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Videobeweise dokumentieren brutalen Überfall

Aus dem Landgericht Videobeweise dokumentieren brutalen Überfall

Weitere Zeugen belasten den wegen versuchten Mordes angeklagten Mann vor dem Schwurgericht. Der Angeklagte soll nach einem Überfall vor einem Kumpel mit seiner Tat geprahlt haben.

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Der Prozess gegen den 34-Jährigen wird in einer öffentlichen Sitzung vor dem Landgericht Marburg verhandelt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Über den Werdegang des heute 34-Jährigen sprach am Montag dessen ehemals bester Freund aus Schulzeiten. Er beschrieb den Kumpel als früher „herzensguten Menschen“, den Drogenmissbrauch und Straftaten zu einem Fremden werden ließen.

Bis vor zehn Jahren wären die beiden Freunde aus Kindertagen fast unzertrennlich gewesen, ab dann sei der Angeklagte­ zunehmend abgerutscht, habe sich durch einen wachsenden Alkohol- und Drogenkonsum zum Schlechten verändert, berichtete der Zeuge.

Im Rausch wurde der Kumpel aggressiv, „er war dann ein ganz anderer Mensch. Es fällt mir aber schwer zu glauben, dass das alles passiert ist“, bezweifelte der Zeuge die Vorwürfe gegen den Freund.

Seine Überraschung sei groß gewesen, als der im vergangenen Jahr plötzlich bei ihm auftauchte, nachdem er aus der Haft entlassen worden war. Er ließ ihn bei sich übernachten. Als seine Kinder zu Besuch kamen, musste der Gast zwei Tage das Feld räumen, stieg am Sonntag, in der Nacht vom 9. auf 10. Oktober jedoch durch ein Fenster ein, so der Zeuge.

Es kam zum Streit, während dessen der betrunkene Kumpel über seine Taten vom Wochenende erzählt haben soll: „Der soll jemanden geschlagen und eine Geldbörse gestohlen haben – ich habe ihn nicht für voll genommen“, teilte der Zeuge mit.

Auf Nachfrage erinnerte er sich, dass der Angeklagte auch über einen Einbruch in einen Supermarkt gesprochen haben könnte, genau zugehört habe er nicht.

Hauptsächlich soll der Angeklagte mit einem Überfall geprahlt haben, der zu jenem auf eine schwangere Frau in der Frankfurter Straße passt.

Von diesem Tatort und zwei weitere existierende Videoaufnahmen wurden vor dem Schwurgericht gezeigt. Alle zeigen einen Mann mittlerer Größe in unauffälliger, meist dunkler Kleidung. Dieser ist unter anderem am 8. Oktober vor der Bankfiliale zu sehen, aufgenommen von der Kamera vor dem Geldautomaten. Durch die Scheibe­ dahinter ist bruchstückhaft der brutale Überfall auf eine schwangere Frau zu sehen, die gekrümmt auf dem Boden liegt, während der Angreifer über ihr steht und auf sie einschlägt.

Auseinandersetzung an einer Tankstelle

Ebenfalls dokumentiert ist der Einbruch in einen Supermarkt am Richtsberg zwei Tage später sowie eine Auseinandersetzung an einer Tankstelle am Abend zuvor.

Wie die Aufzeichnungen belegen, klaute ein Mann diverse Süßigkeiten aus dem Tankstellenshop. Beim Hinausgehen wurde er von einem Mitarbeiter verfolgt. Zwischen den Zapfsäulen ist szenenhaft ein handfester Streit zwischen den Männern zu sehen.

Ob es sich bei dem oder den Tätern um ein und denselben Mann und um den Angeklagten handelt, ist auf den ersten Blick nicht klar erkennbar. Jedes Mal trägt der Täter eine dunkle Mütze. Die trägt auch der Angeklagte, ruht sich darauf während den mehrstündigen Verhandlungen immer wieder aus, mit dem Kopf auf der Anklagebank. Der Mann wirkt meist erschöpft und teilnahmslos, Angaben macht der 34-Jährige nach wie vor keine. Die Pöbeleien aus den ersten Verhandlungstagen gegen andere Prozessbeteiligte­ oder Zuschauer wiederholten sich bisher nicht.

Wie ein Kriminalpolizist vor Gericht mitteilte, wurden nach der Tatserie, die sich zwischen dem 8. und 10. Oktober vergangenen Jahres abspielte, neben dem Angeklagten noch drei weitere Verdächtige festgenommen. Eine Geschädigte belastete schließlich den Angeklagten, nachdem ihr verschiedene Fotos der Männer vorgelegt worden waren. Drei schloss sie eindeutig aus – der Beschuldigte kam an den Täter „am dichtesten heran, genau festlegen wollte sie sich nicht“, sagte der Polizist.

  • Der Prozess wird am Mittwoch ab 9 Uhr im Landgericht, Saal 101, fortgesetzt.

von Ina Tannert

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