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Stollen bietet Fledermäusen Quartier

Rückzugsort Stollen bietet Fledermäusen Quartier

Eine neue Hinweistafel weist auf das Winterquartier für Kleintiere am ­Ortenberg hin: Der Tannhäuserstollen bietet unter anderem Unterschlupf für Fledermäuse und Salamander.

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Umweltamtsleiter Jochen Friedrich (von links), Ortrud Simon (Untere Naturschutzbehörde) und Umweltdezernent Dr. Franz Kahle stehen vor dem Eingang zum Tannhäuserstollen.Foto: Nadja Schwarzwäller/Stadt Marburg

Marburg. Komfortables Winterquartier mietfrei zu beziehen, saniert und naturnah gelegen - so könnte eine Wohnungsanzeige klingen. Angesprochen fühlen dürfen sich Fledermäuse. Denn genau die sollen weiterhin im ehemaligen Luftschutzstollen „Tannhäuser“ in der Nähe des Marburger Hauptbahnhofs Unterschlupf finden. Zusätzlich ist der Stollen in der kalten Jahreszeit auch ein ideales Rückzugsgebiet für Feuersalamander, wie die städtische Pressestelle mitteilt.

„Der Tannhäuser Stollen dient seit Jahrzehnten als Winterquartier für Fledermäuse und andere Kleintiere. Dass dieser Rückzugsraum erhalten werden konnte, ist ein Erfolg für den Artenschutz, über den wir uns sehr freuen“, erklärte Umweltdezernent Dr. Franz Kahle (Grüne). Bei einem Ortstermin am Eingang des ehemaligen Luftschutzstollens - am Fahrradweg hinter der Waggonhalle Richtung Hauptbahnhof gelegen - stellte er mit Umweltamtsleiter Jochen Friedrich sowie Ortrud Simon (Untere Naturschutzbehörde) eine Tafel vor, die auf das Quartier hinweist.

Das Marburger Schloss ist ­eines der größten Winterquartiere für Fledermäuse in ganz Deutschland und wird von ­Tausenden Zwergfledermäusen­ ­genutzt. Den ehemaligen Luftschutzstollen am Ortenberg nutzen vergleichsweise sehr viel weniger Tiere, erklärte Ortrud Simon. Dennoch sei es wichtig, solche Rückzugsräume zu erhalten, vor allem weil Quartiere anderenorts durch Baumaßnahmen oft verloren gingen, wie Kahle erläuterte. Laut Simon sei es notwendig gewesen, den Stollen zu verfüllen.

Die Decke bröckelte, es sammelte sich immer mehr Schutt an und das Ganze drohte, in sich zusammenzubrechen. Um den Fledermäusen einen Rückzugsort zu erhalten, wurden die vorderen 15 Meter baulich abgesichert. Hinter dem vergitterten Eingang sorgt nun eine sechs Meter lange Betonröhre dafür, dass sich die kleinklimatische Situation verbessert, weil sich die Wärme im Stollen hält. Dahinter wurden Verstecke für die Fledermäuse geschaffen, die ihnen Haltemöglichkeiten bieten. Außerdem ist der Stollen mit Rindenmulch ausgelegt und mit Steinhaufen ausgestattet - so entstehen Rückzugsorte für den Feuersalamander und andere Amphibien.

Da die klimatischen Bedingungen im Stollen anders als im Schloss sind, sind dort auch andere Arten anzutreffen. Am Stollen kann man mit etwas Glück das „Braune Langohr“ und die „Fransenfledermaus“ beobachten. Diese beiden Arten mögen es eher feucht. „Einzug“ ins Winterquartier halten die Fledermäuse nach Auskunft von Simon ab Oktober. Im August und September gehen die Tiere allerdings schon auf Erkundung und überprüfen, ob gute Höhlen zur Verfügung stehen. Der Stollen „Tannhäuser“ ist ein Überbleibsel aus der Nazi-Zeit, wie Kahle erklärte.

Er wurde als Luftschutzbunker gebaut und war zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten. Das Gelände unterhalb des Ortenbergs gehörte früher der Deutschen Bahn. Die Kosten für die Verfüllung des Stollens, die 2015 aus Mitteln der Städtebauförderung (zu je einem Drittel durch Bund, Land und Kommune) gefördert wurde, liegen bei rund 150.000 Euro. Nur ein Bruchteil dieser Kosten entfiel auf die Herrichtung des Fledermausquartiers.

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