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Jahrzehntelange Hilfe für Menschen in Not

Zum Tod von Karl Schnabel Jahrzehntelange Hilfe für Menschen in Not

Karl Schnabel ist tot. Der langjährige Landtagsabgeordnete, DRK-Kreisvorsitzende und Gründer der Marburger Tafel starb im Alter von 78 Jahren.

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Karl Schnabel, langjähriger Landtagsabgeordneter, Vorsitzender des DRK und Gründer der Marburger Tafel, ist tot.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Jahrzehntelang und in zahlreichen Funktionen war Schnabel vielen Menschen in Marburg und Umgebung ein Begriff als jemand, der sich für andere einsetzt, der ihre Probleme ernst nimmt und der tatkräftig nach Lösungen sucht und sie auch durchsetzt.

Karl Schnabel hat jahrzehnte­lang viele Funktionen ehrenamtlich bekleidet. Er war Stadtverordneter, Kreistagsmitglied­ Landtagsabgeordneter (von 1974 bis 1995) für die SPD. Er war Vorsitzender (1996 bis 2011), später als Ehrenvorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes, er gründete die Marburger Tafel (2000). Schnabel saß dem Freundeskreises Marburger Herzchirurgie und der Hessisch-Slowenischen Gesellschaft vor, und er war Initiator und Motor ungezählter Hilfsaktionen.

Als Kompass für sein Handeln dienten Karl Schnabel über Jahrzehnte vor allem drei Eigenschaften, die Liebe zu den Menschen, Anteilnahme und Mitgefühl und nicht zuletzt eine ungewöhnliche Tatkraft. Schnabel wandelte Mitgefühl um in Tatkraft zugunsten Benachteiligter – eine Eigenschaft, die nicht ­vielen Menschen gegeben ist.

Aus einer Hilfsaktion für den damals neunjährigen Liridon­ Majkovici aus dem Kosovo, für den Schnabel eine Operation­ in Marburg durchsetzte, ist beispielsweise eine jahrelange Freundschaft entstanden. Aus einer Spendenaktion, die das Deutsche Rote Kreuz und die Oberhessische Presse gemeinsam für die Opfer der großen Flut an Elbe und Elster 2002 initiierten, entstanden Kontakte zu den Opfern, die bis heute bestehen. Weit mehr als eine halbe Million Euro spendeten damals die Leserinnen und Leser der OP für die Flutopfer.

Schnabel ist vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie dem großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Eine Auszeichnung hat Karl Schnabel jedoch besonders gefreut: Der sächsische Fluthelferorden sollte alle Helfer symbolisch belohnen, die über Tage, teils Wochen mitgeholfen hatten, die Deiche zu stabilisieren, Flutopfer zu retten oder die Folgeschäden zu beseitigen. Einer der ganz wenigen Menschen, die diesen Orden erhalten haben, ohne eine einzige Schippe Sand in einen Sack geschaufelt zu haben, ist Karl Schnabel.

Persönliche Autorität in Waagschale geworfen

Hintergrund war, dass der Kreisverband Marburg des Deutschen Roten Kreuzes und die OP gemeinsam zu einer Spendenaktion aufgerufen hatten und mit dem Geld der OP-Leser – mehr als einer halben Million Euro – verschiedene Aufbauprojekte in Sachsen und Sachsen-Anhalt ermöglicht hatten: in vielerlei Hinsicht in erster Linie ein Verdienst von Karl Schnabel. Er hatte seine ganze persönliche Autorität in die Waagschale geworfen und garantiert, dass jeder Spenden-Cent bei den Opfern direkt ankommt. Schnabel setzte dies auch durch – und er suchte die Projekte, die DRK Marburg und OP schließlich unterstützten, nach mehreren teils aufreibenden Reisen in die Katastrophengebiete in Absprache zwischen DRK Marburg und OP sorgfältig aus.

Die frühere Sozialamtsleiterin des Landkreises Sächsische Schweiz, Marte Trautmann, hatte sich deswegen bemüht, die Dankbarkeit der Menschen in ihrem Landkreis auszudrücken. Sie überzeugte schließlich jemanden, seine Fluthelfermedaille an den Mann aus dem fernen Marburg abzugeben, weil dessen Einsatz für die Opfer mindestens ebenso wertvoll sei; Karl Schnabel.

Insgesamt neun Spendenaktionen haben das DRK unter der Leitung von Karl Schnabel und die OP gemeinsam durchgeführt, eineinhalb Millionen Euro kamen dabei zusammen für die Katastrophenopfer: für die Flutopfer in Ostdeutschland, für Erdbebenopfer in Haiti­ und Iran, für die Opfer des furchtbaren Tsunami 2004. Bei allen Aktionen war ihm oberste Prämisse: Das gespendete Geld sorgfältig zu verwenden, Hilfsprojekte penibel auszuwählen und nachvollziehbar abzurechnen. Bei jeder gemeinsamen Aktion merkte man Schnabel an, wie nahe ihm die Schicksale der Opfer gingen.

Dass er auch in solchen bedrückenden Situationen nie seinen Humor verloren hat, ist wahrscheinlich einer der Hauptgründe, dass Schnabel diese erlebte­ Not über Jahrzehnte durchgehalten hat. Und es ist Ursache dafür, dass die vielen Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sich gerne an diese Zeit und an Karl Schnabel zurückerinnern.

von Till Conrad

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