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Aus für Wohnheim schockiert Mieter

Brandfolgen Aus für Wohnheim schockiert Mieter

Die Schließung des Studentenwohnheims „Am Richtsberg 88“ sorgt für Aufsehen unter Bewohnern und in der Kommunalpolitik. Befürchtung: Die Wohnungsnot wird sich verschärfen.

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280 Mieter des Studentenwohnheims "Am Richtsberg 88" mussten nach dem Brand im Juni in Not- und Übergangsunterkünfte ziehen.

Quelle: Florian Gaertner

 „Der Kellerbrand hat weitreichendere Folgen als zunächst angenommen“, heißt es in einer Mitteilung: 280 Bewohner, die seit dem Feuer im Keller im Juni 2014 in Not- und Übergangsunterkünften leben, werden  nach dieser Entscheidung nicht mehr in das Gebäude einziehen können.

„Jetzt steht definitiv fest: Das Haus wird nach aktuellem Kenntnisstand auch im nächsten Jahr nicht für eine Vermietung zur Verfügung stehen“,sagt Dr. Uwe Grebe, Leiter des Studentenwerks.
Die bestehenden Mietverträge werden zum Jahreswechsel aufgelöst. Dies sei „sehr bedauerlich,“ sagt Grebe, zumal bis zuletzt noch Hoffnung auf einen zumindest teilweisen Wiedereinzug – etwa in vier der zwölf Stockwerke – bestanden habe.

Abriss des Wohnheims droht

Aber es habe sich letztlich gezeigt, dass dies „aufgrund der bestehenden behördlichen Auflagen und des Schadensbildes nicht zu verwirklichen“ sei.Für das 1973 gebaute Haus, das größte Wohnheim in der Universitätsstadt, gelten aktuelle Brandschutz-Standards. Solange diese nicht umgesetzt sind  – sprich das Gebäude rundum modernisiert ist – geben Gutachter das Wohnheim nicht für einen Wiedereinzug frei.

Nun droht ein Abriss des Wohnheims, das vor allem für Studentenfamilien und ausländische Hochschüler ausgelegt war. „Wir müssen die wirtschaftlichste Lösung finden. Ob das nun Abriss oder doch Sanierung bedeutet, ist noch nicht klar“, sagt Franziska Busch, Studentenwerks-Sprecherin auf OP-Nachfrage.  

Die nun getroffene Entscheidung sei „ein Schreck und ein Schnitt. Sowohl die Mieter als auch wir wissen jetzt wenigstens, dass das Warten vorbei ist“. „Das ist traurig“, sagt Jonas Fleer, einer der betroffenen Mieter. Während in den vergangenen Wochen Einzelpersonen und Paare in andere Wohnungen vermittelt werden konnten, leben 30 Familien bis heute in Notunterkünften – „und für diese Gruppe ist es auf dem Marburger Wohnungsmarkt noch schwieriger, etwas Geeignetes zu finden “, sagt Busch.

Sorgen um die Wohnungsprobleme macht sich auch der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta): „Die Schließung erschwert die schon existierende, enorme Wohnungsknappheit“, sagt Damaris Sanchez-Parellada aus dem Asta-Vorstand auf OP-Anfrage.

Es sei wichtig, dass das Studentenwerk die wegfallenden Wohnungen für künftige Mieter ersetze, entweder durch Sanierung oder Neubau, und den akut Betroffenen zügig helfe.

Küchenprobleme sollen behoben werden

Das Wohnheim-Aus sorgt in der Politik für Aufsehen. „Das macht die Wohnungssituation schwerer, in Marburg wird es vorerst enger“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Bis zur Fertigstellung der im Bau befindlichen Sozialwohnungen am unteren Richtsberg, „werden wir leider eine noch angespanntere Situation erleben“.

Der Stadtverordnete Dr. Michael Weber (Piraten), der die Debatte kürzlich in die Kommunalpolitik brachte, hält es „für einen Skandal, dass die Betroffenen fast ein halbes Jahr  warten mussten, um diese Info zu bekommen“. Es gehe „um Familien mit Kindern, die teilweise noch immer in  Einzelzimmern ohne eigene Kochmöglichkeiten untergebracht sind“.

Es sei „auch  nicht mehr vermittelbar, dass Sachverständige innerhalb eines halben  Jahres zu keinem abschließenden Urteil gekommen zu sein scheinen  bezüglich der Sanierfähigkeit des Gebäudes“, sagt er.
OB Vaupel hegt indes die Hoffnung, dass das Wohnheim „in wenigen Jahren wieder ans Netz geht“. Die von Weber angesprochenen Küchenprobleme in den Notunterkünften sollen nun behoben werden, die Unterkünfte in einem Haus in der Sudetenstraße länger zur Verfügung gestellt werden.

Dr. Uwe Grebe verspricht den Mietern Unterstützung bei der Apartmentsuche: Zuerst bekommen die Ex-Bewohner des Richtsberg-Heims Wohnungen aus dem Bestand des Studentenwerks. Problem: Auszugswellen gibt es erst nach den Semestern, etwa ab März.

Unabhängig von der Auflösung der Mietverträge bis Ende Dezember sollen die Bewohner laut Grebe aber nicht unter Druck stehen, ihre Wohnungen schnell auszuräumen, in eine neue Bleibe umzuziehen. „Wir wissen natürlich, dass es dafür Zeit braucht und gestehen den Bewohnern diese selbstverständlich zu.“

HINTERGRUND: Brandstifter nicht gefunden
Die Staatsanwaltschaft hat mitgeteilt, dass sie trotz der Aussetzung einer Belohnung und Fahndungsaufrufen nach wie vor keinen Hinweis auf den mutmaßlichen Brandstifter hat, der kurz vor Ausbruch des Feuers ins Haus gegangen sein soll. Die Handydaten-Auswertung dauert noch an.

von Björn Wisker

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