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Zwischen Schikane und Unterstützung

Anti-muslimischer Rassismus Zwischen Schikane und Unterstützung

In der Ringvorlesung „Konflikte in Gegenwart und Zukunft“ sprach Privatdozentin Dr. Eva Kalny über „anti-arabischen und anti-muslimischen Rassismus in der Begegnung mit Geflüchteten“.

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Privatdozentin Dr. Eva Kalny.

Quelle: Felix Busjaeger

Marburg. Vorurteile gegenüber einzelnen Ethnien gibt es seit jeher. Anhand weniger äußerer oder kultureller Merkmale werden Menschen dabei beurteilt und einer Gruppe zugeteilt. Durch diese Stigmatisierung der Betroffenen treten zahlreiche Folgeerscheinungen auf, die von diskriminierenden Haltungen ihnen gegenüber bis hin zu schrecklichen Maßnahmen wie Völkermorde reichen.

Zuströme von Geflüchteten, die Deutschland in den vergangenen Jahren erreichten, führten im Folgenden zu einer Polarisierung zwischen ablehnenden und unterstützenden Menschen.

Wie sich antimuslimischer und antiarabischer Rassismus in der Begegnung mit Geflüchteten äußert, analysierte Privatdozentin Dr. Eva Kalny mithilfe einer teilnehmenden Beobachtung in einer Notunterkunft, die in einem Mehr-Etagenhaus untergebracht war und in der Einheimische und Geflüchtete gemeinsam lebten. In der Ringvorlesung „Konflikte in Gegenwart und Zukunft“ erläuterte sie ihre Ergebnisse.

In der Beobachtungszeit kam es vermehrt zu verbalen Anfeindungen durch Security-Mitarbeiter. Auch beobachtete Kalny, dass „normale“ Bewohner des Hauses besondere Privilegien genossen. Als Ergebnis ihrer Beobachtung stellte Kalny zahlreiche Varianten von Rassismus und Ausgrenzung fest, die häufig mit der Ausnutzung einer Machtposition verknüpft waren.

Von mehrfacher Diskriminierung betroffen

In diesem Zusammenhang beobachtete sie auch Situationen, in denen Angehörige des Sicherheitsdienstes „Spaß am Schikanieren“ hatten. Banaler Rassismus in Form von verbalen Äußerungen sowie Pauschalisierungen waren weitere Eindrücke, welche die Hannoveraner Dozentin für Menschenrechte und antimuslimischen Rassismus sammeln konnte.

Auch in der Interaktion der Polizei mit den Geflüchteten im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst war eine klare Hierarchisierung zum Nachteil der Geflüchteten zu erkennen.

Als abschließende Erkenntnis aus ihrer Beobachtung zog Kalny das Fazit, dass Ausgrenzungsmechanismen umfangreicher sind, als häufig angenommen wird.

Im Umgang mit Geflüchteten war mehrfach sichtbar, dass diese aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Geschlechts und ihrer Situation als Abhängige im Sozialsystem von mehrfacher Diskriminierung betroffen waren.

Abgesehen von diesen negativen Erfahrungen konnte Kalny beobachten, dass die geflüchteten Familien auch starke Unterstützung durch Ämter und Organisationen bekamen. Auch der Vermieter, der selbst Ausgrenzungserfahrung hat, zeigte sich hilfsbereit und unterstützte die Familien in ihrem Wunsch, in ihren Wohnungen bleiben zu können.

von Felix Busjaeger

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