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„Seine Hand war zwischen meinen Beinen“

Aus dem Amtsgericht „Seine Hand war zwischen meinen Beinen“

Nach einer Party lässt der ein oder andere sich gerne mit einem Taxi nach Hause bringen. Eine solche Fahrt wurde laut Anklageschrift zu einem einschneidenden Erlebnis für eine 24-jährige Marburgerin.

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Der Taxifahrer muss sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Ein 42-jähriger Taxifahrer soll sich an ihr vergriffen haben, als die Frau in seinem Wagen schlief.

Der Vorfall soll sich im August 2015 ereignet haben: Die Frau ließ sich von Wetter, wo sie gefeiert hatte, nach Marburg fahren. Alkohol und Müdigkeit sorgten dafür, dass sie einschlief.

So weit stimmten die Aussagen von Angeklagtem und Zeugin vor Gericht überein.

Angeklagter: Ich habe mich nicht neben sie gesetzt

„Ich bin dann plötzlich aufgewacht, weil er neben mir auf der Rückbank saß. Seine Hand war zwischen meinen Beinen. Das Auto stand fast direkt vor meiner Haustür“, sagte die 24-Jährige vor Gericht. Bevor sie aus dem Wagen flüchten konnte, habe der Taxifahrer gesagt: „Komm schon, du willst es doch auch.“

Der Angeklagte bestritt vehement, sich neben die Frau gesetzt und diese angefasst zu haben. „Sie ist aufgewacht, ausgestiegen, und ich habe noch eine gute Nacht gewünscht. Mehr nicht“, sagte der Taxifahrer vor Gericht aus.

Aussage gegen Aussage. Daher zielten die meisten Fragen von Staatsanwaltschaft und Richterin Barbara Steinmann auf den Alkoholeinfluss ab – aus gutem Grund.

Zur Polizei ging die Marburgerin erst einige Tage später, und dort log sie hinsichtlich ihrer Trunkenheit.

Seit jener Nacht nicht mehr mit einem Taxi gefahren

Sie verheimlichte dem Polizeibeamten, dass sie betrunken war. „Ich habe befürchtet, dass man mir dann nicht glaubt. Bei meiner zweiten Vernehmung habe ich dann aber gesagt, dass ich betrunken war“, sagte sie und beteuerte, dass sich der Tathergang wie beschrieben ereignet habe. Seit jener Nacht habe sie kein Taxi mehr in Anspruch genommen.

Über den Vorfall sprach die Frau einen Tag später mit Freunden. Diese bezweifelten allesamt, dass sich ihre Freundin die Geschichte zusammen-fantasiert hatte. Ein Freund und Arbeitskollege beschrieb die 24-Jährige als „quirlig, ehrlich und verlässlich“. Keine, die sich eine derartige Geschichte ausdenke.

  • Der Prozess wegen sexueller Belästigung wird am Mittwoch, 8. Februar, im Amtsgericht Marburg fortgesetzt.

von Benjamin Kaiser

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