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Vermieter droht Mieter körperliche Gewalt an

Aus dem Amtsgericht Vermieter droht Mieter körperliche Gewalt an

Weil er einem seiner Mieter mit körperlicher Gewalt gedroht und ihn beleidigt hat, muss ein Marburger Hausbesitzer 1 600 Euro Strafe zahlen.

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Weil er einem seiner Mieter mit körperlicher Gewalt gedroht und ihn beleidigt hat, musste sich ein Marburger Hausbesitzer vor dem Amtsgericht rechtfertigen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Rechtsanwalt Dr. Uwe Kallweit wollte es in dem Verfahren allerdings genau wissen und stellte­ an Richterin Annika Woltmann einen Beweisantrag, wie er nicht alle Tage vorkommt. Der Verteidiger beantragte eine Ortsbegehung im Mietshaus seines Mandanten oder ein Gutachten. Die Diskussion über den Antrag nahm rund eine Stunde in Anspruch.

Folgende Frage sollte geklärt werden: Kann ein 1,65 Meter großer Mensch aus einem 80 Zentimeter über dem Fußboden gelegenen und nach innen gekippten Glasfenster aus dem ersten Stock des besagten Mietshauses gucken und von dort aus genau sehen, was sich auf dem zum Haus führenden Gehweg abspielt?

Sowohl Stefan Ibel, Vertreter der Staatsanwaltschaft, als auch die Richterin Annika Woltmann blickten aufgrund des Antrags verwundert drein. „Ich denke, dass der Blickwinkel nicht zulässt, dass Sie gesehen haben, was passiert ist“, richtete sich der Verteidiger an die 20-jährige Zeugin, die den Streit zwischen angeklagtem Vermieter und einem 21-jährigen Mitmieter am 6. November 2015 beobachtetet ­haben wollte.

Zeugin: "Er hat meinem Vater mal gedroht, ihn aus dem Fenster zu werfen"

Die Zeugin beteuerte, wegen „Schreierei vor dem Haus“ aufgewacht zu sein und seitens des Vermieters beleidigende Worte gehört zu haben. „Während des Streits hat der Angeklagte dem Mieter etwas ins Ohr geflüstert“, wusste die Studentin außerdem zu berichten. Darüber konnte der Geschädigte Aufschluss geben: „Er hat gesagt, dass er mir drei Männer vorbei schickt, die mich in einen Sack stecken und verprügeln sollten, sodass ich nicht mehr gehen kann. Das wollte er machen, falls ich in den nächsten drei Tagen keinen Nachmieter gefunden haben sollte“, erklärte der Student.

Erst Mitte Oktober zog er in das Mietshaus in Marburg ein. Allerdings wollte er aufgrund des „unfreundlichen Verhaltens des Vermieters“ möglichst schnell wieder aus der Wohnung raus. Kurz nach dem Streit packte er dann seine Sachen und verschwand einfach. Der sichtlich über den Mietausfall erbitterte Angeklagte stellte den beiden Zeugen mehr Fragen als sein Verteidiger. Er versuchte, die Zeugen in Widersprüche zu verwickeln.

Die 20-jährige Zeugin traute dem Angeklagten die vorgeworfene Nötigung und ­Beleidigung „auf jeden Fall“ zu. Anscheinend war es nicht das erste Mal, dass sich der Vermieter daneben benahm. „Er hat meinem Vater mal gedroht, ihn aus dem Fenster zu werfen“, berichtete die Studentin. Mittlerweile ist sie ebenfalls aus dem Haus ausgezogen.

Verteidiger Dr. Uwe Kallweit plädierte für Freispruch aus Mangel an Beweisen. Das sah Richterin Annika Woltmann anders: Sie lehnte nicht nur den Beweisantrag ab, sondern verhängte die Geldstrafe.

von Benjamin Kaiser

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