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Unter dem Schutz des Kaisers

700 Jahre jüdische Gemeinde Unter dem Schutz des Kaisers

„Die Synagoge am Obermarkt war ein repräsentatives Gebäude, welches das Stadtbild prägte“, erklärt Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch, stellvertretende Direktorin des Staatsarchivs Marburg.

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Professorin Ursula Braasch-Schwersmann, Leiterin des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde, hielt den Festvortrag zur Historie des Judentums in Marburg.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Deshalb diente die Synagoge auch als Orientierungspunkt, als 1317 ein Grundstück in der Nachbarschaft veräußert wurde. Die Synagoge am Obermarkt war damit zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Genau 700 Jahre später feierte die jüdische Gemeinde dies nun mit einem Vortrag zur Historie des Judentums in Marburg. Im Laufe des Jahres soll es anlässlich des Jubiläums zahlreiche weitere Termine geben (die OP berichtete). Laut Monika Bunk, der Zweiten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, kamen dazu fast ebenso viele Gäste wie zu der Einweihung der Synagoge in der Liebigstraße.

„Sechs Jahre vor der Ersterwähnung hatte Marburg Stadtrecht erhalten“, sagte Professorin Ursula Braasch-Schwersmann, Leiterin des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde. Der Großteil der Bevölkerung habe von Gewerbe und Handel gelebt. Gebrauchsgüter und Lebensmittel seien auf verschiedenen Märkten und zunehmend auch in Kaufläden angeboten worden.

Den Markt vor dem Rathaus habe es im 14. Jahrhundert noch nicht gegeben. Statt eines Platzes sei an der Stelle nur eine etwas breitere Gasse gewesen. Auch das Rathaus gab es noch nicht; es wurde erst im 16. Jahrhundert erbaut. Die Ratsherren nutzten für ihre Versammlungen eine Stube im Kerner neben der Marienkirche, später das Obergeschoss der gegenüberliegenden Stadtschule am Lutherischen Kirchhof.

Türme der Elisabethkirche noch nicht fertiggestellt

Die Elisabethkirche war 1317 noch im Bau, die Türme waren noch nicht fertiggestellt. Weiterhin prägten das Stadtbild der Renthof zur Versorgung der benachbarten Residenz, das Peter und Paul geweihte Kloster der Franziskaner, das Dominikanerkloster und natürlich das Schloss, noch ohne Westflügel. Umgeben war Marburg von Viehweiden, Getreide- und Gemüsefeldern, die bis an die Siedlung heranreichten.

In die Stadt gekommen seien die Juden, weil sich dort eine neue Dynastie unter Sophie von Brabant gründete. Zu dieser Zeit gewährte ihnen der Kaiser Schutz für ihre Dienste. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sei die Zahl der Juden aufgrund von Verfolgung und Vertreibung trotzdem dezimiert worden.

Im Sommer 1349 habe die Pest die Stadt erreicht, viele Informationen darüber ließen sich nicht finden. 1415 sei aber wieder eine jüdische Familie nach Marburg gekommen. 1452 wurde die mittelalterliche Synagoge abgebrochen, eine Begründung sei in den Archiven nicht genannt, sagte Braasch-Schwersmann. Es könne an einer gewaltsamen Verdrängung der Juden gelegen haben oder die Gemeinde sei wegen geringer Größe aufgelöst worden. Die Steine des Gebäudes seien teilweise für den Bau der Kilianskapelle verwendet worden. 1375 sei der Judenfriedhof beim Spital St. Josef in Gartenland umgewandelt worden.

von Freya Altmüller

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