Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Stadt will bei Schulbibliotheken kürzen

Haushaltsplan 2017 Stadt will bei Schulbibliotheken kürzen

Im Haushaltsplan 2017 der Stadt sind Kürzungen von fast 30 Prozent bei den Zuschüssen für die Bibliotheken der weiterführenden Schulen vorgesehen. Das städtische Schulamt erklärt, die Schulen sollen an „Sachmitteln“ sparen, damit Öffnungszeiten nicht gefährdet werden. An einigen Schulen werden die vorgesehenen Kürzungen jedoch dazu führen, dass Schüler ihre Bücherei nur noch seltener besuchen können. Dies ­ergab eine OP-Umfrage ­an Marburger Schulen.

Voriger Artikel
Gefahrstoff ausgetreten: Lokführer verletzt
Nächster Artikel
Prügelei war „überflüssig wie ein Kropf“

Viele Schüler verbringen in der Bibliothek am Gymnasium Philippinum gerne ihre Pausen, recherchieren für Referate oder bereiten sich auf Prüfungen vor. Nun will die Stadt den Schulbibliotheken die Zuschüsse um fast 30 Prozent kürzen.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Morgens von 9 bis mittags um 14 Uhr öffnen Eltern ehrenamtlich die Bibliothek am Gymnasium Philippinum. Viele Schüler verbringen ihre Pausen in der Bücherei und recherchieren für Referate. Zur Zeit pauken dort vor allem die angehenden Abiturienten für ihre Prüfungen.

Die Stadt will den Schulen die Zuschüsse für die Bibliotheken um fast 30 Prozent von 70 000 Euro auf 50 000 Euro kürzen. Das Philippinum bekam bislang 2 000 Euro im Halbjahr, nun sind es nur noch 1 400 Euro. Aus diesem Budget zahlt die Schule­ den ehrenamtlich tätigen Eltern eine geringe Aufwandsentschädigung.

Städtisches Schulamt sieht Öffnungszeiten nicht gefährdet

„Da müssen wir nochmal durchrechnen, ob wir uns die langen Öffnungszeiten am Vormittag noch leisten können oder vielleicht schon um 12 Uhr schließen müssen“, sagt Alexander Luigs, Lehrer und Koordinator der Schulbibliothek. Die Eltern seien sehr engagiert bei ihrer Arbeit mit den Schülern und fühlten sich von den Kürzungen vor den Kopf gestoßen. Am Nachmittag wird die Bibliothek von Oberstufenschülern betreut. Diese Aufsicht werde aus anderen Mitteln finanziert und sei nicht bedroht, sagt Luigs.

Das städtische Schulamt sieht die Öffnungszeiten der Schulbibliotheken indes nicht gefährdet. 30 Prozent des Zuschusses könnten die Schulen für Sachmittel, also Bücher, Medienmaterial und Ausstattung ausgeben. „Sie können die Kürzungen bei ihren Sachmitteln ansetzen, so dass in der Regel keine Auswirkungen auf die zunächst über Personalkosten finanzierten Öffnungszeiten entstehen werden“, teilt die Pressestelle der Stadt mit.

Tobias Meinel: „Die Kürzung ist spürbar aber zu verkraften“

Auch die Emil-von-Behring-Schule schmerzen die geplanten Kürzungen. „Unsere Media­thek lebt davon, dass der Bestand aktuell ist und sie zu verlässlichen Zeiten öffnet. Aber irgendwoher muss das Geld dafür ja kommen“, sagt Schulleiter Klaus Schäfer. Die Bibliothek öffnet an zwei Vormittagen für zwei Schulstunden und von montags bis donnerstags um die Mittagszeit. „Wir werden das irgendwie weiter stemmen, eventuell über den Förderverein“, sagt Schäfer.

Tobias Meinel, Leiter der Elisabeth-Schule bereitet die Kürzung „gewisse Sorge“. Bei der ­finanziellen Situation der Stadt müsse man die Kürzung jedoch im Verhältnis zu geplanten ­Investitionen in Schulgebäude und die IT-Ausstattung sehen. „Die Kürzung ist spürbar, aber zu verkraften. Wir werden wohl Abstriche bei den Autoren­lesungen machen“, sagt Meinel.

In der Martin-Luther-Schule­ wird man angesichts der Kürzung wahrscheinlich die Betreuung in der Bibliothek etwas zurückfahren müssen, sagt Michael Pichl, stellvertretender Schulleiter. „Den Zuschuss haben wir gern gesehen, die Kürzung trifft uns. Angesichts der Haushaltslage war diese jedoch absehbar“, sagt Pichl. Die Öffnungszeiten würden jedoch nicht berührt, weil es ohnehin keine durchgehende Betreuung gebe.  Die Betreuer helfen den Schülern etwa bei der Recherche.

von Philipp Lauer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Spies' Sozialpolitik
Im Februar demonstrierten mehrere hundert Menschen gegen vorgesehene Kürzungen im Sozialbereich. Foto: Nadine Weigel

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) weist Vorwürfe zurück, Zuwendungskürzungen an freie Träger seien „unsozial“.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr