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Ausbau der ärztlichen Hilfe für Flüchtlinge

UKGM Ausbau der ärztlichen Hilfe für Flüchtlinge

Wo viele Menschen ohne Impfschutz und dicht zusammenleben, ist die Gefahr von Infektionen groß. Das Kreis-Gesundheitsamt spricht von Einzelfällen, die Krätze und Tuberkulose hatten.

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Ein altes Areal, auf dem die Kultur den Ton angibt

Ein Arzt untersucht in Rendsburg (Schleswig-Holstein) in einer neuen medizinischen Erstversorgungseinrichtung einen Flüchtling aus dem Irak. Auch in der Marburger Region engagieren sich Mediziner.

Quelle: Carsten Rehder

Marburg. In Hamburg schlugen Ärzte Alarm, nachdem mehrere Flüchtlinge an Krätze erkrankten. Wo Hunderte eng zusammenleben, sind Ansteckungen nicht einfach zu vermeiden. In Marburg und Neustadt gab es bislang nur Einzelfälle, die an Krätze erkrankten, bestätigte der Landkreis auf Anfrage der OP. Die Kontaktpersonen der Betroffenen seien vorsorglich behandelt worden. Ein Tuberkulose-Fall sei in Neustadt aufgetreten.

Das Marburger Uni-Klinikum bereitet sich unterdessen auf den Anstieg von Flüchtlingen vor – bislang laufe die medizinische Versorgung grundsätzlich schnell und unproblematisch, heißt es. Derzeit werde ein zusätzliches Team aus 5,5 Vollzeitstellen für den Isolierbereich der Zentralen Notaufnahme (ZNA) aufgebaut. Wenn weiterer Personalbedarf bestehe, könne diesem entsprochen werden. Das Klinikum hat drei zusätzliche Isolierkabinen in der ZNA eingerichtet. Die bereits bestehende Isolierstation sei in vollem Betrieb. Sollten weitere Betten benötigt werden, könne man dies sicherstellen, heißt es.

Klinik hält Isolierkabine frei

Für die medizinische Erstuntersuchung ist das Erstaufnahmelager in Gießen zuständig. In der Außenstelle in Cappel leben zirka 330 Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Sobald die Bewohner des Flüchtlingscamps untersucht wurden und eine Infektion bei ihnen ausgeschlossen wurde, erhalten sie einen „Unbedenklichkeitsnachweis“, so heißt das Papier im Amtsdeutsch. Viele Flüchtlinge, die aber sofort eine medizinische Hilfe benötigen, kommen ohne diesen Nachweis ins Klinikum.

Auf bei der Ankunft im Zeltlager erstellte Nachweise könne man sich als Arzt ohnehin nicht verlassen, erklärt Professor Uwe Wagner, Chefarzt der Marburger Frauenklinik. Denn der Gesundheitszustand könne sich im Camp ändern. Sobald so viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben, ist die Gefahr einer Ansteckung groß. Zum eigenen Schutz der Flüchtlinge, aber auch anderer, immungeschwächter Patienten, die die Frauenklinik aufsuchen, hat die Klinik daher Vorkehrungen getroffen: Eine Isolierkabine wird für diese Patientengruppe freigehalten.

„Dies geschieht aufgrund der erhöhten hygienischen Auflagen, momentan kann dieses Vorgehen noch vollumfänglich dargestellt werden, bei steigenden Patientenzahlen aus den Aufnahmelagern müssten zusätzliche Lösungen geschaffen werden“, erklärt UKGM-Pressesprecherin Christine Bode. In nächster Zeit sollen ein Kreißsaal und eine Station als Isolierbereich ausgewiesen werden. Dafür müssten Umbauten stattfinden, zum Beispiel separate Toiletten errichtet werden. Derzeit sei die Situation aber gut.

Wagner bleibt entspannt

„Die Wege der Patientengruppen kreuzen sich nicht“, erklärt Wagner. So lange man keine Untersuchungsergebnisse vorliegen habe, müsse man vorsichtig handeln. Dieses Vorgehen sei nicht neu, in Zeiten der Ansteckungsgefahr durch H1N1 (Schweinegrippe) sei man ebenfalls so vorgegangen. „H1N1 war viel gefährlicher. Ich sehe das alles sehr entspannt“, sagt Wagner.

Dass viele Flüchtlings-Frauen schwanger seien, könne er nicht bestätigen. Man nehme in der Woche im Schnitt eine Schwangere aus dem Camp zur Geburt in der Klinik auf. Das sei nicht viel – die Klinik sei für ein Gebiet von mehr als 150.000 zuständig. Allerdings erwartet die Klinik, dass bei steigenden Flüchtlingszahlen auch die Patientenbehandlungen steigen. Wagner geht davon aus, dass alle Flüchtlinge traumatische Erfahrungen erlebt haben. Im Patientengespräch komme man aber aufgrund von Sprachbarrieren nur dazu, das medizinisch Notwendige zu kommunizieren.

Ein Dolmetscherdienst der Erstaufnahmestelle in Gießen wird herangezogen. Darüber hinaus bezieht das Klinikum einen Dolmetscherdienst der „Dol Ma“ aus Marburg mit ein. Mit den syrischen Flüchtlingen könne man sich meist auf Englisch verständigen. „Wir haben aber auch alle wichtigen Informationen und Fragen in fast allen Sprachen vorliegen“, so Wagner.

von Anna Ntemiris

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