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Wer „Sieg Heil“ gerufen hat, bleibt unklar

Aus dem Amtsgericht Wer „Sieg Heil“ gerufen hat, bleibt unklar

Am zweiten Verhandlungstag sagten zwar drei weitere Zeugen aus, doch keiner von ihnen konnte Licht ins Dunkel bringen.

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Die Verhandlung fand vor dem Amtsgericht Marburg statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Den Mann, der „Sieg Heil“ gerufen haben soll, konnte das Gericht nicht belangen. Es blieb ebenso undurchsichtig wie am ersten Verhandlungstag, als Richterin Annika Woltmann dem Angeklagten in Aussicht gestellt hatte, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Damals lehnte der Beschuldigte ab und beteuerte seine Unschuld. Letztlich endete der Strafprozess dennoch mit einer Einstellung.

Die Verhandlung wurde dadurch erschwert, dass der einzige Belastungszeuge vor dem Prozessauftakt gestorben war. Dessen ehemalige Lebensgefährtin skizzierte seinen Charakter: „Er hat häufig gesagt, was die Leute von ihm hören wollten. Vor allem wenn er unter Druck gesetzt wurde“, meinte die Frau. Der Mann, ein guter Bekannter des Angeklagten, befand sich zur Tatzeit am 6. November 2015 ebenso wie der Delinquent in einer größeren Gruppe von Menschen, die sich nahe der Marburger Mensa die Freizeit mit Alkoholkonsum und Diskussionen vertrieb. Aus dieser Gruppe soll ein Mann mehrmals „Sieg Heil“ geschrien haben.

Während des Verhörs bei einem Staatsschutzbeamten beschuldigte der Belastungszeuge seinen Bekannten, die neonazistischen Rufe gebrüllt zu haben. Allerdings waren der Angeklagte sowie Verteidigerin Ulrike Ristau der Meinung, dass die Aussage nicht der Wahrheit entsprochen habe. „Er hat sich kurz nach dem Verhör bei mir gemeldet und mir gesagt, dass er meinen Namen genannt hat und sich dafür entschuldigt“, wusste der Beschuldigte zu berichten.

Ein weiterer Zeuge konnte nur das Geschlecht des Schreiers klar definieren. Es sei eindeutig eine Männerstimme gewesen. „Wer das war, habe ich nicht gesehen. Ich stand ungefähr 50 Meter weit weg. Außerdem hat es schon gedämmert“, erinnerte sich der Gastronom. Somit war das Gericht nicht schlauer als nach dem ersten Verhandlungstag. Die Verhandlungsparteien einigten sich auf die Einstellung des Verfahrens.

von Benjamin Kaiser

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