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Marburgs Luft ist sauber wie nie zuvor

Weniger Stickstoffdioxide Marburgs Luft ist sauber wie nie zuvor

Der Anteil von Stickstoffdioxid in der Marburger Luft ist laut dem Landesumweltamt auf einem ­Rekordtief. Der Standortwechsel der Messstation könnte die Zahlen aber beeinflussen.

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Der Standortwechsel der Luftmessstation könnte die Ergebnisse verfälscht haben.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Belastung der Luft mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid (NO2) ist weiterhin hoch. Dies ergab die Auswertung der Luftmessstationen an hessischen Verkehrsschwerpunkten. An der Messstelle in der Universitätsstraße blieb der NO2-Gehalt im Jahr 2017 jedoch erstmals unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter. Dies teilte das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf Nachfrage der OP mit. Die Station ist seit 2006 in Betrieb.

Der Jahresmittelwert an der Universitätsstraße lag demnach bei 35,7 und damit mehr als 11 Mikrogramm pro Kubikmeter unter dem Vorjahreswert. Der Immissionsgrenzwert in Deutschland beträgt aktuell 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Laut Prof. Dr. Stefan Jacobi, Leiter des Dezernats für Luftreinhaltung und Immissionen am HLNUG, liegt dies an mehreren Faktoren. Zum einen gehe die Stickstoffdioxid-Konzentration in der Luft seit 15 Jahren leicht, aber kontinuierlich zurück. Zum anderen seien die Wetterbedingungen im vergangenen Jahr besonders günstig gewesen. Durch regelmäßige und starke Windböen seien die Stickoxide besser in der Luft verteilt worden.

Feinstaub an Silvester

In der Silvesternacht steigt die Feinstaubbelastung in der Luft traditionell explosionsartig an. Auch in Marburg wurden im Höchstmittelwert einer Stunde 155,4 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter nachgewiesen. Zum Vergleich: Der Immissions-Tagesgrenzwert für Feinstaub liegt in Deutschland bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Marburg lag der Jahresmittelwert 2016 bei 17 Mikrogramm pro Kubikmeter. Positiv: trotz des dramatisch hohen Höchststundenwertes wurde der Tagesgrenzwert an Neujahr nicht überschritten. Er lag mit 14,6 Mikrogramm pro Kubikmeter sogar noch unter dem Marburger Jahresmittelwert von 2016.

Für Helmut Weinberger, Pressesprecher des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sorgten die Wetterbedingungen für den geringen Tagesmesswert. „Es war sehr windig. Dadurch verteilen sich die Schadstoffe auch in andere Luftschichten“, sagte er.

Ein weiterer wichtiger Grund, der auch Bürgermeister und Umweltdezernent Wieland Stötzel (CDU) bewusst ist, ist der veränderte Standort der Luftmessstation. Im Zuge der Bauarbeiten am ehemaligen Allianzhaus wanderte die Messstelle einige Meter weiter zum Savigny-Haus. Statt in der „Häuserschlucht“ zwischen der künftigen „2M Marburg Mall“ und dem Schlossberg Center stehe die Messstation nun vor der Juristischen Fakultät an einem neuen und wesentlich besser belüfteten Standort. „Diese neue Situation hat sicher nicht unwesentliche Auswirkungen auf die Messwerte“, sagt Stötzel.

Diese Einschätzung teilt auch das Landesumweltamt. „Wir hatten schon befürchtet, dass der neue Standort niedriger belastet sein könnte“, sagt Prof. Jacobi. „Der Charakter einer sogenannten Straßenschlucht ist an dieser Stelle aufgebrochen. Die Belüftung ist besser als an dem früheren Standort“, erklärt er. Dadurch könnten die Ergebnisse im Vergleich zu den Vorjahren etwas verfälscht sein.

Zur weiteren Untersuchung sollen in Marburg Passivsammler angebracht werden. „Möglichst nahe an der ursprünglichen Messstelle“, sagt Prof. Jacobi. Passivsammler sind kleine Röhrchen, die mit einem Material befüllt sind, durch das Stickstoffdioxid diffundiert. Nach vier Wochen werden die Proben im Labor auf den NO2-Gehalt untersucht. Dies soll Aufschluss darüber geben, inwieweit der Standortwechsel der Station die Messergebnisse beeinflusst hat.

Dennoch kann bereits jetzt konstatiert werden, dass sich der Anteil von Stickstoffdioxid in der Luft Marburgs verringert hat. Stickstoffoxide gelten als gesundheitsgefährdend. Sie können auf Dauer die Atemwege schädigen und zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Die Gase stammen hauptsächlich aus den Abgasen von Industrie und Autoverkehr. Insbesondere Dieselfahrzeuge stoßen Luftschadstoffe wie Stickoxide in höheren Mengen aus.

Bürgermeister Stötzel wollte auf OP-Anfrage einen kausalen Zusammenhang zwischen der Umweltzone und den verbesserten Luftverhältnissen in Marburg nicht direkt bestätigen. Im vergangenen Jahr seien aber durch die verschärften Kontrollen insgesamt 2.223 Verstöße festgestellt worden. Das Regierungspräsidium Kassel verhängte deshalb Bußgelder in Höhe von insgesamt 177.800 Euro. Die Stadt erhielt davon einen Anteil von 40 Prozent, der 71.120 Euro beträgt.

von Tobias Kunz

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