Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Zuschüsse fehlen: Verein löst sich auf

Verkehrsverein Zuschüsse fehlen: Verein löst sich auf

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Marburg ist Geschichte. Die Mitglieder sprachen sich mehrheitlich für die Auflösung zum Jahresende aus. Sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.

Voriger Artikel
Unbekannte belästigen zwei Frauen
Nächster Artikel
Hinkender Dieb wird gesucht

Schließt den Laden am Jahresende zu: Hans-Christian Sommer.

Quelle: Jan Schmitz

Marburg. Die Wurzeln des Verkehrsvereins reichen bis ins Jahr 1891 zurück, die des Verschönerungsvereins bis 1968. 2009 fusionierten die beiden Vereine. Vorsitzender ist seitdem der Verkehrsdirektor a.D., Hans-Christian Sommer. Der Verein, der nach eigenen Angaben 135 Mitglieder hat, hat sich der Förderung des Fremdenverkehrs verschrieben und unterhält mithilfe der städtischen Ämter Wandertafeln und Schutzhütten in Marburg.

Bei der Mitgliederversammlung am 17. Oktober legte Sommer den Vorsitz nieder. Anschließend stimmten die 14 anwesenden Mitglieder bei drei Enthaltungen für die Auflösung des Vereins. Den „schwarzen Peter“ schiebt der Vorstand an die Stadt. Sommer nennt ausbleibende Zuschüsse durch den Marburger Magistrat als Grund für das Aufgeben. „Wir haben 2017 keinen Cent bekommen, obwohl Mittel für den Verein im Haushalt vorgesehen sind“, klagt Sommer.

Mit insgesamt 3000 Euro hat Schatzmeister Karl-Heinrich Auffarth für dieses Jahr gerechnet. Im Haushalt 2017 sind die Zuschüsse an den Verkehrs- und Verschönerungsverein (Haushaltsstelle: 467020/7119000) allerdings mit einem Sperrvermerk versehen. Ob diese Mittel freigegeben werden, darüber entscheidet der Magistrat. Als Mitte des Jahres der Vorstand Signale vernommen hatte, dass der Magistrat den Sperrvermerk aufgehoben habe, beantragte Auffarth in mehreren Briefen an Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und den Magistrat die Auszahlung der Mittel. Bislang ohne Resonanz.

Sommer: Mitglieder sind auf Kosten sitzengeblieben

„So kann man mit einem Verein doch nicht umgehen. Persönlich hätte ich das nicht geglaubt“, ist Sommer enttäuscht über die fehlende Unterstützung aus dem Rathaus. „Das ist für mich unverständlich und nicht nachvollziehbar“, so der Verkehrsdirektor a.D., dem auf Anregung der Universitätsstadt Marburg und von OB Spies persönlich noch im Sommer dieses Jahres das Bundesverdienstkreuz verliehen worden war ( wir berichteten).

Die Zuschüsse in der Vergangenheit benötigte der Verein unter anderem für Aufwandsentschädigungen, zum Beispiel für Fahrtkosten der Mitglieder, die Infotafeln und Schutzhütten in Schuss hielten. In diesem Jahr seien die Mitglieder bislang auf den Kosten sitzen geblieben, so der scheidende Vorsitzende Hans-Christian Sommer. Daher seien nur noch wenige Vereinsaktivitäten durchgeführt worden.

Einen Tag vor der Mitgliedsversammlung schrieben die ehemaligen Mitarbeiter der Stadtverwaltung Erhart Dettmering (Pressereferent), Rainer Kieselbach (Pressereferent), Ludwig Michel (Hauptamtsleiter), Jürgen Kraft (Leiter der Bäderabteilung) und Elmar Brohl (Baudirektor) einen Brief an den Magistrat, um das drohende Aus des Vereins abzuwenden. Darin heißt es: „Wir sind der festen Überzeugung, dass der Verein auch heute und künftig Wertschätzung und finanzielle Unterstützung verdient. Der Respekt und die Anerkennung für Menschen, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich und mit großem persönlichen Einsatz für andere engagieren, sollte dem einer ‚Ehrenamtscard‘ nicht nachstehen.“

Stadt sieht Klärungsbedarf bei Verwendungsnachweis

Stadtsprecherin Birgit Heimrich weist die Vorwürfe des Vereins auf OP-Anfrage zurück. „Die bevorstehende Auflösung des Vereins kann aus Sicht der Universitätsstadt Marburg in keinem ursächlichen Zusammenhang mit den Zuschüssen für die Vereinstätigkeit stehen. Die Stadt Marburg erfüllt ihre finanziellen Verpflichtungen selbstverständlich ordnungsgemäß und vollständig“, heißt es aus der Pressestelle.

Dort räumte man allerdings ein, dass das Geld noch nicht geflossen sei. „Im vorliegenden Fall gab es im Bezug auf Verwendungsnachweis und Zuschuss noch Klärungsbedarf.“ Man befinde sich in der abschließenden Prüfung.

Pressesprecherin Heimrich: „Der Verein, seine Mitglieder und die Vereinsspitze haben sich seit der Gründung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins im Jahre 2009 für die Stadt engagiert.“ Den Beschluss des Vereins habe man mit Bedauern zur Kenntnis genommen. „Die Entscheidung ist unwiderruflich“, sagt Hans-Christian Sommer, der gemeinsam mit Schatzmeister Auffarth durch die Mitglieder zum Liquidator bestellt wurde.

Selbst wenn das Geld noch überwiesen würde, sei es zu spät. Der Antrag auf Auflösung wurde mittlerweile beim Amtsgericht eingereicht. Auch die Versicherung für die Schutzhütten soll in den nächsten Tagen gekündigt werden. Kraft Gesetzes gehen dann die 14 Wander-Infotafeln, sieben Hütten und eventuell vorhandene Restmittel zum Jahreswechsel auf die Stadt über. Zum 31. Dezember schließt dann das Büro an der Leopold-Lucas-Straße für immer die Pforten.

von Jan Schmitz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr