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Drei Milliarden Buchstaben in einer Zelle

Verein „Leben mit Krebs“ Drei Milliarden Buchstaben in einer Zelle

„Tausend Harry-Potter-Bücher sind in einer Zelle drin“, erklärt Professor Joachim Fensterle von der Hochschule Rhein-Waal Kleve den Teilnehmern der Kinder-Uni.

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Professor Joachim Fensterle erklärte den Teilnehmern der ­Kinder-Uni den Unterschied zwischen einer gesunden und einer kranken Zelle.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. So viele als Buchstaben bezeichnete Bausteine seien in dem DNA-Faden, der in jeder menschlichen Zelle enthalten ist. Drei Milliarden Buchstaben. Um zu verstehen, was bei einer kranken Zelle schiefläuft, erklärte der Professor den Kindern der vierten bis siebten Jahrgangsstufe erst einmal, wie eine gesunde Zelle aussieht.

Mit der Kinder-Uni im Hörsaalgebäude der Universität informierte der Verein „Leben mit Krebs“ bereits zum zweiten Mal Schüler über die Krankheit. Rund 250 Kinder von Schulen aus Marburg und Umgebung nahmen teil.

„Die Zelle macht eine Kopie vom DNA-Faden und übersetzt sie in ein Protein“, sagt Fensterle. Jedes Protein erfülle bestimmte Funktionen im Körper. „Es gibt Myosin, das Muskeln zusammenziehen kann“, erklärt der Professor. „So hilft es euch beim Fußballspielen.“ Tyrosinase hingegen trage dazu bei, im Sommer braun zu werden. In der Zelle hätten sie außerdem die Aufgabe, Signale von außen weiterzugeben, das nenne sich „Signalkaskade“.

Krebszellen spielen nach eigenen Regeln

„Wir spielen das mal nach“, sagt der Professor und bittet 14 Kinder nach vorne. Sie bilden zwei Teams, die gegeneinander antreten. Ihre Aufgabe ist es, immer dann, wenn ihnen ein Tennisball gereicht wird, ihn bis zum letzten Kind durchzugeben, das ihn in einen Korb befördert. Die Spielrunde endet mit Gleichstand.

Weil die DNA von Krebszellen anders ist, sind auch die Proteine anders und spielen nach ihren eigenen Regeln, erklärt Fensterle. Deshalb bekommt ein Kind als verändertes Protein nun einen eigenen Korb mit Bällen, die es an die restlichen Teammitglieder weitergibt. Die andere Gruppe bekommt weiterhin so viele Bälle wie vorher und verliert.

Wie das Kind die Tennisbälle­ gibt das Protein in der Krebszelle das Signal zur Teilung weiter, während sich gesunde Zellen nur bei Signalen von außen teilen.
„Bei der klassischen Chemotherapie tauscht man DNA-Bausteine aus durch welche, die fast genauso aussehen, aber nur fast“, erklärt Fensterle den Schülern. Die falsche DNA werde auch in die Proteine übersetzt, wodurch sie kaputt gingen und die Krebszelle absterbe.

Austausch mit Leidensgenossen soll helfen

„Sterben mit so einer Therapie nur Krebszellen?“, fragt der Professor. Die meisten Kinder sind anderer Meinung. Fensterle erklärt, dass alle Zellen betroffen seien, die für Wachstum sorgten: Haare, Darm und Abwehrsystem. „Deswegen fallen die Haare aus, die Leute haben Darmprobleme und sind müde.“ Eine Chemotherapie ohne Nebenwirkungen gebe es nicht.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), Schirmherr der Kinder-Uni, erklärte den Schülern, wenn jemand krank werde, habe man Angst, ob er wieder gesund wird. „Das beste Mittel dagegen ist das Wissen darüber, wovon die Rede ist“, so das Stadtoberhaupt. Im Schulunterricht komme das Thema oft zu kurz.

„Ziel ist, dass die Fantasien nicht größer sind als das, was wirklich ist“, ergänzte Christiane Schmidt, Geschäftsführerin der „LöwenMutKids“. Die Gruppe des Vereins „Leben mit Krebs“ wendet sich an Kinder mit Elternteilen, die von der Krankheit betroffen sind. Der Austausch mit Gleichaltrigen in einer ähnlichen Situation helfe bei der Bewältigung. Aber auch gemeinsame Aktionen mit den Eltern stünden auf dem Programm, wie Familientage im Hochseilgarten oder auf dem Reiterhof. So fänden viele Kinder auch Freunde.

von Freya Altmüller

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