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„Wir erfinden uns immer wieder selbst“

Zukunft der Universität „Wir erfinden uns immer wieder selbst“

Um Rezepte für eine Universität der Zukunft ging es bei einer Podiumsdiskussion in der Alten Aula.

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Im Gespräch über die Uni der Zukunft (von links): Moderator Professor Martin Zierold sowie Professorin Doris Klee (Aachen), Professor Martin Blum (Hohenheim), Professorin Katharina Krause (Marburg) und Professor Martin Paul (Maastricht).

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Universität lebt vom gemeinsamen Denken, Experimentieren und Diskutieren. Das möchten wir wieder stärker in den Vordergrund rücken“: Mit diesen Worten fasst die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause den hinter dem Projekt „UMR 2027 – Interaktion in Forschung und Lehre ausbauen“ stehenden Plan zusammen, der vom Präsidium ausging. Benannt ist das Projekt auch nach der Jahreszahl 2027: In diesem Jahr wird die Marburger Universität 500 Jahre alt.

Für die Präsidentin bietet das Uni-Jubiläum in zehn Jahren auch einen Anlass, um das Konzept der Universität wieder einmal neu zu überdenken. Zudem habe es in den vergangenen Jahren einen enormen Anstieg der Studierendenzahlen an der Marburger Universität gegeben – von 15 000 bis auf mehr als 26 000. Mithilfe der Anstrengung aller Uni-Mitarbeiter habe man es zwischenzeitlich geschafft, den Studierenden Angebote für ein gutes Studium zu geben. Doch jetzt sei die Zeit gekommen, neue Wege zu gehen.

Vor allem den fächerübergreifenden Austausch will die Präsidentin an der Marburger Universität forcieren, um so „mehr Möglichkeiten für interdisziplinäre Zusammenarbeit und ­Innovation zu schaffen“. Eigent­lich sei die Universität in der kleinen Universitätsstadt Marburg dafür prädestiniert. So führte Krause das idealtypische Beispiel der Professoren unterschiedlicher Fachrichtungen an, die auf dem Marburger Hauptbahnhof und dann bei einer gemeinsamen Zugfahrt Richtung Kassel eine Stunde lang Zeit ­haben für den Austausch von Ideen.

In welche Richtung genau das Projekt mit dem Untertitel „Interaktion. Institution. Innovation“ gehen wird, ist aber noch nicht geklärt. Der Prozess der Ideenentwicklung solle ähnlich wie bei der wissenschaftlichen Arbeit durch den Austausch erarbeitet werden, erläuterte Uni-Vizepräsidentin Professorin Evelyn Korn in der Alten Aula vor rund 200 Teilnehmern am Donnerstag. Bei einem Workshop am Freitag sollte die Idee dann weiter ausgeformt werden und zwar nach dem Motto „Wir alle sind die Idee“, meinte Korn.

Neue Willkommenskultur an der Hochschule

Im Mittelpunkt der von Professor Martin Zierold (Hochschule für Musik und Theater  Hamburg) moderierten Auftaktveranstaltung standen die Ideen von ähnlich gelagerten Zukunftsprojekten von anderen Hochschulen, die bereits seit ­einigen Jahren laufen:

  • „Humboldt Reloaded“ heißt der einprägsame Titel des Projektes der Universität Hohenheim, mit dem auch an das allumfassende Bildungsideal des Naturforschers und Universalgelehrten Alexander von Humboldt angeknüpft werden soll. In der Universität vor den Toren Stuttgarts mit den drei Fakultäten Agrarwissenschaften, Biologie und Wirtschaftswissenschaften wurde das Experiment gewagt, dass Studierende bereits früh in ihrem Studium erste Forschungserfahrungen sammeln durften. Die von Initiator und Projektleiter Professor Martin Blum entwickelte Idee stieß auf große Resonanz und hat sich mittlerweile in allen zwölf Bachelor-Studiengängen an der gesamten Hochschule durchgesetzt. Studierende sind dabei schon im dritten oder vierten Semester in kleinere Forschungsprojekte eingebunden, die von Doktoranden betreut werden. Anfängliche Widerstände vor allem in der Professorenschaft seien auch durch die ausreichende Finanzierung des Vorhabens entkräftet worden.
  • An der Technischen Hochschule in Aachen gibt es ein Personalentwicklungskonzept, das eine neue Willkommenskultur an der Hochschule mit neuen Ansätzen für das Wissenschaftsmanagement und das Thema Führungskompetenz verknüpft,  erläuterte Prorektorin Professorin Doris Klee.
  • Professor Martin Paul, Präsident der 1976 gegründeten Universität Maastricht, berichtete über die völlig neu entwickelte Gesamtstrategie der niederländischen Hochschule.­ Entwickelt worden war diese Strategie nach der Bildung von vier inneruniversitären „Thinktanks“. Ein wichtiges Ziel sei es gewesen, die bis dato voneinander isolierten Bereiche von Forschung und Lehre wieder besser zusammenzubringen. In einem „Lehr-Labor“ wurden neue Ideen für das problemorientierte Lernen entwickelt. Auch die Zusammenarbeiten zwischen den Disziplinen wurde intensiver. So gründeten beispielsweise Informatiker, Mediziner und Juristen ein Zentrum für Datensicherheit. Im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion und der Rückmeldung aus dem Auditorium wurden viele neue Zukunftsansätze geäußert. Dazu zählten das Neudenken der Lehrform Vorlesung, das Überdenken des Fächerspektrums oder die ­Suche nach den Chancen durch einen „virtuellen Campus“.

„Das Geheimnis der Uni lautet: Wir erfinden uns immer wieder selbst“, bilanzierte Uni-Vizepräsident Professor Michael Bölker, der auch dafür plädierte, unzeitgemäß zu sein.

von Manfred Hitzeroth

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