehern, Pädagogen und Sozialarbeitern durch die Gießener Innenstadt getragen wurden.

Die streikenden Erzieher und Sozialarbeiter fordern keine Lohnerhöhung, sondern eine Neubewertung ihrer Tätigkeiten.

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Über 350 Beschäftigte aus etwa 15 mittelhessischen Kommunalverwaltungen schlossen sich der Streikversammlung an, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte - mehr als von den Organisatoren erwartet. Begleitet von lautstarker Trommelmusik zog die Gruppe friedlich von den Hessenhallen aus am Fleischmarkt entlang, über die alte Lahnbrücke in die Gießener Innenstadt.

60 Beschäftigte aus dem Landkreis dabei

„Ausbildung top - Lohn ein Flop“, „wir arbeiten - für die Zukunft“ skandierten die Demonstranten während ihres Zuges. Das Ziel der Streikenden: eine Aufwertung ihres Berufes und neue, verbesserte Eingruppierungsvorschriften. Denn ihr Beruf ist „richtig was wert“ - so lautete ein Slogan der Versammlung.

Aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf nahmen rund 60 Beschäftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst an der Demonstration teil, schätzten die Organisatoren. Der Großteil stammte aus Marburg. Weiterhin beteiligten sich auch Mitarbeiter aus vier Einrichtungen der Gemeinde Wetter, der Rest des Landkreises war kaum vertreten. „Ich stehe zu der Kampagne, damit es in Zukunft besser weitergeht“, betonte unter anderem Erzieherin Margareta Uhl vom Kindergarten Moischt, die an der Demonstration teilnahm.

„Es ist eine Schieflage entstanden“

Von dem Streik betroffen waren insgesamt etwa 50 mittelhessische Kitas, darunter 14 der insgesamt 16 städtischen Kitas aus Marburg, deren Türen gestern geschlossen blieben. Das Thema wurde im Vorfeld mit den Eltern besprochen, Verständnis und Solidarität waren groß, „die Eltern unterstützen uns sehr und finden die Forderungen berechtigt“, teilte Erzieherin Cordula Tschirschnitz von der Marburger Kita „Auf der Weide“ während der Streikversammlung mit.

Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten seien nicht einfach, die Anforderungen und Tätigkeitsfelder im Rahmen des Bildungsauftrags haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt und erweitert. Bildung und Erziehung sind dazu gekommen, eine Aufwertung seitens der Arbeitgeber jedoch nicht, erklärt die Erzieherin. „Es ist eine Schieflage entstanden, ein Ungleichgewicht“, betont Tschirschnitz.

Am Donnerstag findet die dritte Tarifrunde statt
 Das Ziel der betroffenen Erzieher, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter sei nicht einfach mehr Lohn durch eine Tabellenerhöhung, sondern eine neue Eingruppierung der Arbeit im Sozial- und Erziehungsdienst, die zuletzt im Jahr 1991 vorgenommen wurde, sagte auch Verdi-Sekretär Jürgen Lauer.

Einen Tag vor der heutigen dritten Tarifrunde in Düsseldorf sollte der Streik daher Druck auf den Verband kommunaler Arbeitgeber (VKA) ausüben. Die Mitarbeiter wünschen sich ein „verhandlungsfähiges, konkretes Angebot“ seitens des Verbandes und ein klares Bekenntnis für eine Aufwertung der Berufe durch eine bessere Bezahlung.

„Die Arbeitgeber sehen keinen Handlungsbedarf - das muss sich ändern“, feuerte Lauer die Versammlung an. Sollte der Arbeitgeberverband die Tarifforderungen nicht beachten, „wird es zu längerfristigen Auseinandersetzungen kommen“, warnte der Verdi-Sekretär. Auch weitere Streiks würden in diesem Fall anstehen.

von Ina Tannert

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