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Von Ebola über HIV bis zu Hepatitis

Virologen-Kongress Von Ebola über HIV bis zu Hepatitis

Rund 1 000 Virologen kommen in der nächsten Woche zu ihrer Jahrestagung nach Marburg in das Uni-Hörsaalgebäude.

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Eine Arbeitsgruppe von Professor Friedemann Weber (Vierter von links) im Marburger Virologie-Labor.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Aus Sicht von Tagungspräsident Professor Stephan Becker ist Marburg in diesem Jahr ein angemessener ­Tagungsort für die Gesellschaft für Virologie (GFV).

Denn 2017 jährt sich zum 50. Mal der Ausbruch des Marburg-Virus, erläutert Becker, der Leiter des Marburger Uni-Instituts für Virologie. Die Erforschung des damals von aus Uganda stammenden Labor-Affen auf Mitarbeiter der Behringwerke­ übertragene Virus legte mit den Grundstein für die virologische Forschung an der Uni Marburg.

Bis heute halten ähnlich gefährliche Viren wie der Ebola-Virus die Welt in Atem. „Obwohl die Ausbreitung solcher Viren glücklicherweise relativ selten so große Ausmaße annimmt wie vor zwei Jahren beim Ebola-Virus in West Afrika, müssen Impfstoffe und antivirale Medikamente gegen diese gefährlichen Viren entwickelt und getestet werden, damit sie im Notfall verfügbar sind“, meint Becker. Auch die erste Tagung der GFV  fand Anfang der 90er-Jahre in Marburg statt. In diesem Jahr kehren die Wissenschaftler also an den Ausgangsort zurück.

Nicht nur Wissenschaftler von Universitäten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch Forscher aus mehreren Forschungsinstituten haben sich für die Tagung angemeldet, die von Mittwoch, 22. März, bis zum Samstag, 25. März, im Uni-Hörsaalgebäude stattfinden wird.

Tagungssprache ist Englisch. Das wissenschaftliche Programm umfasst Themen wie das Auftauchen und  Wiederauftauchen von Viren, die schwerste Erkrankungen auslösen und dramatische Auswirkungen für die betroffenen Regionen haben können wie Ebola in Westafrika. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, wie sich Zellen gegen Virusinfektionen wehren und welche Strategien Viren entwickelt haben, die Zelle zu überlisten.

Außerdem werden neue Erkenntnisse zu Tumorviren und Impfstoffen sowie Untersuchungen zu antiviralen Therapien und Resistenzen präsentiert.

„Neue Viren“ im Fokus

Unter anderem stehen im Fokus der Hauptvorträge neue und wiederentdeckte Viren. So zählt zu den neuen Viren der Zika-Virus, obwohl dieser in der Fachwelt eigentlich seit rund 50 Jahren bekannt ist, wie Professor Becker erklärt.

Jedoch sei der Zika-Virus vor allem wegen der aktuellen Epidemie in Brasilien ein Thema. Diese hatte im vergangenen Jahr kurz nach dem Ebola-Ausbruch in Westafrika­ für die Ausrufung des internationalen Gesundheits-Notstands durch die Weltgesundheitsorganisation WHO gesorgt. Ob das gerechtfertigt war, darüber könnte es auch bei den Virologen unterschiedliche Meinungen geben.

Eine ganze Reihe von Viren, die ebenfalls von Mücken übertragen werden, geraten ebenfalls in das Blickfeld der Virologen. Dabei interessiert sie besonders, welche Bedingungen die Mücken benötigen, damit die Viren übertragen werden.

Auch ein „alter Bekannter“ bei den Viruserkrankungen – der HIV-Virus – wird auf dem Kongress thematisiert. Glücklicherweise gebe es heutzutage gute Medikamente dagegen und so bedeute eine HIV-Erkrankung nicht mehr unweigerlich ein Todesurteil wie noch in den 80er-Jahren. „Heute können HIV-Infizierte durch die entwickelten antiviralen Medikamente Jahrzehnte überleben und ein annähernd normales Leben führen“, erläutert Becker. „Das heißt natürlich nicht, dass die Therapie nicht noch zu verbessern ist, vor allem, weil das Virus durch die Behandlung nicht vollständig aus dem Körper verschwindet, und nach dem Absetzen der Therapie die Erkrankung wieder aufflammt“.

Größte Biomasse der Welt

Auf der Tagung berichtet  der Aids-Forscher Professor Joachim Hauber (Hamburg) über seine Experimente, in denen die Erbinformation des HIV, die sich in das Genom einer infizierten Zelle einnistet, eliminiert wurde.

Das Ziel dieser Versuche ist es, auch die letzten Reste von HIV aus den infizierten Personen zu entfernen und so eine vollständige Heilung zu erreichen. Noch vor wenigen Jahren führte das Hepatitis-C-Virus bei einem ­relativ hohen Prozentsatz der Infizierten zu Leber­zirrhose und schließlich zu Leberkrebs. „Seit zwei Jahren gibt es dagegen Medikamente, mit deren Hilfe eine Heilung der Infizierten gelingt“, berichtet Becker. Professor Ralf Bartenschlager (Heidelberg), ein Wegbereiter dieser Forschungen, ist ebenfalls einer der Referenten.

Ein ganz anderes Forschungsfeld sind die gesundheitsfördernden Eigenschaften der ­Viren. Üblicherweise seien vor allem die krankheitserregenden Eigenschaften der Viren interessant, doch diese machten nur einen kleinen Teil ihrer Funktionen aus, erklärt Becker. „Es gibt sehr viele Viren. Sie stellen immerhin die größte Biomasse der Welt“, erklärt Becker. Die Rolle, die Viren bei der CO2-Fixierung in den Weltmeeren oder bei der Interaktion mit Darmbakterien spielten, seien noch längst nicht im Detail erforscht.

von Manfred Hitzeroth

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