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Tanzen verboten, streng verboten

Feiertagsruhe Tanzen verboten, streng verboten

Von Gründonnerstag bis Karsamstag müssen in Marburg die Füße still gehalten werden: Es gilt – wie überall in Hessen – striktes Tanzverbot.

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Von Gründonnerstag bis einschließlich Karsamstag herrscht in Hessen Tanzverbot.

Quelle: Archiv

Marburg. Der Karfreitag ist einer der höchsten Feiertage der Christen. An diesem Tag wird dem Tod von Jesus Christus am Kreuz gedacht. Um das angemessen zu würdigen, hat die hessische Landesregierung bereits 1971 ein Feiertagsgesetz erlassen, das sämtliche Tanz- und Musikveranstaltungen am Karfreitag verbietet. Der Karfreitag ist einer der „stillen Feiertage“.

In Hessen ist das Tanzverbot an Karfreitag besonders strikt geregelt – und geht auch weit über diesen Tag hinaus: Schon von Gründonnerstag ab 4 Uhr an gilt das Tanzverbot – bis zum Karsamstag um 24 Uhr. Das löst zwar jedes Jahr aufs Neue eine Diskussion um das Feiertagsgesetz aus – insbesondere der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen setzt sich für eine „maßvolle Reduzierung der Zeiten ein, während derer in Hessen die strengen Schutzregelungen für stille Feiertage gelten sollen“ – doch haben einige heimische Disco­betreiber ihre Wege gefunden, mit den „stillen Feiertagen“ umzugehen. Denn vor allem sie ­betrifft das Tanzverbot. Discos, Kneipen und Bars dürfen öffnen und auch im Hintergrund Musik abspielen – es darf nur eben niemand tanzen.

So bietet etwa die CampusBar in der Oberstadt am Gründonnerstag einen Karaoke-Abend: Getanzt wird also nicht, nur gesungen. Am Karfreitag wird es lediglich ab 22 Uhr einen normalen Barbetrieb mit Hintergrundmusik geben. Für das Till Dawn ist am Samstag eine Classic Rock Night angekündigt. Die beginnt ebenfalls erst ab 22 Uhr. Am Mittwoch gibt es noch die Jura-Party. Aber ab Gründonnerstag herrscht im Veranstaltungszentrum dann erst mal zwei Tage lang Ruhe.

Im Nachtsalon darf für vier Stunden getanzt werden

Und auch im Nachtsalon gibt es zumindest am Karsamstag wieder Musik: Dort ist die „Baby Life“-Party angekündigt. Nach der Pharma-Party am Mittwoch ist es jedoch auch im Nacht­salon erst mal zwei Tage lang ­ruhig.

„Die Baby-Life-Party beginnt um 23 Uhr und erst ab Mitternacht darf getanzt werden“, erklärt Matthias Emanuel Schulz vom Nachtsalon. „Um 4 Uhr ist dann wieder Schluss mit Tanzen.“ Der Nachtsalon hält sich also an die gesetzlichen Vorgaben – auch wenn Schulz selbst von dem strengen Feiertagsgesetz nichts hält: „Das bringt für Gastronomen große Einschnitte in die Umsätze“, erklärt er im Gespräch mit der OP. „Und das wegen eines Gesetzes, das längst überholt ist.“ Es sei einerseits wichtig, kulturelle Gepflogenheiten beizubehalten – „ich bin aber eher atheistisch veranlagt. Da ist es für mich schwierig, dieses Gesetz auch anzunehmen“.

Dekan Burkhard zur Nieden kann es nachvollziehen, wenn jemand aufgrund seiner individuellen Lebenssituation das Tanzverbot für nicht mehr zeitgemäß hält – bittet jedoch um Verständnis. „Es tut einer Gesellschaft gut, wenn sie einem so sperrigen Thema wie Sterben und Tod eine besondere Zeit reserviert.“ Der Karfreitag sei Teil unseres kulturellen Erbes – „und diesen besonderen stillen Tag sollte man einmal im Jahr auch freilassen und zulassen.“ Grundsätzlich sei er deshalb dafür, dass das Land Hessen an dem geltenden Tanzverbot festhalte.

Kontrolliert wird die Einhaltung des Tanzverbots in Marburg durch das Ordnungsamt. Bei Missachtung kann laut Philipp Höhn vom Presseamt der Stadt ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro festgesetzt werden. Die Strafe kommt dabei nicht auf die Tanzenden zu, sondern auf die Veranstalter oder Gastwirte.

von Patricia Grähling

Hintergrund

Die gesetzlichen Feiertage und das Tanzverbot an bestimmten Tagen ist Ländersache. In Hessen wird dies durch das Hessische Feiertagsgesetz von 1971 geregelt. Darin wird beispielsweise festgesetzt, dass an allen gesetzlichen Feiertagen unter anderem öffentliche Tanzveranstaltungen zwischen 4 und 12 Uhr verboten sind. Ausnahmen hiervon bilden der 1. Mai und der Tag der Deutschen Einheit.

Das Gesetz regelt für Hessen auch, dass das Tanzverbot an Gründonnerstag um 4 Uhr nachts beginnt und durchgehend über Karfreitag und Karsamstag gilt. Karsamstag um 24 Uhr endet das Tanzverbot. Am Ostersonntag und Ostermontag gilt es wieder jeweils von 4 bis 12 Uhr.

Öffentliche Tanzveranstaltungen sind beispielsweise auch Heiligabend ab 17 Uhr verboten, ebenso am Volkstrauertag und Totensonntag jeweils 4 Uhr. Eine Zuwiderhandlung gegen das Tanzverbot gilt als Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

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