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Gasversorger stellt Netz um

Stadtwerke Marburg Gasversorger stellt Netz um

Alle rund 18.800 Gasendgeräte im Netz der Stadtwerke Marburg müssen in den kommenden Monaten erfasst und angepasst werden.

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In der Gasübergabestation der Stadtwerke Marburg wird das benötigte Gas von einer Fernpipeline in das mehr als 300 Kilometer 
lange Netz der Stadtwerke übertragen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Knapp ein Drittel des deutschen Erdgasmarktes wird mit sogenanntem L-Gas versorgt. Der Buchstabe L steht für „low“ (zu Deutsch: niedrig) und bezeichnet den Energiegehalt des Gases. Es wird zu einem 
erheblichen Teil in den Nieder­landen und zu einem kleineren Teil in Deutschland gefördert und über Fernleitungen zu den einzelnen Versorgungsgebieten gebracht.

Aber dieses Gas ist endlich – konkreter: Es geht langsam zur Neige. In den Niederlanden gab es in den Fördergebieten schon einzelne Setzungen, berichtet 
Dr. Bernhard Müller, der Bereichsleiter Netze bei den Stadtwerken Marburg. Die Niederlande schalten deswegen die Fördergebiete bis zum Jahr 2030 schrittweise ab.

In allen bisher mit L-Gas versorgten Gebieten wird deswegen die Versorgung in den kommenden Jahren schrittweise auf H-Gas umgestellt. „H“ bedeutet „high“ (hoch) und bezeichnet den höheren Energiegehalt des Gases. H-Gas hat einen um etwa 20 Prozent höheren Energiegehalt als das L-Gas. Es kommt vor allem aus Norwegen und Russland. „Aktuelle Prognosen gehen von einer technischen Verfügbarkeit von Erdgas für 100 bis 250 Jahre aus“, sagen die Stadtwerke. Dabei unterschieden sich die Zahlen je nach Studie und aufgrund der in der jüngsten Vergangenheit massiv gestiegenen Förderung in den USA.

Fachleute kommen 
zum Verbraucher ins Haus

Während es den bestehenden Erdgasnetzen egal ist, ob L-Gas oder H-Gas durch sie geleitet 
wird, trifft dies auf die End­geräte nicht zu. Laienhaft formuliert: Das H-Gas brennt mit einer 
höheren Temperatur ab als das L-Gas – deswegen muss das Endgerät für diese höhere Temperatur geeignet sein.

Damit dies reibungslos funktionieren kann, müssen die Stadtwerke als zuständiger Netzbetreiber zunächst die Erdgasgeräte aller ihrer Endverbraucher erfassen, um die spätere Anpassung planen und vorbereiten zu können. In diesen Tagen wird damit begonnen. Mitarbeiter der beauftragten Spezialfirma, nämlich die Energie Mess- und Servicedienste 
GmbH und die ESK GmbH, 
klingeln daher demnächst bei allen Gaskunden der Stadtwerke, 
 um die vorhandenen Gasgeräte in Augenschein zu nehmen und zu erfassen.

Die Kunden werden von den Stadtwerken schriftlich über die Erhebungstermine in den einzelnen Häusern informiert. Die Mitarbeiter der beauftragten Unternehmen werden von den Stadtwerken mit speziellen Arbeitsausweisen ausgestattet – und sie kommen nur an den Terminen, die die Stadtwerke angekündigt haben. „Das erschwert es Trickbetrügern, die sich als Monteure unseres Hauses oder unserer Dienstleister ausgeben, die Chance zu nutzen und sich Zugang zu den Häusern oder Wohnungen zu verschaffen“, betont Dr. Müller im Gespräch mit der OP.

Kosten für Verbraucher nur bei neuem Gerät

Bis Ende des nächsten Jahres wird sich diese Erhebung hinziehen, schätzen die Stadtwerke. In einem zweiten Schritt folgt dann, falls nötig, die technische Umstellung der Geräte. Das soll voraussichtlich ab Mai 2019 geschehen. Heißt: Mitarbeiter der Stadtwerke-Dienstleister kommen ein zweites Mal in die Haushalte. „Anders geht es nicht“, sagt Müller. In der Regel wird es bei der Umstellung darum gehen, dass die Gasdüse im 
Brennraum ausgetauscht wird.

Für die Erhebung und die Umstellung der Geräte entstehen für den Verbraucher keine Kosten. Sollte ein Gerät nicht auf H-Gas umgestellt werden können, muss es gegen ein Neugerät umgetauscht werden. Die Kosten dafür muss der Endverbraucher bezahlen. Müller kündigt an, dass die Stadtwerke dafür ein Förderprogramm auflegen werden. Und er weist darauf hin, dass Verbraucher alle vorgeschriebenen Wartungen durchführen sollen. So helfen sie mit, dass die Geräte umgestellt werden können.

Für die Stadtwerke ist die Umstellung „das größte Infra­strukturprojekt der letzten zehn Jahre“, sagt der technische Geschäftsführer Rainer Kühne. Die Versorgungssicherheit sei aber nicht nur gewährleistet, sondern werde sogar noch erhöht. Die Stadtwerke bauen nämlich im Zuge der Umstellung eine zweite Übergabestation, die das Marburger Netz mit dem Fernnetz verbindet.

  • Umstellungs-Hotline: 06421/405-222.

von Till Conrad

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