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Von "Legern" und "Zwickerbussis"

Tag des Kusses Von "Legern" und "Zwickerbussis"

Am Donnerstag wird der "Internationale Tag des Kusses" gefeiert. Viele Menschen erinnern sich noch genau an ihren ersten Kuss, wie eine OP-Umfrage zeigt.

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Der Mensch verbringt im Schnitt 76 Tage seines Lebens mit dem Küssen.

Quelle: pixabay

Marburg. Glücklich hält Moritz Dern (25) seine Frau Alexandria Caldwell (23) im Arm. „Wir haben uns am College in Tennessee kennengelernt“, berichtet der gebürtige Marburger. Alexandria kann sich noch genau an ihren ersten Kuss erinnern. „Wir hatten uns gerade verabschiedet, ohne dass wir uns geküsst haben. Aber ich bin zurückgekommen und habe dir einen Kuss gegeben - ganz schnell. Ich war ziemlich nervös“, sagt die 23-Jährige und lacht ihren Mann an. Seitdem sind die beiden zusammen. Am Samstag haben sie geheiratet - in Moritz‘ Heimatstadt. „Man kann vieles mit einem Kuss wiedergutmachen“, sagt Alexandria augenzwinkernd. Nicht schön seien hingegen Küsse kurz nach dem Aufstehen - wegen des Mundgeruchs. „Oder wenn man nicht weiß, was die Person, die man gerade küsst, für einen empfindet.“ Zum Knutschen bietet sich das Marburger Schloss an. „Da kann man sich sehr toll küssen. Da hat er mir auch den Heiratsantrag gemacht“, schwärmt Alexandria.

Auch Jill empfiehlt das Schloss und den Schlossgarten. „Da war ich mit meinem Freund auch schon öfter zum Knutschen“, kichert die 20-jährige Studentin. „Mein erster Kuss war bei mir daheim auf dem Bett mit meinem ersten Freund. Da war ich 17. Es war aufregend, schön, interessant. Ich finde es schön, wenn es mit Gefühl ist.“

Das findet auch Peter Harteveld (67): „Was ich besonders schön finde ist, wenn man sich lange küsst und dabei alles um sich herum vergisst. Beim Küssen soll man nicht nachdenken. Man muss es einfach machen. Das war schon immer so. Ich habe mit acht Jahren meine Nachbarin im Garten geküsst. Das passierte einfach so“, lacht der gebürtige Holländer. „In Marburg kann man schön auf den Marktplatz knutschen - vor allen Leuten. Da hab ich keine Hemmungen“, so der 67-Jährige.

Doch Kuss ist nicht gleich Kuss. „Was gar nicht geht ist ‚der Leger‘. Das ist wenn einem die andere Person die Zunge einfach nur in den Mund legt. Das ist der absolute Erzfeind“, findet Marius Müller (24), der zum Knutschen besonders gern ans Lahnufer geht. Seinen ersten Kuss hatte er mit 15. „Das war während meines Austauschs in Argentinien. Da habe ich meine Gastschwester geküsst.“

Auch sein gleichnamiger Kumpel hatte seinen ersten Kuss im Ausland. „In den USA, als ich einen Freund besucht habe. Da war ich 18“, verrät Marius (25). „Ich mag es nicht, wenn es zu ungestüm ist, also zu viel Zunge im Spiel ist. Es kann auch mal wilder sein - aber es muss dann von beiden Seiten ausgehen“, findet der 25-Jährige, der es in Marburg auf dem lutherischen Kirchhof besonders romantisch findet.

Ingrid erinnert sich an ihren ersten Nicht-Kuss

An ihren ersten Kuss kann sich Ingrid (83) nicht mehr erinnern - dafür aber an ihren ersten Nicht-Kuss. „Es war auf dem Abschlussball des Tanzkurses. Damals war ich 15. Wir Mädchen standen in einer Reihe. Die Jungs standen uns gegenüber. Jeder von ihnen hatte eine Rose in der Hand, die er mit einem Kuss dem Mädchen übergeben sollte, mit dem er tanzen wollte. Auf mich kam ein Mitschüler zu, den ich überhaupt nicht leiden konnte. Ich habe ihm gesagt ‚von dir lasse ich mich nicht küssen‘, habe mich umgedreht und bin nach Hause gegangen. Meine Mutter war so entsetzt“, erinnert sie sich und lacht ihre Freundin Marianne (88) an, die ihren ersten Kuss mit 18 bekam.

„Wir waren zusammen auf Burg an der Wupper. Als wir zu Fuß nach Hause gegangen sind, haben wir uns einfach geküsst. Das ist jetzt schon 70 Jahre her“, seufzt sie. „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich jetzt schon ganz gern jemanden hätte, der mich küsst. Ich kriege Küsse von meinen Kindern und Enkelkindern - aber das sind andere Küsse.“ Ingrid freut sich auch über diese Küsse. „Meinem Enkel hab ich als er klein war immer in die Wangen gekniffen und ein Küsschen gegeben. ‚Zwickerbussi‘ sagt man dazu in Österreich. Wenn er mir heute eine Nachricht über Whats­App schreibt, unterschreibt er immer mit ‚Zwickerbussi‘“, freut sie sich.

Wussten Sie, dass...

 ...dass es einen Forschungszweig gibt, der sich mit der Wissenschaft des Küssens befasst? „Philematologen“, also Kussforscher, haben zum Beispiel herausgefunden, dass zwei Drittel der Menschen den Kopf beim Küssen nach rechts neigen. Von ihnen stammt auch die Erkenntnis, dass ein Mensch in 70 Lebensjahren im Schnitt mehr als 76 Tage mit Küssen verbringt.
 ...dass Knutschen nicht automatisch zum Menschen dazugehört? US-Forscher haben herausgefunden, dass es nur in 46 Prozent der verschiedenen Kulturen „romantisch-­sexuelles Küssen“ gibt.
 ...dass sogar manche Tiere küssen? Besonders tun sich die Bonobos – eine Schimpansenart – hervor. Die Primaten sollen, so heißt es, sogar Zungenküsse austauschen – auch außerhalb der fruchtbaren Zeit des Weibchens.
 ...dass Küssen gesund ist? Wissenschaftlern zufolge kann Küssen das Immunsystem stärken und Stress abbauen.

von Ruth Korte

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