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Platons Einfluss auf globalen Handel

Tagung Platons Einfluss auf globalen Handel

Was die Dialoge des ­griechischen Philosophen ­Platon heutzutage zur ­Lösung der Probleme der Weltwirtschaft beitragen können, darüber machen sich noch bis heute Teilnehmer einer Tagung in Marburg Gedanken.

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Professorin Evelyn Korn hat die Tagung mit organisiert.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Welche Regeln muss es geben, damit ein Staat ideal funktioniert? Das ist eines der wichtigsten Themen in Platons Dialog-Werk „Nomoi“, in dem der antike Philosoph im vierten Jahrhundert v. Chr. die Gespräche von drei Protagonisten im Vorfeld der Gründung einer neuen Kolonie aufgeschrieben hat.

Es gehe unter anderem darum, wie Gesetze so gestaltet werden können, dass normale Bürger zu einem Handeln motiviert werden, das für die Gemeinschaft nützlich ist, erläuterte die Marburger Gräzistin, Professorin Sabine Föllinger, zu Beginn der von ihr mitorganisierten Marburger Tagung im Alten Senatssitzungssaal der Universität.

Anhand eines Beispiels aus dem Roman „Unter Leuten“ der Schriftstellerin Juli Zeh machte­ Föllinger deutlich, welches ­Verhalten als nicht vorbildhaft bezeichnet werden könne. Darin beschreibt die Autorin den Kfz-Mechaniker Herrn Schaller, der seine pfandpflichtigen, leeren Bierdosen nicht abgibt, um dann Dosenpfand dafür zu kassieren. Stattdessen zerdrückt er sie mit Vorliebe, um sie anschließend wegzuwerfen.

Herr Schaller trage somit ­Züge eines Menschentyps, den auch Platon in seinen Werken zum Thema Regeln und Gesetze vor Augen gehabt habe. Diesem ­gehe es nicht um das allgemein Nützliche. Wer bestimme aber eigentlich, was vernünftig sei, fragte Föllinger. Und wie könne dieses dann durchgesetzt werden?

Die Umsetzung dieser Frage­stellung bestimme sowohl Platons Werke „Nomoi“ und „Politeia“ und sei auch entscheidend in der Institutionenökonomik, einer Disziplin der Wirtschaftswissenschaften.

Und genau um diese Parallelen geht es in der wissenschaftlichen Tagung an der Marburger Universität. Aus Sicht der Marburger Wirtschaftswissenschaftlerin, Professorin Evelyn Korn, stellt es sich so dar, dass Platon auf eine Art sogar der erste Institutionen-Ökonomiker und zumindest ein geistiger Vorläufer gewesen sei.

Ökonomie im Sinne des Gemeinwohls

Auch in aktuellen Fragen des globalen Welthandels gehe es darum, wie die Ökonomie im Sinne des Gemeinwohls gesteuert­ werden könne, sagte­ Korn als Mitorganisatorin der ­Tagung. Dies verdeutlichte sie an zwei Beispielen.

So habe die Welternährungsorganisation FAO bereits im Jahr 2013 einen stärkeren weltweiten Anbau der proteinhaltigen Pflanze Quinoa propagiert. Dieser könne dazu führen, einen weitaus größeren Teil der Weltbevölkerung mit wichtigen Proteinen zu versorgen als bisher durch den Fleischkonsum. Die Steuerung durch die Vereinten Nationen habe in diesem Fall in mehrfacher Hinsicht ökonomisch gut funktioniert. Die Quinoa-Produktion sei um das Dreifache angestiegen, aber auch die Preise für das Agrarprodukt hätten sich verdreifacht. So hätten auch die Bauern, die Quinoa anbauen, ihr Auskommen.

Ganz anders laufe die Sache, wenn man sich die weltweite­ Milchproduktion anschaue. Denn eigentlich sei die Milchherstellung durch die Weide­nutzung von Kühen unter anderem aus Gründen der Tiergesundheit im Gegensatz zur Stallhaltung zu befürworten. Doch dieses schlage sich nicht unbedingt in der Realität der Milchproduktion nieder.

Mit welchen Mitteln (Strafzölle, Besteuerung) die Ökonomie gelenkt werden kann, das ist ­eine der Fragen, die bei der ­Tagung diskutiert werden.

von Manfred Hitzeroth

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