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Vier Kandidaten für Kahles Nachfolge

Wer wird Bürgermeister? Vier Kandidaten für Kahles Nachfolge

Auf dem CDU-Parteitag will Parteichef Dirk Bamberger heute Abend bekanntgeben, wen die Christdemokraten für das Amt des Bürgermeisters nominieren. Drei Männer und eine Frau haben die besten Chancen.

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Einer wird Nachfolger von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne; unten). Wen stellt die CDU auf (von links): Anne Oppermann, Dirk Bamberger, Wieland Stötzel oder Roger Pfalz?

Quelle: Thorsten Richter/Tobias Hirsch. Montage: Thorsten Richter

Marburg. Der Bürgermeister (oder die Bürgermeisterin) soll am 30. Juni im Parlament gewählt werden. Die CDU beansprucht den Posten für sich – so es denn, wovon derzeit alle ausgehen, zu einer Zusammenarbeit zwischen SPD/BfM und CDU kommt.

Nach parlamentarischem Brauch bestimmt bei Koalitionen (oder anderen Formen der Zusammenarbeit) jede Fraktion selbst über ihr Personal. Koalitionspartner sorgen dann für die Mehrheit im Parlament.

Bamberger: Wenn er will, wird er es auch

Klar ist: Wenn Dirk Bamberger Bürgermeister werden möchte, dann wird er es auch. Als Parteichef steht ihm ein Vorschlagsrecht und damit der erste Zugriff auf das Amt zu. Bamberger kann zudem auf gute Ergebnisse bei der Oberbürgermeisterwahl 2015 (40,0 Prozent in der Stichwahl) und für die CDU bei der Kommunalwahl im März 2016 (28,1 Prozent) verweisen.  Dem Parteichef wurden immer wieder Ambitionen nachgesagt, hauptamtlich in die Politik zu wechseln. Als Vater von zwei kleinen Töchtern und beruflich in leitender Position bei einem heimischen Geldinstitut beschäftigt, gelten seine Ambitionen auf das Bürgermeisteramt aber als begrenzt. Bamberger hat sich in seiner einjährigen Zeit im Parlament als Debattenredner eher selten hervorgetan.

Roger Pfalz: Finanzexperte mit wenig Ambitionen

Gerade angesichts der Haushaltssorgen, die die Stadt auch in den kommenden Jahren drücken werden, wäre Finanzexperte Roger Pfalz ein geeigneter Kandidat für das Bürgermeisteramt. Der Parteilinke Pfalz, von Beruf Steuerbeamter, ist weit über die eigene Partei anerkannt, ist ein blendender Debattenredner und war 2015 auch einige Zeit als Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei im Gespräch. Der frühere Ortsvorsteher von Wehrda ist seit 2006 Stadtverordneter und Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, außerdem – wie Bamberger – Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke. Der Wehrdaer hatte in der Vergangenheit aber wenig Neigung gezeigt, hauptberuflich Politik zu machen.

Alles eine Frage der Strategie

Ohnehin ist die Kandidatenfrage ein wenig abhängig von der langfristigen Strategie der Christdemokraten mit Blick auf die Oberbürgermeisterwahl 2021. Werden die Christdemokraten in einer Koalition mit SPD und Bürgern für Marburg und den vorgesehenen weiteren Haushaltsoperationen mit in Haftung genommen für Zuwendungskürzungen, wie dies derzeit der amtierende Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) erlebt?

Ist deswegen das Bürgermeisteramt tatsächlich ein ideales Sprungbrett für einen christdemokratischen Oberbürgermeisterkandidaten? Oder ist es erfolgversprechender, sich von außen und unbelastet von dem Unbill der täglichen Regierungsarbeit für das höchste Regierungsamt in Marburg zu bewerben, wie dies Bamberger 2016 recht erfolgreich getan hat? Diese Frage müssen die Parteistrategen jetzt bewerten; im zweiten Falle wäre der Kandidat für das Bürgermeisteramt als potenzieller Konkurrent für Spies 2021 aus dem Rennen.

Anne Oppermann arbeitet mit Spies schon zusammen

Die meiste politische Erfahrung hat zweifelsohne Anne Oppermann. Oppermann ist ehrenamtliche Stadträtin und insofern die Zusammenarbeit mit Spies im Magistrat gewöhnt. Die beiden kennen sich zudem aus ihrer gemeinsamen Zeit im Hessischen Landtag. Oppermann gilt als fleißig, zuverlässig und immer gut vorbereitet. Bereits zwischen 2003 und 2006 war Oppermann Vorsitzende der CDU-Stadtverordnetenfraktion, außerdem von 2001 bis Januar 2008 Mitglied des Hessischen Landtags. Oppermanns Hauptmanko: In ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete hat sie, die Krankenschwester am Klinikum von Beruf war, die von Roland Koch betriebene Privatisierung des Marburger Klinikums auch in Marburg aktiv unterstützt, was ihr viele Marburgerinnen und Marburger übel genommen haben.

Auch die Marburger CDU vertritt in Sachen Privatisierung eine andere Haltung als damals Oppermann. Oppermann ist bei der OB-Wahl im Jahr 2021 60 Jahre alt.

Wieland Stötzel: Generalist und starker Fraktionschef

Bleibt der aktuelle Fraktionschef Wieland Stötzel. Auch Stötzel, von Beruf Richter am Amtsgericht Marburg, verfügt über reichhaltige politische Erfahrung.

Er ist seit 2006 Mitglied des Stadtparlaments, kandidierte 2011 gegen den SPD-Kandidaten Egon Vaupel als Oberbürgermeister. Gegen den populären Amtsinhaber  erreichte Stötzel damals aber nur 18 Prozent der Wählerstimmen. Wie Pfalz ist auch Stötzel ein sehr guter Debattenredner, der zudem in viele Themen tief eingearbeitet ist. Als Fraktionsvorsitzender ist es sein Verdienst, dass die Fraktion in Plenumssitzungen gut vorbereitet und organisiert wird.

Sollte Stötzel zum Bürgermeister gewählt werden, müsste sich die CDU-Fraktion einen neuen Vorsitzenden suchen. Viele in der CDU halten es für logisch, dass in einem solchen Fall Roger Pfalz Fraktionsvorsitzender werden müsste. Haushaltsexperte Pfalz und Generalist Stötzel – das Duo auf den beiden Schlüsselpositionen Bürgermeister und Fraktionschef könnte passen, und zwar in beide Richtungen.

von Till Conrad

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