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Wenn die Katze auf die Couch muss

Tier-Psychologin Wenn die Katze auf die Couch muss

Karina Scheufler ist Tierpsychologin und bietet Katzenbesitzern, die Probleme mit ihrem Stubentiger haben, Hilfe an. OP-Volontärin Ruth Korte hat sie zu sich eingeladen.

Nach ersten Annäherungsversuchen mit Kater „Bruce“ geht Karina Scheufler mit Ruth Korte einen Fragebogen durch, um dann einen Maßnahmeplan zu erstellen. 

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Eigentlich ist Bruce ein lieber Kater. Er schmust gern, versteht sich mit den Nachbarskatzen, weiß, wo sein Katzenklo steht und frisst manierlich aus seinem Napf. Das war nicht immer so. Als er vor einem Jahr zu uns kam, pinkelte er noch regelmäßig auf unser Bett, sprang auf den Küchentisch und an unsere Beine. Diese Laster hat er inzwischen aufgegeben und sich zum regelrechten Vorzeigekater entwickelt.

Wäre da nicht das Problem mit dem Kratzen: Noch immer wirft er sich regelmäßig an unsere Sofakante und wetzt hingebungsvoll seine Krallen an dem Stoff. Kein Designerstoff. Trotzdem - die Kratzspuren sehen schäbig aus. Schimpfen, nassspritzen, wegtragen - all unsere Versuche, ihn davon abzuhalten, haben nichts gebracht. Deshalb ist Karina Scheufler (Privatfoto) heute bei uns.

Mit großen Augen beobachtet Bruce wie sie eine Katzenangel aus ihrer großen Tasche hervorholt und den Federanhänger vor seinem Gesicht tänzeln lässt. Es dauert nicht lange, bis er mit dem Hintern wackelt und auf die Federn losspringt. Auch den „Kong“, ein Spielzeug, das mit Snacks gefüllt ist, scheint sein Interesse zu wecken. „Verspielt und neugierig ist er schon mal“, stellt Scheufler fest und macht sich eine Notiz.

Karina Scheufler und ich haben ein paar Tage zuvor ausführlich miteinander telefoniert und über das Problem gesprochen. Daraufhin schickte sie mir einen Fragebogen zu, in dem ich unseren Kater genau beschreiben sollte - wo er frisst, schläft, zur Toilette geht, wie sein Charakter ist, wie groß unsere Wohnung ist, ob es außer ihm noch andere Tiere in unserem Haushalt oder in der Nachbarschaft gibt, wie er sich Menschen und anderen Tieren gegenüber verhält.

„Katzen werden häufig missverstanden“

„Das Telefonat und der Fragebogen helfen mir, mir einen ersten Eindruck von der Situation zu verschaffen, bevor ich Sie besuche, um dann einen Maßnahmeplan erstellen“, erklärt Scheufler ihr übliches Vorgehen. Seit 2013, nach einem Fernstudium in „Tierhaltung und Tierpsychologie“ am Bildungswerk für therapeutische Berufe, ist sie als „Samtpfoten-Coach“ in Marburg und dem Landkreis unterwegs.

Die Klienten wenden sich wegen unterschiedlicher Anliegen an sie: Wenn ihre Katzen sich untereinander nicht mehr verstehen, in die Wohnung urinieren oder - wie in unserem Fall - an Möbel kratzen. Noch sei das Interesse daran, seine Katzen zu verstehen und zu erziehen, nicht so groß wie beispielsweise bei Hunden. „Hundeschulen sind viel verbreiteter. Aber der Bedarf ist grundsätzlich da“, weiß Scheufler, die sich auch seit mehreren Jahren für den Tierschutz, im Netzwerk Mensch - Tier e.V., engagiert und dadurch viel Kontakt zu Tierhaltern und solchen, die es werden wollen, hat.

„Katzen werden häufig missverstanden“, beobachtet sie. Sprüche wie „Hunde haben Besitzer, Katzen haben Personal“ seien zwar lustig, aber: „Sie stimmen nicht. Katzen sind keine Einzelgänger ohne jedes Bedürfnis nach Nähe. Im Gegenteil: Sie können eine genau so enge Bindung zum Menschen herstellen, wie Hunde.

Menschen sind für sie mehr als nur Futtergeber.“

Untersuchungen, wie etwa die des schweizerisch-amerikanischen Biologen Dennis Turner, zeigen, dass das Verhältnis von Mensch und Mieze tatsächlich Merkmale einer echten Sozialpartnerschaft hat. Je bereitwilliger der Mensch die Interaktionswünsche seiner Katze erfüllt - wie zum Beispiel spielen, schmusen oder füttern -, desto bereitwilliger erfüllt diese wiederum die Wünsche „ihres“ Menschen: Sie frisst manierlich, schmust, pinkelt nicht ins Haus, kratzt nicht an den Möbeln.

„Wenn das Gegenteil auftritt, ist beim Menschen eine Schmerzgrenze erreicht, die von der Katze aber schon viel früher erreicht wurde. Sie macht das, weil sie ein Problem hat“, erklärt Scheufler. Dies kann ein körperliches Problem sein wie zum Beispiel eine organische Erkrankung oder ein praktisches wie - beim Urinieren - der Standort der Toilette. Die Katze kann aber auch ein psychologisches Problem haben.

Ist Katzenpsychologie ein „First World Problem“?

Aber haben wir nicht viel dringendere Probleme, als uns um die mentale Gesundheit von Katzen zu kümmern? Ist eine Katzenpsychologin zu engagieren nicht ein „First World Problem“? „Es ist schon ein Problem unserer Welt“, räumt Scheufler ein. „Aber wir haben Katzen in unsere Welt geholt - also müssen wir uns um sie kümmern. Wir sind dafür verantwortlich, dass sie ein artgerechtes und glückliches Leben führen können.“ Generell gilt: „Schreien Sie Ihre Katze niemals an und schlagen Sie sie nicht - dies kann negative Auswirkungen auf Ihre Bindung haben“, warnt Scheufler. „Eine Katze umzuerziehen funktioniert nur über Lob und Bestätigung und das Anbieten von Alternativen - schließlich geht sie ja auch nur einem inneren Trieb nach.“

Nach dem ausführlichen Kennenlernen und den Notizen aus unserem Gespräch erstellt Scheufler einen Maßnahmeplan, in dem sie uns verschiedene Dinge vorschlägt, die eine Besserung herbeiführen könnten. Ganz praktisch: Wir können die Sofakante mit einer Decke abdecken, mit Zitronenduft einsprühen oder eine zweite Kratzmöglichkeit an gleicher Stelle schaffen. Weil wir berufstätig sind und unser Kater deshalb häufig über mehrere Stunden alleine ist, rät uns Scheufler aber besonders dazu, täglich 15 bis 20 Minuten Spielzeit einzuplanen, in der wir uns bewusst mit Bruce beschäftigen. „Das fördert ihre Bindung und stärkt sein Selbstbewusstsein.“ Letzterer Vorschlag hat sich nicht nur als äußerst effektiv bewiesen, sondern macht uns auch jede Menge Spaß.

von Ruth Korte

 
Katzenhaltung
  • Katzen brauchen Zuwendung: Mit ein wenig Spiel und Streicheleinheiten und Schmusen haben besonders Wohnungskatzen einen guten Ausgleich.
  • Katzen brauchen einen festen Tagesablauf: geben Sie Ihnen ihr Futter deshalb immer zu festen Zeiten.
  • Katzen sind sehr reinliche Tiere: Achten Sie daher immer auf ein gereinigtes Katzenklo.
  • Katzen lieben Ruhe und Ausgeglichenheit: Ein abgedunkeltes, gemütliches und ruhiges Plätzchen unter dem Bett oder auf dem Schrank nehmen sie dankbar an. 

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