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Zeugen folgen Randalierer, lotsen Polizei

Aus dem Landgericht Zeugen folgen Randalierer, lotsen Polizei

Ein Dutzend Zeugen bestätigten am dritten Verhandlungstag diverse Vorwürfe gegen einen angeklagten Drogensüchtigen.

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Der Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Mehrere Anwohner der Marburger Straße mussten im Februar vergangenen Jahres Schäden an ihren geparkten Wagen feststellen. Der Täter soll der unter anderem wegen Raubes und Sachbeschädigung angeklagte Obdachlose sein. Wutentbrannt vergriff dieser sich in dieser Nacht scheinbar wahllos an mehreren Pkw, trat Seitenspiegel ab oder riss Scheibenwischer von den Wagen.

Diese Annahme bestätigten vor Gericht mehrere Anwohner, die der Lärm auf die Person im Kapuzenpulli aufmerksam gemacht hatte. Eine Zeugin meinte, sich zudem daran zu erinnern, dass der randalierende Mann dabei­ noch sang oder auch einen Rap zum Besten gab. Die Sachbeschädigung am eigenen Auto wollte ein aufmerksames Paar nicht auf sich sitzen lassen und verfolgte den Randalierer während seiner Tour durch Cappel in Richtung Südspange. Stets in einiger Entfernung folgten die Zeugen dem Mann, hielten per Handy Kontakt zur Polizei und lotsten die Ordnungshüter in die richtige Richtung.

In der Frauenbergstraße wurde der Mann schließlich in Gewahrsam genommen. Bis dahin hatte er fünf Autos beschädigt.

Die Autotreterei hatte der ­Beschuldigte bereits zugegeben. Als Grund nannte er Ärger über einen geplatzten Drogendeal. Er erfuhr an diesem Abend, dass sein Dealer bestohlen worden war. Das Geld, das er ihm für Drogen gegeben hatte, war demnach futsch. Seine Wut ließ der Angeklagte an den Autos aus. Währenddessen soll er entweder gesungen, anhaltend geflucht oder Selbstgespräche geführt haben. „Er hat vor sich hingebrabbelt“, befand ein weiterer Zeuge.

Verkäufer: „Er wirkte aufbrausend und hektisch“

Das schloss auch der Beschuldigte nicht aus. Er soll an einer psychischen Störung leiden, zudem bei seinen Taten unter Drogeneinfluss gestanden haben.

Ein weiterer Vorwurf ist ­dagegen weiterhin umstritten. Laut Anklage soll der Täter im September 2015 versucht haben, in einem Handyladen ein Tablet mitgehen zu lassen, indem er das Gerät aus der Halterung herausriss und Richtung Ausgang flüchtete. Dass es in dem Geschäft zu einem Streit mit dem Kunden kam, bestätigte ein Verkäufer vor Gericht. Einige Tage zuvor hatte der Angeklagte einen Handyvertrag abgeschlossen, wollte das vereinbarte Mobiltelefon schließlich abholen. Da der Obdachlose als Adresse keinen festen Wohnsitz, sondern die Obdachlosenunterkunft angab, verweigerte ihm der Anbieter scheinbar den Vertrag. Der Mann versuchte dennoch, das Handy mitzunehmen, wurde zunehmend sauer. „Er wirkte aufbrausend und hektisch“, erinnerte sich der Zeuge.

Nachdem sich ihm der Verkäufer in den Weg gestellt hatte,­ versuchte der wütende Kunde wiederum, ein Tablet im Wert von 600 Euro aus der Warensicherung zu reißen und mit dem Diebesgut in Richtung Ausgang zu laufen. Laut Zeugen gelang ihm das, ein weiterer Kunde griff indes ein und verstellte dem Flüchtigen den Weg.

Mehrfach hatte der Angeklagte zuvor betont, dass er das Tablet nicht mitnahm, er das Gerät nicht aus der Sicherung lösen konnte und mit leeren Händen den Laden verließ. „Das stimmt nicht“, antwortete der Verkäufer eindeutig auf die Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Marco Herzog. Dies ist einer der wenigen Vorwürfe, die der Angeklagte vehement bestreitet. Einen Teil der umfangreichen Anklage hat er bereits zugegeben.

  • Der Prozess wird am 24. Februar fortgesetzt.

von Ina Tannert

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