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Wie Reformation Bildung beeinflusste

Symposium Wie Reformation Bildung beeinflusste

In der kommenden Woche findet das Symposium der Philipps-Universität und der Evangelischen Kirche zum Thema "Reformation und Bildung" statt.

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Die Hessische Stipendiatenanstalt (vorne rechts) befindet sich direkt neben dem Landgrafenschloss. Sie wurde von Landgraf Philipp dem Großmütigen im 16. Jahrhundert gegründet.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am kommenden Mittwoch, 27. September, startet im Staatsarchiv am Friedrichsplatz ein Symposium, das die Marburger Universität zusammen mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau veranstaltet.

Anlässlich des Reforma­tionsjahrs hat sich die Philipps-Universität besonders dem Zusammenhang von Reformation und frühneuzeitlicher Bildungsreform gewidmet. So stand das Thema im Mittelpunkt der Vortragsreihe des Studium generale im Sommersemester und es läuft im Marburger Landgrafenschloss noch bis Ende Oktober eine Ausstellung mit dem ­Titel „Bildungsereignis Reformation!“

Nun steht die wissenschaftliche Betrachtung im Mittelpunkt des öffentlichen Symposiums „Reformation der Kirche - Reform der Bildung. Die Universität Marburg und der reformatorische Bildungsauftrag“.

Thema der Tagung sind einerseits die Geschichte der Philipps-Universität Marburg und ihrer „Schwester-Universität“, der Justus-Liebig-Universität Gießen, im 16. und 17. Jahrhundert sowie das frühe hessische Volksschulwesen. Andererseits werfen die Teilnehmer auch Blicke auf die Veränderungen der Bildungslandschaften in ganz Deutschland und Europa, die sich im Gefolge der reformatorischen Umwälzungen in evangelischen und katholischen Territorien vollzogen haben.

Vor bald 500 Jahren führte Landgraf Philipp der Großmütige in Hessen die Reformation ein - und fast ebenso lange ist Marburg bereits Universitätsstadt. „Tatsächlich war die Entstehung der Philipps-Universität Marburg im Jahre 1527, an der evangelische Pfarrer, Lehrer, Juristen, Beamten sowie Ärzte Hessens ausgebildet werden konnten, eine unmittelbare Folge der Reformation“, erläutert der Marburger Kirchenhistoriker Professor Wolf-Friedrich Schäufele, der Organisator der Tagung ist.

Mit der Erteilung eines förmlichen Universitätsprivilegs durch den Kaiser im Jahr 1541 sei die Marburger Universität dann den älteren Hochschulen rechtlich gleichgestellt worden. Dass Reformation und Bildung zusammengehören, hätten die führenden Köpfe der evangelischen Bewegung schon früh betont. Nicht zufällig seien viele von ihnen selbst Universitätsprofessoren gewesen. Doch in kaum einem deutschen Territorium sei das Zusammenspiel von Reformation und Bildung so deutlich zu beobachten gewesen wie in Hessen.

Die Reformation der Kirche sei hier von Anfang an mit einer breit angelegten Bildungsreform einhergegangen. In allen Städten Hessens sollten damals Lateinschulen eingerichtet werden, in allen Dörfern Volksschulen, in denen Jungen, aber auch Mädchen, eine elementare Schulbildung erhalten konnten.

Um den Zugang zur Universität zu erleichtern, gründete Philipp von Hessen ein Pädagogium, das die Absolventen der Lateinschulen auf das Studium vorbereitete - das heutige Gymnasium Philippinum in Marburg. Zudem gründete er auch eine Stipendiatenanstalt, die begabten, aber mittellosen jungen Männern den Besuch der Universität auf Staatskosten ermöglichte.

Die Tagung beginnt am Mittwoch, 27. September, um 14.15 Uhr im Landgrafensaal des Staatsarchivs. Eröffnet wird sie mit Grußworten der Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause und des hessischen Wissenschaftsministers Boris Rhein CDU) sowie des evangelischen Kirchenpräsidenten Dr. Volker Jung (Darmstadt) und des katholischen Weihbischofs Professor Karlheinz Diez (Fulda).

Auch am 28. September und am 29. September (Beginn jeweils um 9 Uhr) wird im Staatsarchiv getagt. Zudem gibt es zwei öffentliche Abendvorträge. Am Mittwoch, 27. September, referiert Bischof Professor Martin Hein (Kassel) ab 19 Uhr in der Alten Aula der Marburger Universität über „Das reformatorische Bildungsideal - damals und heute“.

Am Donnerstag, 28. September, spricht Professor Herman J. Selderhuis (Apeldoorn/Holland) über „Reformatorische Universitätsgründungen in Europa“ im Fürstensaal des Marburger Schlosses.

von Manfred Hitzeroth

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