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Suchtkranker Dieb verzichtet auf Berufung

Aus dem Landgericht Suchtkranker Dieb verzichtet auf Berufung

Das Amtsgericht Marburg hatte den einschlägig vorbestraften Angeklagten wegen Diebstahls im ­Januar zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt – ohne Bewährung. Dagegen legte der Mann Berufung ein.

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45-Jähriger bestahl Bewohnerinnen einer Seniorenresidenz und stand deshalb vor Gericht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht unter Vorsitz von Gernot Christ trat der 45-jährige gebürtige Marburger von seinem Widerspruch zurück. „Ich kann ihnen nach Einsicht aller Unterlagen nur von einer Fortsetzung dieser Verhandlung abraten“, hatte der Richter bereits früh mitgeteilt.

Gelernter Bäcker gab sich als Pflegekraft aus

Verurteilt worden war der Mann, der in Steinfurt lebt, weil er im Frühjahr 2016 unter Einfluss von Suchtmitteln und mit dem Ziel, diese weiterhin bezahlen zu können, in drei Apartments der Seniorenresidenz „Ars Vivendi“ Wertsachen entwendet hatte.

Zu diesem Zweck hatte sich der gelernte Bäcker als Pflege­kraft bei drei Bewohnerinnen ausgegeben und unter anderem Handtaschen im Wert von bis zu 180 Euro und Geldbeutel mit kleineren Beträgen erbeutet.

Angeklagter verlor eines seiner fünf Kinder

Da sein Verhalten einer der Seniorinnen seltsam vorkam, verständigte sie das wirkliche Pflegepersonal, das den Mann umgehend am Ausgang abfing und bis zum Eintreffen der Polizei festhielt; gewalttätig wurde er dabei nicht.

„In Anbetracht ihrer Vorstrafen, der Tatsache, dass sie noch unter Bewährung standen und mit Blick auf Ihre noch laufenden Verhandlungen wegen anderer Diebstähle sehe ich hier keine Chance darauf, das Urteil des Amtsgerichts von einem Jahr und sechs Monaten Haft nennenswert zu verringern. Eine Umwandlung in ­eine Bewährungsstrafe ist bei Ihrer Perspektive in jedem Fall ausgeschlossen, da die Suchtproblematik weiterhin vorliegt“, sagte Christ.

Seit Jahren ist der wegen Diebstahls Verurteilte bereits von diversen Suchtstoffen und Alkohol abhängig, dazu kam der Verlust eines seiner fünf Kinder im vergangenen Jahr, was ihn zusätzlich schwer traf.

In Aussicht: Unterbringung in einer Entzugsklinik

Nach Rücksprache mit seinem Anwalt nahm der derzeit Arbeitslose, der aber ein Stellenangebot in Aussicht hat, die Berufung zurück. Dabei motivierte ihn auch die von Christ in Aussicht gestellte Möglichkeit, nun  vielleicht aus den Verfahren eine Gesamtstrafe von unter zwei Jahren zu erhalten. Das würde die Strafrückstellung nach Paragraf 35 des Betäubungsmittelgesetzes ermöglichen.

Sollte es zu dieser Umwandlung kommen, wäre statt der Haft eine Unterbringung in eine stationäre Entzugsklinik denkbar. Dazu sagte der Suchtkranke selbst: „Das ist meine letzte Chance, ich muss das für meine Familie schaffen.“

von Marcus Hergenhan

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