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Stadt verkauft Denkmal an Investoren

Lokschuppen Stadt verkauft Denkmal an Investoren

Der Lokschuppen ist verkauft. Die Bietergemeinschaft Schneider / C+P hat den Zuschlag für das Industriedenkmal am Ortenberg bekommen. Trotz anhaltender Kritik stimmten die ZIMT-Stadtverordneten geschlossen dafür.

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Immobilienkauf durch die Stadt von der Bahn, jahrelanger Verfall, Privatisierungsentscheidung und nun der Verkauf an Investoren: Lokschuppen und Werkstattgebäude sind künftig nicht mehr in öffentlichem Besitz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. "Schön, dass es ­geklappt hat“, sagt Gunter Schneider von der Bietergemeinschaft Lokschuppen nach der Parlaments-Abstimmung auf OP-Anfrage. Für ihn und Jörg Schwarz sowie Karen Weitzel (beide C+P) hatte am Freitagabend das monatelange Bibbern und Bangen ein Ende, ob ihre Vision einer Lokschuppen-Sanierung den Rückhalt der Kommunalpolitik hat.

In den Minuten vor dem aus Sicht der Investoren erfolg­reichen Ausgang lieferten sich Vertreter von Opposition und Stadtregierung samt Oberbürgermeister ein Rededuell. „Ein Aufschub um zwei Monate für die Investoren war kein Problem, aber ein Aufschub für die Nachbarn, für die Bürger, ist unmöglich. Das lässt tief blicken“, sagt Tanja Bauder-Wöhr (Linke) im Hinblick auf das ­Ausschreibungsverfahren.

Nezi: Vorgehen der Koalition "Unverständlch und unredlich"

Die Grünen beantragten daher wie bereits im Bauausschuss die Einberufung einer Bürger-Info noch vor der Verkaufsentscheidung – das ­lehnte die ZIMT-Regierung aus SPD, BfM und CDU erneut ab. „Unverständlich und unredlich“, sagt Marco Nezi (Grüne), sei das Vorgehen der ZIMT und des OB, „die vielen offenen Fragen“ der Bürger erst nach dem Verkauf zu beantworten.

Für Bauder-Wöhr ist das Waggonhallenareal so, wie es jetzt sei, eine „schöne, erlebbare, erfolgreiche Kulturstädte“, ­deren Existenz mit dieser Privatisierungsentscheidung auf dem Spiel stehe. Die Stadt selbst, die Gewobau hätte ein Hotel- und Gründerzentrums-Konzept analog der Vorstellungen von Schneider/C+P umsetzen sollen.

OB Dr. Thomas Spies (SPD) konterte den Vorschlag der Linken. „Es ist eine hochkonservative Haltung, bloß nichts am Bestehenden ändern zu wollen. So kommt der Sozialismus nie, für den muss man vorangehen wollen.“

Grundstücksverkauf: Stadt sieht Kläger chancenlos

Und etwa ein kommunaler Hotelbetrieb, wie die Linke ihn vorschlage, sei eine rechtlich unzulässige Erweiterung der städtischen Aufgabengebiete. Etwas, das Stadtverordnete im Fall des einst geplanten Kaufs des „Marbuch-Verlags“ durch die Stadtwerke noch kritisiert hätten (die OP berichtete). Die unter anderem von der FDP erkannte „rechtliche Sumpflandschaft“ (Christoph Ditschler), in der das Ausschreibungsverfahren gebaut wurde, wies Spies zurück. Im Kern handele es sich bei der Vorlage lediglich um einen Grundstücksverkauf, juristisch stehe die Stadt in allen Aspekten des Vergabeverfahrens auf der sicheren Seite.

Die „lange Liste der Bedenkenträgerei“ sei mit dem Zuschlag an Schneider/C+P abgearbeitet und gerade die Lokschuppen-Nachbarn – Rotkehlchen, Waggonhalle, Kletterhalle – würden die „Riesenchance der Entwicklung“ ebenso verkennen wie die bereits millionenschweren getätigten Infrastruktur-Hilfen der Kommune, sagt Spies.

von Björn Wisker

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