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Wohnung in der Oberstadt brennt

Feuerwehreinsatz Wohnung in der Oberstadt brennt

Ein Wohnungsbrand am oberen Steinweg in Marburg hat am Samstagmorgen einen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Die meisten Bewohner konnten in den Garten fliehen, es gab aber offenbar mehrere Leichtverletzte. Die Ursache für den Brand ist auch am Sonntag noch unklar.

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Direkt neben den Oberstadtkinos brannte eine Wohnung im zweiten Stock. Die Feuerwehr gelangte mit Drehleitern ins Haus.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg . Dichter Rauch in der Oberstadt: Gegen 9 Uhr wurde die Marburger Feuerwehr zu einem Brand im Steinweg gerufen. Eine Wohnung im zweiten Stockwerk des Wohnhauses neben dem Filmkunsttheater stand in Flammen.

Großeinsatz der Feuerwehr am Samstagmorgen: Im Steinweg in der Oberstadt brannte eine Wohnung. Foto: Nadine Weigel

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Nach ersten Erkenntnissen waren elf Menschen von dem Brand betroffen, drei Bewohner mussten nach Aussagen von Feuerwehr-Einsatzleiter Andreas Brauer wegen Rauchgasvergiftungen behandelt werden. 

Auch Stunden nach der Alarmierung drang noch Qualm aus der Wohnung, der Brand ist aber durch 40 Einsatzkräfte unter Kontrolle gebracht worden. Die Ursache für die Feuerentstehung ist noch unklar. Die Wohnungen sind laut Feuerwehr nun unbewohnbar, die Bewohner sollen bei Verwandten und Bekannten untergekommen sein.

„Brände in diesem Gebiet sind immer eine große Herausforderung,“, sagt Brauer. Die dichte Bebauung, die schmalen Wege, die Möglichkeit das Feuer nur von einer Seite angreifen zu können und die generelle Beschaffenheit der Gebäude – viele Fachwerkhäuser – machten die Brandbekämpfung in der Oberstadt besonders schwierig.

Einige Besucher des angrenzenden Steinweg-Flohmarkts, die die Rettungskräfte alarmierten, äußern indes Verwunderung an der mutmaßlich zu langen Reaktionszeit der Wehr. „Es hat ewig gedauert, bis ein Leiterwagen hier war, Wasser lief, tatsächlich gelöscht wurde – und das an einer so problematischen Stelle“, sagt die 31-jährige Janine P. im Gespräch mit der OP. Sie spricht von rund 20 Minuten, die zwischen Alarmierung und Eintreffen des ersten Löschfahrzeugs vergingen.

Und das, obwohl die Feuerwache Wilhelm-Roser-Straße nur wenige Hundert Meter entfernt ist und die gesetzlich vorgegebene Hilfsfrist zehn Minuten beträgt. Verzögerungen beobachtete auch Hans Duksch, der – wie das Anrufprotokoll auf seinem Handy belegt – die Notrufnummer 112 zwischen 9.11 Uhr und 9.13 Uhr mehrfach anrief, aber niemand ranging. Danach sei, vermutlich wegen einer Alarmierungswelle dauerbesetzt gewesen. „Flammen schlugen aus dem Fenster, aber bis überhaupt Löschzüge da waren und Schläuche an Hydranten hingen, verging viel Zeit.“

In den sozialen Medien ernten die Feuerwehrleute indes Lob, OP-Leser bedanken sich etwa via Facebook für den Einsatz der ehrenamtlichen Brandbekämpfer und zweifeln an Beobachtungen und Wahrnehmungen der Augenzeugen.

So beschreibt die Feuerwehr das ingsgesamt siebenstündige Einsatzgeschehen: Am Morgen wurde der 2. Zug der Feuerwehr Marburg alarmiert. Dabei wurde von der Leitstelle mitgeteilt, dass davon auszugehen sei, dass sich noch Menschen im Gebäude und somit in akuter Gefahr befinden.

Das erste Fahrzeug vor Ort konnte den Wohnungsbrand bestätigen. Im zweiten Obergeschoss brannte eine Wohnung in voller Ausdehnung. Durch die vorherrschende Hitze waren bereits die Fensterscheiben der Wohnung geplatzt, so dass die Flammen aus den Fensternischen schlugen. Nach einer ersten Erkundung wurde festgestellt, dass entgegen der ersten Meldung niemand mehr in dem Brandobjekt war. Alle Betroffenen hatten sich selbstständig aus dem Gebäude begeben können, der Bewohner der Brandwohnung war nicht zuhause, so dass sich die Feuerwehr im weiteren Verlauf auf die Brandbekämpfung konzentriert werden konnte.

Aufgrund der Lage alarmierte der erste Fahrzeugführer vor Ort den 1. Zug der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte nach, um genügend Personal und Gerät für die Bewältigung der Lage zur Verfügung zu haben. Parallel wurde ein Angriffstrupp durch das Treppenhaus zur Brandwohnung vorgeschickt, um die Löscharbeiten einzuleiten.

Enorme Hitze erschwert Löscharbeiten

Gleichhzeitig wurde die Drehleiter in Stellung gebracht, um auch von außen eine Brandbekämpfung durchführen zu können. Durch die enorme Hitze gestalteten sich die Löscharbeiten sehr schwierig, nur langsam kam der Angriffstrupp in der Wohnung voran. Hinzu kam, dass viel Brandlast in der Wohnung war, welche dem Feuer ausreichend "Nahrung" geben konnte, welche den fulminanten Verlauf des Feuers begünstigte. Mit einem C-Rohr und dem Wenderohr der Drehleiter konnte das Feuer eingedämmt und eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Vor allem durch die enge Bebauung in der Oberstadt ist das Risiko einer schnellen Ausbreitung, auch auf Nachbargebäude, enorm hoch.

Die Bewohner des Hauses wurden in der Zwischenzeit durch den Rettungsdienst untersucht, konnten aber die Rettungswagen nach kurzer Zeit wieder verlassen, eine Transportindikation bestand bei keinem der untersuchten Patienten.

Nachdem das Feuer zum größten Teil gelöscht war, wurde mit den Nachlöscharbeiten begonnen. Mit Hilfe einer Wärmebildkamera wurde die gänzlich ausgebrannte Wohnung auf Glutnester untersucht, welche noch an vielen Stellen zu finden waren. Immer wieder loderten einzelne Flammen auf. Durch die große Menge an Brandschutt war die Arbeit unter Atemschutz für die eingesetzten Kräfte körperlich sehr anstrengend.

Schutt wurde aus Wohnung gebracht und im Freien gelöscht

Mit Hilfe von Schuttmulden wurde ein großer Teil des Brandschuttes aus der Wohnung verbracht und im Freien abgelöscht. Da dies nur unter Atemschutz möglich war, wurden nach und nach die Feuerwehren aus Ockershausen, Bauerbach, der Marbach und Cappel nachalarmiert, um ausreichend Atemschutzträger vor Ort zu haben.

Aufgrund des Löschwassers und des Brandrauches sind die Wohnungen des Gebäudes derzeit nicht mehr bewohnbar, die Anwohner konnten bei Bekannten untergebracht werden.

Wie es zu dem Feuer kommen konnte, wird nun durch die Kriminalpolizei Marburg untersucht.

von Björn Wisker und Nadine Weigel

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