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„Bettler oder König?“

Waldorfschüler spielen Mark Twain „Bettler oder König?“

„Ich könnte schreien vor Vergnügen“, erklärt Prinz Edward, als er in die Kleider des Bettelknaben Tom Canty geschlüpft ist.

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Edward (Clara Müller, links) und Tom Canty (Neela Hellerich) bei der Krönung in Westminster Abbey.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Eine zerrissene Hose, dazu ein altes T-Shirt mit Weste. Am Fluss spielen, Burgen in den feinen Sand bauen, Äpfel vom Baum stibitzen – all das hat sich für den englischen Thronfolger so attraktiv angehört, dass er in die „Haut“ von Tom Canty schlüpfen wollte.

Der hatte bisher nur in seinen Büchern von Prinzen gelesen. Nun steht er selbst in einem Gewand aus Samt in einem Kabinett des Londoner Palastes.

Für das Achtklässlerspiel der Freien Waldorfschule hat sich der Jahrgang des Romans „Der Prinz und der Bettelknabe“ von Mark Twain angenommen und daraus ein abendfüllendes Stück gemacht. Angeleitet wurden die Schüler von Klassenlehrer Hubertus von Tschammer und der Theaterlehrerin Nina Merzenich.

„Doch halt, was ist mit deiner Hand?“, fragt Prinz Edward den Bettelknaben. Toms Vater John ist als „übler Raufbold“ bekannt, aber auch die Groß­mutter prügelt die Kinder.

Das hindert Edward aber nicht daran, in den Lumpen das Schloss zu verlassen, wo er aufgrund der optischen Ähnlichkeit für den Betteljungen gehalten wird. Er wird verspottet als einer, der sich in seinem Aufzug für einen Prinzen hält. Als sein Vater, König Heinrich VIII., stirbt, behauptet der Junge gar, der neue König zu sein.

Aufwendige Kostüme und Bühnenbilder

Als Toms Vater, dem das Gebaren seines vermeintlichen Sohnes peinlich ist, ihn verprügeln will, eilt der Adlige Miles Hendson dem Jungen zu Hilfe. Er nimmt ihn mit in einen Gasthof an der Themse.

Nicht nur schauspielern in zwei verschiedenen Rollen und Besetzungen war die Aufgabe der Schüler. Einige, die Mitglied im Orchester sind, sorgten zusammen mit Dirigentin Bettina Buchholz und Thomas Eckert am Klavier auch noch für musikalische Untermalung. Wenn sie nicht gerade auf der Bühne standen, spielten sie Streich- und Blasinstrumente.

Auch einige Choreinlagen gab es von den Darstellern auf der Bühne. Drei Stücke hat Klassenlehrer von Tschammer selbst komponiert. Die Schüler trugen nicht nur aufwendige Kostüme, auch die Bühnenbilder waren mit viel Aufwand gestaltet. Bei einer Marktszene gab es Stände mit echtem Obst und Gemüse, in Westminster Abbey, wo die Krönung stattfindet, riesige Kirchenfenster. Unterstützt wurden die Achtklässler bei der Vorbereitung von Lehrern, Eltern sowie Schülern höherer Klassen.

Als sich das Verwechslungsspiel am Ende auflöst, stellt Edward fest, dass Tom die Regierungsgeschäfte gut geleitet hat. „Ob Bettler oder König, ist das nicht einerlei?“, fragt er. Jeder habe aus reinem Herzen sein Bestes getan. „Der Seele Adel hebt den Menschen erst empor.“

von Freya Altmüller

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