Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Gerätezentrum europaweit einzigartig

Zentrum für Synthetische Mikrobiologie Gerätezentrum europaweit einzigartig

Das neue Gerätezentrum für die Proteinanalyse ­hat an der Uni Marburg ­Anfang des Jahres seine Arbeit aufgenommen.

Voriger Artikel
Polizei nimmt drei Männer fest
Nächster Artikel
Nicht jedes Zittern bedeutet Parkinson

Biochemiker Dr. Gert Bange (links) und Diplom-Chemiker Dr. Uwe Linne stehen im neuen Gerätezentrum vor einer HDX-MS-Anlage.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Das neu gegründete­ „Marburger Gerätezentrum für Interaktion, Dynamik und Struktur biomolekularer Komplexe“ erhält in den kommenden drei Jahren insgesamt über eine halbe Million Euro an Fördergeldern von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Fokus des Gerätezentrums steht die Aufklärung des dynamischen Verhaltens und der Struktur von Proteinen und Protein-Komplexen, erläutert der Marburger Forscher Dr. Gert Bange, der den Antrag zur Einrichtung zusammen mit seinen Kollegen Professor Lars-Oliver Essen und Dr. Uwe Linne gestellt hatte.

Im Mittelpunkt stehen drei Großgeräte einer neuen wissenschaftlichen Technologie, die im Marburger Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) auf den Lahnbergen stehen. Die Analyse des dynamischen Verhaltens von Proteinen werde­ durch die Methode der Wasserstoff-Deuterium Austausch Massenspektrometrie (HDX-MS) entscheidend verbessert, erklärt Bange.

Zwei der Geräte gehörten bereits zum Marburger Bestand. Das dritte Gerät mit Kosten von einer Million Euro wurde im vorletzten Jahr im Rahmen eines von der DFG geförderten Forschungsvorhabens angeschafft.So bilden die Geräte den Grundstock für das neue Zentrum.

Die Fördersumme von 500 000 Euro kann jetzt vor allem in Personal und zusätzliche Sachmittel investiert werden. Es werden ein Wissenschaftler, eine technische Assistentin und eine Sekretärin bezahlt. Sie sollen sich um den Betrieb der Geräte und die Organisation des Zugangs zu den Geräten kümmern. Denn auch Forscher aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland sollen in Marburg künftig die Chance zu  Experimenten in der Proteinanalyse auf modernstem technologischen Niveau erhalten.

"Zeigen, wie man sinnvoll mit teuren Technologien umgeht"

„Es geht uns auch darum, zu zeigen, wie man sinnvoll mit teuren Technologien umgeht“, sagte Bange im Gespräch mit der OP. Nach dem Vorbild des Europäischen Molekularbiologie-Labors, das unter anderem in Heidelberg angesiedelt ist, sollen in Marburg vor allem Doktoranden und Postdoktoranden im Umgang mit der neuen Technologie geschult werden. Dabei handele es sich um ein europaweit einzigartiges Zentrum. Das  hätten unabhängige Gutachter­ der Deutschen Forschungsgemeinschaft bescheinigt, erläutert Uwe Linne. Zum Konzept des Zentrums zählen auch jährliche Nutzertreffen und eine­ internationale Sommerschule­ für Methoden zur Strukturaufklärung von Biomolekülen.

Ein eigenes System zum Datenmanagement und vordefinierte­ Arbeitspakete sollen in einem Online-Benutzerhandbuch dokumentiert und durch eine Nutzungsordnung reguliert werden.  Proteine spielen in allen ­Lebewesen unverzichtbare Rollen, dank ihrer Fähigkeit, unzählige Wechselwirkungen mit anderen Proteinen oder biologischen Komponenten eingehen zu können. Um besonders bei Krankheitsverläufen die Rolle von Proteinen auf molekularer Ebene besser zu verstehen und  so bessere Wirkstoffe gegen die Krankheiten zu entwickeln, sei es wichtig, die Struktur und das dynamische Verhalten von Proteinen im Detail zu untersuchen.

Die HDX-MS-Methode ergänze auf ideale Weise die schon länger etablierte Protein-Röntgen-Kristallstrukturanalyse, erklärt Professor Essen. Während die Kristall-Analyse die starre Struktur der Proteine dokumentiere und diese erst einmal sichtbar mache, könne man dann im Anschluss mit Hilfe von ­HDX-MS die Veränderung in den Bewegungen der Proteine messen. Das Besondere der in Marburg jetzt neu eingeführten Technologie ist die Automatisierung der Messungen. Wo man früher aufwändig die Experimente von Hand durchführen musste, werden jetzt rund um die Uhr die programmierten Arbeitsschritte vom Roboter erledigt. „So können wir größere Datenmengen generieren und viel besser die dynamischen Details der Proteine verstehen“, erklärt Bange.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr