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Stadt plant neue Grünflächen-Regeln

Northampton-Park Stadt plant neue Grünflächen-Regeln

Das geplante Alkoholverkaufsverbot für Marburg-Mitte ist nur eine der Reaktionen des OB auf die Probleme im „Northampton-Park“. Die Zimt-Regierung will die Ordnungspolitik auf mehrere Freizeitflächen ausdehnen.

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Anwohnerbeschwerden über Lärm und Müll im „Northampton-Park“ haben eine Grundsatzdebatte ausgelöst.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Zur Bekämpfung der Müll-, Lärm- und Alkoholprobleme nahe der Lahn plant Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) mehrere Schritte: Neben einer regelmäßigen Kontrolle des Weidenhäuser Parks durch einen Spielplatzkontrolleur im Sommer sollen die Dienstleistungsbetriebe zusätzlich zu der werktäglichen Reinigung bis auf Weiteres auch an Samstagen und Sonntagen saubermachen. Zudem sollen weitere Schilder mit der Parkordnung – Verweise auf die Nachtruhe – aufgestellt und die Installation von Beleuchtung geprüft werden. Für das an Abenden angestrebte Alkoholverkaufsverbot in Marburg-Mitte soll beim Land Hessen eine rechtliche Regelung erwirkt werden (die OP berichtete).

Die Zimt-Regierung bringt zudem eine Grünanlagensatzung auf den Weg. Sie soll für „Northampton-Park“, „Schlosspark“ samt Rosengarten, Friedrichsplatz, „Ludwig-Schüler-Park“, Stadtwald, „Garten des Gedenkens“ und Pfaffenwehr gelten. Während die Regelungen noch unklar sind, zeigen Beispiele aus anderen Städten die Stoßrichtung solcher Satzungen: Musikverbot, Leinenpflicht für Hunde, Untersagung des Anbringens etwa von Lichterketten, Seilen oder Bändern (etwa Slacklines) an Bäumen und Büschen, Rauch- und Grillverbot.

Der Marburger Heimatforscher Karl-Heinz Gimbel nennt die Benennung der Parkanlage in Weidenhausen, die einst „Bürgerpark“ hieß, indes „geistige Schlamperei“. Denn die Namensgebung für die Grünfläche erfolgte „bar jeder geschichtlichen Kenntnis“, sie sei „gut gemeint“ gewesen, aber eine „Fehlleistung“, da man sich bei der Stadt keine Mühe gemacht habe, die Wurzeln zur Errichtung des Parks zu ergründen. Gimbel hat dazu geforscht, präsentiert seine Ergebnisse: Die Idee, auf dem „Hirsefeld“ einen Park zu errichten, gehe auf den vermögenden Marburger Mathematikprofessor Dr. Kurt Hensel zurück. Die Geschichte der Familie Hensel sei eine, die von Unterstützung sozialer Vorhaben zeuge – Kurt und Gertrud Hensel entwickelten 1910 den Plan, auf dem Hirsefeld einen Park zu begründen.

Dazu habe Hensel unter Einsatz seiner privaten Mittel 1913 einen Holzsteg von der Weide über die Lahn zu dem damals noch völlig unbebauten Hirsefeld bauen lassen. Der Steg sollte vom Südviertel her den Zugang zu dem anschließend dort zu erstellenden Bürgerpark ermöglichen. Von der „Gertrud-Hensel-Stiftung“ wurden vom Großgrundbesitzer Hoffmann Grundstücke erworben.

Umbenennung in „Hensel-Park“ möglich?

Die Mittel und Grundstücke der Stiftung wurden wenig später mit einem umfangreich aufgesetzten Vertrag der Stadt Marburg mit der Bedingung übergeben, zur Erholung der Bürger dort einen Bürgerpark anzulegen. Der Hirsefeldsteg wurde fertiggestellt, doch zur Errichtung des Parks kam es nicht mehr. Der Erste Weltkrieg war ausgebrochen, danach herrschten Notzeiten. Später pochte Hensel mehrmals bei der Stadt darauf, endlich die Zusage zur Errichtung des Parks einzuhalten. Vergeblich – und ab 1933 konnten die Hensels keine Ansprüche mehr stellen.

Denn mit Beginn der Naziherrschaft geriet die jüdische Familie – die „Hensel-Villa“ am Schlossberg war bis dahin einer der Gesellschafts-Treffpunkte in der Stadt – ins Abseits.

In den Jahren vor dem Tod von Kurt Hensel im Jahr 1941 hatten die Nazis der Familie das gesamte umfangreiche Vermögen an Geld und Aktien abgenommen. In Bittschreiben von Hensel an ehemalige Freunde, denen er vor 1933 Geld geliehen hatte, bat die verarmte Familie vergeblich alte Bekannte um Hilfe. Die Hensels zogen 1951 aus Marburg weg, Villa und Grundstück am Schlossberg wurde vom Herder-Institut gekauft.

Erinnerungen an die angesehene Familie seien „in Vergessenheit geraten“. Etwa die Finanzierung des Hirsefeldstegs, die Errichtung des Universitätsstadions, für das Hensel Teilgrundstücke zur Verfügung stellte oder eben die (vertraglich geregelte) Errichtung eines Bürgerparks an jenem Ort, wo heute der Northampton Park liegt. Eine nachträgliche Umbenennung des Park, wie in anderen Fällen in der Stadt geschehen, wäre möglich. So sei vor 1933 vom Magistrat bereits die Umbenennung des Hirsefeldstegs in „Hensel-Steg“ in Erwägung gezogen worden. Begründung für das Verwerfen des Plans: Der  herausragenden Rolle Kurt Hensels würde man mit einem einfachen Holzsteg nicht gerecht.
„Wer Tradition wegwirft, braucht sich über Verschandelungen nicht zu wundern“, sagt Gimbel.

von Björn Wisker

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