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Warnung vor Hysterie und Panikmache

Ladenleerstand Warnung vor Hysterie und Panikmache

Neben der für Anwohner erneut strapaziösen Orientierungswoche diskutierte der Ortsbeirat Altstadt auch über den Leerstand in der Oberstadt.

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Der Ladenleerstand beschäftigte den Ortsbeirat Altstadt.

Quelle: Jan-Christoph Freybott

Marburg. Gibt es in der Oberstadt eine zunehmende Flucht des Einzelhandels? Wenn ja, wie kann man dagegen vorgehen? Diesen Fragen bemühte sich der Ortsbeirat Altstadt auf den Grund zu gehen und lud sich dazu neben den Bürgern auch Experten ins Rathaus ein.

Zugegen war zum Beispiel Friedrich Bode vom Werbekreis Marburg, der sich in einem Punkt sofort mit allen einig war, nämlich in dem Bestreben, das Problem nicht größer zu machen, als es ist. „Es gab schon immer Leerstände in der Altstadt“, stellte Bode klar. Demnach bestünde derzeit nicht die Gefahr, dass der Marburger Einzelhandel seine Quartiere verließe. Allerdings sei es durchaus vonnöten, sich des Problems gewahr zu werden und mögliche Ursachen zu ermitteln.

Um Sachlichkeit bemüht war ebenfalls Ortsbeiratsmitglied Gerhard Werner, der vor „Hysterie und Panikmache“ wegen einer angeblichen Flucht des Einzelhandels warnte. Schließlich gäbe es etliche Geschäfte, die ihre Nische gefunden hätten und sich über Jahrzehnte in Marburg etablieren konnten.

So sehr sich die Beteiligten auch um verbale Abrüstung bemühten, sie kamen nicht umhin, auch die Kehrseite des Ganzen zu benennen. So sprach ­eine Anwohnerin von fünf Geschäften in der Wettergasse, die zum Jahresende schlössen; Gewerbe müssten mitunter exorbitante Mieten zahlen, um sich in der Altstadt niederzulassen; bekannt sei zudem das Problem des Versandhandels, der speziell Buchhandlungen und Modegeschäften seit Jahren schwer zusetzt. „Es ist jetzt an der Stadt, die Anreize zu schaffen, dass die Unternehmen sagen ‚Wir müssen da hin‘“, verlautete es aus dem Publikum. Exemplarisch für die Entwicklung des Einzelhandels sei auch der sich stets verkleinernde Wochenmarkt (die OP berichtete).

Stinkende Mülltonnen

Die Probleme seien in der Stadtverwaltung jedoch bereits vernommen, versicherte Stefan Blümling, Leiter des Referats für Stadt-, Regional- und Wirtschaftsentwicklung. Eine Lösung des Problems soll besonders durch „Einschätzungen und Expertise“ der Bürger bereichert werden und die Sorgen der Anwohner berücksichtigten. In welcher Form die Teilnahme am Prozess ermöglicht wird, steht noch nicht fest.

  • Ferner war die Müllentsorgung in der Oberstadt ein Thema. Konkret geht es darum, dass der Abfall in Gastronomien gerade in den Sommermonaten unangenehm rieche und so zur Belastung für Anwohner und Passanten werde. Ebenfalls würde das Stadtbild durch die herumstehenden Mülltonnen in Mitleidenschaft gezogen, da diese speziell in der Wettergasse teils permanent an der Straße stünden.
  • Diverse Ladenbesitzer der Marburger Altstadt traten zudem an den Ortsbeirat heran, um ihren Unmut über die mitunter exzessiven Feierlichkeiten im Rahmen der Orientierungswoche zu äußern. Im Zuge der Orientierungswoche pilgerten vor Semesterbeginn Gruppen aus Erstsemestern und deren Tutoren durch die Stadt, wobei dies nicht zuletzt durch erhöhten Alkoholkonsum immer wieder zur Belastungsprobe für Anwohner und Ladenbesitzer würde. Diesem Anliegen schlossen sich anwesende Bewohner der Altstadt an und berichteten von Unmengen Glasmüll, besudelten Hauseingängen und gehöriger Lärmbelästigung. Eine Gefahr stelle dies nicht nur für die Qualität des Standortes Oberstadt dar, sondern auch für ein gutes Verhältnis der alteingesessenen Marburger Bürgerschaft und den Studierenden. Ursache des unsäglichen Verhaltens, da war man sich einig, seien jedoch nicht die jungen Studierenden. „Die Fachschaften gehen als schlechtes Beispiel voran“, konstatierte Gerhard Werner. Die Universität dürfe sich demnach nicht hinter der Autarkie der Fachschaften verstecken, sondern müsse bei derartigem Fehlverhalten eine Handhabe haben. Zukünftig wolle man prüfen, inwiefern es möglich sei, den Alkoholkonsum im öffentlichen Raum einzuschränken.

von Jan-Christoph Freybott

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