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Wehren überbrücken Sperrungs-Dauer

Weidenhäuser Brücke Wehren überbrücken Sperrungs-Dauer

Bangen bei den Rettungskräften: Wie wird sich die bevorstehende Sperrung der Weidenhäuser Brücke auf Einsätze auswirken? Die Hilfsfristen können wegen der Bauarbeiten nicht verändert werden, gelten also.

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Der Weg zur Altstadt über die Weidenhäuser Brücke ist auch für die Feuerwehr versperrt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zehn Minuten beträgt der in Hessen gesetzlich geregelte Zeitrahmen für Rettungskräfte, sobald deren Pieper losgehen. Die Uhr tickt nach der Alarmierung der Einsatzkräfte durch die Leitstelle. Speziell die Feuerwehren in der Stadt stehen angesichts der am Monatsende beginnenden Vollsperrung der Weidenhäuser Brücke vor einer „noch nicht da gewesenen Herausforderung“, wie Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) sagt.

Die Entscheidung des Magistrats für eine Voll- statt einer Teilsperrung – sie wird zum Grundsatzthema. Den Sinn der Vollsperrung hinterfragt der FDP-Vorsitzende Christoph Ditschler, der eine im Vorfeld erstellte Risiko-Gefahrenanalyse vermisst. Eine solche „in standardisierter­ Form gibt es für das Problemfeld An- und Abfahrt der Hauptfeuerwache am Erlenring nicht“, heißt es als Antwort der Stadtverwaltung auf seine Kleine Anfrage.

Der Magistrat begründete die Vollsperrung zuletzt vor allem mit dem Ausschreibungsergebnis, mit mangelnden und wenn um mehrere Millionen Euro teureren Angeboten von Firmen, die in der Lage gewesen wären, die Brückensanierung bei einer Teilsperrung durchzuführen. 

Hintergrund

Sowohl in Ockershausen als auch im zweiten Zug Marburg-Mitte sind 40 ehrenamtliche Feuerwehrleute aktiv, im ersten Zug weitere 65. Die Gesamtzahl der Feuerwehrleute in der Universitätsstadt liegt  laut offiziellen Angaben bei 530 Ehrenamtlichen plus 30 Hauptamtliche im Fachdienst Brandschutz. Die Jugendfeuerwehren liegen bei rund 250 Jungen und Mädchen.

Auch die Feuerwehrleute sorgten sich um die Folgen der Vollsperrung: „Wir hätten uns etwas anderes gewünscht, denn bei so einem Knotenpunkt wird das Auswirkungen auf unsere Arbeit haben“, sagt Jens Seipp, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr auf OP-Anfrage. „Die Gefahr von verlängerten Ausrückzeiten ist real, damit muss man rechnen.“ Geänderte Anfahrtsrouten zu Bränden und Unfällen seien dabei nur ein Faktor, der andere sei das Problem der Innenstadtstützpunkt-Erreichbarkeit für die ehrenamtlichen Brandschützer ausgehend vom jeweiligen Wohnort.

Einige Ehrenamtliche, etwa jene aus dem Südviertel seien durch die Brückensperrung von der Zentrale „wie abgeschnitten“. Daher ist nun seitens des städtischen Fachdienstes Brandschutz die Alarm- und Ausrückordnung geändert, sind die zentralen Einsatzgebiete anders aufgeteilt worden.

Künftig soll es zwei Schwerpunkt-Wehren geben: Auf der Erlenring-Lahnseite – also etwa zuständig für den Ortenberg – soll ausgehend von der zentralen Leitstelle der zweite Zug Marburg-Mitte, auf der ­Rudolphsplatz-Lahnseite – etwa für Oberstadt und Südviertel – die Freiwillige Feuerwehr Ockers­hausen eingesetzt werden. „Für die dort aktiven Einsatzkräfte wird es nun zu mehr Einsätzen, zu einer größeren Belastung kommen“, sagt Seipp.

„Bedenken sind vor allem auf Nordstadt gerichtet“

Für den Bereich rund um die Uferstraße wird es zudem eine Park-Sondergenehmigung für Feuerwehrleute geben, damit diese zu Fuß über Mensa- oder Luisa-Häuser-Brücke zur Erlenring-Wache gelangen können. In den vergangenen Monaten seien mehrfach Fahrversuche unternommen, andere Wege zu möglichen Einsatzorten gefahren worden: „Die schaffen wir alle in der Hilfsfrist, es kann also funktionieren, aber Variablen sind in diesen Theorien einige drin.“

Marburg liege bei 97 Prozent Erfüllungsgrad der Hilfsfristen – einen Wert, den man trotz der Sperrung halten wolle.

Die große Unbekannte sei die bevorstehende Verkehrs-Verlagerung. „Die Bedenken sind vor allem auf die Nordstadt gerichtet. Dass man dort zu bestimmten Zeiten, wenn irgendwo etwas passiert, in einem noch weiter verschlimmerten Stau als ohnehin schon steckt.“ Auch deshalb gibt es bereits Pläne, die Wachbesatzung täglich nach 18 Uhr und am Wochenende am Standort Ketzerbach zu organisieren. Zu verschiedenen Tageszeiten werde sich die Verkehrssituation anders darstellen, aber speziell morgens und ab Spätnachmittag drohen auf Pendlerrouten verschärfte Probleme. 

Bürgerinfo

Am Mittwoch, 7. Februar, um 19.30 Uhr im Stadtparlaments-Saal (Barfüßerstraße 50).

Und sollten die Verkehrsströme anders als vermutet verlaufen und die Anfahrtswege etwa­ für Ockershausen problematisch werden, sei die Feuerwehr Cappel „als Joker in der Hinterhand“, sagt Seipp.
Die Feuerwehr entwickelt auch bereits Szenarien für den Fall, dass sich die Bau- und Vollsperrungszeit in den Winter, in das Weihnachtsgeschäft hinein verlängert. „So was müssen wir in der Theorie bedacht haben, bevor es sich in der Realität abzeichnet“, sagt Seipp.

Jeden Einsatz wolle man umgehend auswerten und bei Bedarf das Konzept anpassen. „Entspannt zurücklehnen ist nicht.“ Sobald nach dem Ende der Vollsperrung eine Fahrspur freigegeben wird, könnte die Feuerwehr Marburg-Mitte wieder den Weg über die Brücke nehmen. Im Alarmfall werde die Fahrspur für die Feuerwehrfahrzeuge entgegen der Fahrtrichtung freigegeben, heißt es von der Stadt.

von Björn Wisker

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