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Testament führte zu Landesteilung

Tagung im Staatsarchiv Testament führte zu Landesteilung

Um die Teilung Hessens im Jahr 1567 nach dem Testament von Landgraf Philipp dem Großmütigen geht es in einer wissenschaftlichen Tagung am Freitag, 28. April, im Marburger Staatsarchiv.

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Landgraf Philipp der Großmütige als Statue vor dem Gebäude der Allgemeinpsychiatrie in Haina.

Quelle: Archiv

Marburg. Im 16. Jahrhundert war die Ausdehnung des Territoriums der Landgrafschaft Hessen nahezu abgeschlossen. Unter Landgraf Philipp dem Großmütigen wurde das Gebiet noch durch kleinere Erwerbungen ergänzt, die „aber nur der Abrundung des sich ausbildenden Territorialstaates dienten“, schreiben Friedrich Uhlhorn und Fred Schwind.

Begonnen hatte die Entwicklung der Landgrafschaft Hessen bereits im 12. Jahrhundert aufgrund der Erwerbungen, die die thüringischen Grafen aus dem Geschlecht der Ludowinger durch ihre Heiratsverbindungen mit der in Oberhessen ansässigen Grafenfamilie der Gisonen machten. Bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts konnten die Ludowinger in Hessen, das als eine Art Nebenland Thüringens galt, ihre Herrschaft konsolidieren.

Das Jahr 1567 bildete von daher eine Zäsur, weil in diesem Jahr aufgrund des Testaments von Landgraf Philipp von Hessen das gesamte Gebiet der Landgrafschaft geteilt wurde. In einem ersten Testamentsentwurf hatte er noch erwogen, das gesamte Land an Wilhelm IV., seinen erstgeborenen Sohn, zu übergeben. Das wurde dann nach mehreren weiteren Entwürfen verworfen. Nicht nur seine legitimen Söhne, sondern auch die Nachkommen aus seiner Nebenehe sollten versorgt werden.

Die Aufteilung des Landes in vier Regionen kam vorwiegend den vier „legitimen Söhnen“ aus Philipps erster Ehe zugute.

Niederhessen (Hessen-Kassel)­ ging an Wilhelm IV. Es umfasste ungefähr die Hälfte des ­ursprünglichen Territoriums. Oberhessen (Hessen-Marburg), das in Ludwig IV. dem zweitältesten Sohn zugesprochen wurde, nahm rund ein Viertel der Fläche ein. Das restliche Viertel des ursprünglichen Gebietes wurde auf Hessen-Rheinfels (die frühere Niedergrafschaft Katzenelnbogen) und Hessen-Darmstadt (die ehemalige Obergrafschaft Katzenelnbogen) aufgeteilt.

Nachdem Landgraf Ludwig von Hessen-Marburg 1604 kinderlos starb, gab es zwischen den beiden verbliebenen Linien Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt einen jahrzehntelangen Streit um sein Erbe. Ein Großteil ging jedoch an Hessen-Kassel.

„Die Teilung Hessens (1567). Herrschaftskonsolodierung und Residenzausbau“: Dies ist der Titel einer öffentlichen Tagung am Freitag, 28. April, ab 9.30 Uhr im Staatsarchiv am ­Friedrichsplatz in Marburg, die der Marburger und der Darmstädter Geschichtsverein gemeinsam veranstalten.

Suche nach den positiven Impulsen

Es geht bei der Tagung auch darum, die bisher vorherrschende Forschungsmeinung zu hinterfragen, wonach die Teilung Hessens aufgrund des Testamentes von Philipp aus landesgeschichtlicher Sicht ein Werk der Zerstörung gewesen­ sei.

Dies sagte der Marburger Tagungsorganisator Dr. Karl Murk, Vorsitzender der Marburger Sektion des Hessischen Geschichtsvereins, im Gespräch mit der OP.

So schrieb beispielsweise Karl Demandt in seinem Standardwerk zur hessischen Landesgeschichte, dass die Testamente Philipps das durch seine Doppelehe eingeleitete Werk der Zerstörung fortgeführt und vollendet hätten. Diese „seine ganze Ehe schwer belastende Eheverwirrung“ habe nicht nur sein politisches Werk zunichte gemacht, sondern letztlich auch sein Land zerstört.

Nun soll aber auf der Tagung auch danach gefragt werden, ob die Aufteilung des Landes vielleicht auch positive Impulse vor allem für den Aufschwung der Residenzstädte Darmstadt und Kassel, aber auch für den Universitätsstandort Marburg mit sich gebracht habe, erläutert Murk.

So habe Wilhelm IV. in Kassel beispielsweise die Naturwissenschaften und auch die Astronomie gefördert und eine moderne Haushaltspolitik eingeführt.

Auch wie es mit der von Landgraf Philipp dem Großmütigen gegründeten Marburger Universität nach seinem Tod weiterging, ist ein Thema, ebenso wie die Frage der baulichen Entwicklung in Marburg Ende des 16. Jahrhunderts.

Das heutige Land Hessen, das vor 60 Jahren gegründet wurde, besteht im Wesentlichen neben den damaligen Gebieten der Landgrafschaft Hessen vor allem aus der ehemals Freien Reichsstadt Frankfurt sowie dem damaligen Herzogtum Nassau (inklusive der heutigen Landeshauptstadt Wiesbaden sowie Regionen rund um das Bistum Fulda (bereits ab 1815 Kurhessen) und des bis 1929 selbstständigen Grafschaft Waldeck.

Die Teilung der Landgrafschaft Hessen habe aber insgesamt zu einem Gegensatz zwischen Nord- und Südhessen geführt, der teilweise bis in die heutigen Tage hineinreicht und die Landesgeschichte überdauert habe, erläutert Murk.
„Wenn es bei der ursprünglichen Linie geblieben wäre, dann wäre die hessische Geschichte ganz anders verlaufen“, meint er.

von Manfred Hitzeroth

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