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Uni-Bibliothek wird Ausweichquartier

"Silberwürfel" an der Stadtautobahn Uni-Bibliothek wird Ausweichquartier

Was wird aus der Uni-Bibliothek (UB) an der Stadtautobahn? Die UB und wohl auch die Türme ­werden von der Universität bis mindestens 2022 weiter benötigt.

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Die Uni-Bibliothek und die geisteswissenschaftlichen Türme stehen an der Stadtautobahn. An die frühere Nutzung als Gartenfläche erinnert ein verlassener Garten auf der anderen Seite der Straße (Panorama-Fotomontage).

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Datum des Umzugs der Bücher der Marburger Universität von der Bibliothek an der Stadtautobahn in die neue Bibliothek am Pilgrimstein rückt immer näher. Ab Anfang November soll es nun definitiv losgehen. Zunächst die Bücher aus der Zentralbibliothek, danach folgen die Bücher aus mehreren Institutsbibliotheken. Insgesamt sollen 2,5 Millionen Bände ihren Platz in der neuen Uni-Bibliothek finden.

Die Tage des markanten „Silberwürfels“ als Uni-Bibliothek sind also definitiv gezählt. In den vergangenen Monaten und Jahren gab es einige Vorschläge zur Nachnutzung. Die Palette der Ideen reichte von einer  neuen Nutzung als Speicherbibliothek für Bücher aus wissenschaftlichen Bibliotheken aus ganz Hessen über die Nutzung als Kulturzentrum bis hin zum Rückbau und der alten UB. Letzterer Vorschlag würde beinhalten, auch die geisteswissenschaftlichen Türme abzureißen und das Areal als Bestandteil einer Bundesgartenschau inklusive der Tieferlegung der Stadtautobahn zu verwenden.

Diesen Gedankenspielen setzt die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause jetzt zumindest für die nächsten fünfeinhalb Jahre bis Ende 2022 ein Ende. Denn die Universität hat für das Gebäude der Uni-Bibliothek jetzt noch einen „Eigenbedarf“ angemeldet. Die Präsidentin will die UB dafür nutzen, in der Zeit zwischen 2020 und 2022 dort die Bestände der Jura-Bibliothek (Juristisches Seminar) zwischenzulagern, teilte Krause jetzt auf Anfrage der OP mit.

In dieser Zeit soll das Savignyhaus in der Universitätsstraße als eines der beiden Hauptgebäude des Fachbereichs ­Jura generalsaniert werden. Ein früherer Start der Sanierung ist nicht möglich, weil das dafür notwendige Geld aus dem Landes-Hochschulbauförderprogramm „Heureka“ zur Verfügung gestellt werden soll, dessen Laufzeit erst im Jahr 2020 beginnt.

Frühere Überlegungen der Uni-Leitung hatten bekanntlich vor einigen Jahren vorgesehen, das Savigny-Haus in den Neubau des Allianz-Einkaufszentrums an der Ecke Universitätsstraße/Gutenbergstraße zu integrieren. Doch diese Pläne konnten dann nicht realisiert werden.

Im Zuge dieser Überlegungen sei aber klar geworden, dass es keine ausreichend geräumigen und geeigneten Orte für die Auslagerung der Jura-Bibliothek gegeben habe, betonte die Präsidentin gegenüber der OP.

Dieses ändere sich dann, wenn die alte UB frei werde. Auch für die Zeit nach dem Freiwerden des „Silberwürfels“ im Frühjahr 2018 bis zur Nutzung als Standort der Jura-Bibliothek im Jahr 2020 hat die Marburger Uni-Präsidentin bereits Pläne.

„In dieser Zeit würden wir die untere Etage des Gebäude und die Büroräume als Lagerflächen und als Räume für die Forscher von verschiedenen Drittmittelprojekten nutzen“, sagte Krause.

Auch Türme sollen länger stehen bleiben

Das würde auch deswegen passen, weil es derzeit eben genau für solche zusätzlichen und auf Zeit angelegten Forschungsprojekte einen erheblichen Raumbedarf an der Universität gibt. Ähnliches wie für die UB gilt auch für die geisteswissenschaftlichen Türme, aus denen schon jetzt immer mehr Fachbereiche und Institute ausziehen, die an den Campus Firmanei rund um die neue Bibliothek verlagert werden sollen. Auch die Türme sollen nach Auskunft der Präsidentin mindestens bis 2022 stehen bleiben, wenngleich das vielleicht nicht für alle dieser Gebäude gelten werde.

Wie es dann in fünf Jahren in dem Areal an der Stadtautobahn mit den jetzt noch durch die Uni genutzten Gebäude weitergeht, darüber solle in den kommenden Jahren verstärkt mit allen Akteuren der Stadt- und Hochschulplanung und auch dem Land Hessen nachgedacht werden, kündigte Katharina Krause an.

Dabei weist sie ausdrücklich darauf hin, dass jede weitere dauerhafte Nutzung sowohl der UB als auch der Türme grundlegende Sanierungskosten mit sich bringen würde. Zwar stehen diese Gebäude laut Krause nicht unter Denkmalschutz, aber auch deren Abriss würde hohe Kosten verursachen.

von Manfred Hitzeroth

„Ein Refugium mit hohem Aufenthaltswert“

Vor 50 Jahren wurde die Uni-Bibliothek an der Stadtautobahn auf einem ehemaligen Freizeit- und Gartengelände eröffnet.

Manfred Ritter wurde durch die Folge des OP-Sommerrätsels, bei der das gesuchte Gebäude die Uni-Bibliothek war, an die Vergangenheit des Areals erinnert, auf dem heute auch die Türme der Philosophischen Fakultät stehen. „Auf der Fläche, auf der heute die Universitätsgebäude stehen und auf der davorliegenden Fläche – der Stadtautobahn sowie der Wilhelm-Röpke-Straße – befanden sich vorher große Nutzgärten“, berichtet der ehemalige Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde. Diese Gärten hätten Familien aus dem Marburger Stadtteil Weidenhausen und der Oberstadt gehört und seien von ihnen bewirtschaftet worden. Die Gärten hätten damals zwischen der ehemaligen zweispurigen Bundesstraße und der Bahnlinie der Main-Weser-Bahn gelegen.

Ritter erinnert sich auch so genau daran, weil er einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend dort verbracht hat. Denn seine Großeltern und die Eltern besaßen dort einen großen Nutzgarten, in dem sie Gemüse, Salat und Kartoffeln anbauten und in dem sich auch Beerensträucher und Obstbäume befanden. Zudem gab es eine Blumenwiese, deren Heu als Futter für Kleintiere benötigt wurde. Mitten im Garten war ein Gartenhaus mit Veranda „im Stil des Historismus“, erinnert sich Ritter. Insgesamt sei der Garten „ein Refugium mit hohem ­Aufenthaltswert“ gewesen.

Angesichts all dieser Vorzüge sei es „nur verständlich gewesen“, dass die Errichtung der Universitätsgebäude auf diesen Gartengrundstücken heftige Proteste vieler Eigentümer und auch vieler weiterer Marburger mit sich gebracht habe, erinnert sich Ritter. Denn die Grundstücke seien enteignet, die Nutzgärten zerstört und das historische Stadtbild durch die neuen Bauten verstellt und verschandelt worden. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Aber es wäre vielleicht eine Idee wert und zumindest eine städtebauliche Aufwertung für das Stadtbild, wenn die Uni-Bauten nach dem Ende der derzeitigen Nutzung zurückgebaut würden, meint Ritter. Für eine solche „funktionale Nutzung und Gestaltung in Kontext mit dem historischen Stadtbild“ hat er Ideen.

So schlägt er den Rückbau der Stadtautobahn auf eine dreispurige Baumallee mit einer Begrenzung der Geschwindigkeit auf Tempo 80 vor. Auf dem Uni-Areal könnten die Gebäude abgerissen und nach der Neugestaltung als „eingegrünte Parkierungsanlage“ in das Konzept einer Bundesgartenschau einbezogen werden. Zudem schlägt er die Rückkehr des Festplatzes und Messegeländes (ehemals „Juxplatz“) vor. Das bisherige Uni-Areal müsste die Stadt Marburg erwerben, so Ritters Idee.

von Manfred Hitzeroth

Dieses Foto aus dem Familienalbum zeigt das ehemalige Gartenhaus der Familie von Manfred Ritter. Dort, wo heute Uni-Gebäude stehen, saßen vor mehr als 50 Jahren seine Großeltern. Privatfoto

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